Parteichefin geht
Petry will jetzt auch aus AfD austreten

Einen Tag nach ihrer Ankündigung, nicht Teil der AfD-Bundestagsfraktion zu werden, kündigt die Parteichefin ihren Austritt aus der Partei an. Auch bei ihrem Ehemann – Marcus Pretzell – bahnt sich eine AfD-Abkehr an.
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DresdenDie AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry wird aus ihrer Partei austreten. „Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird“, sagte sie am Dienstag in Dresden, allerdings ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Zuvor hatte Petry bereits angekündigt, dass sie ihr Amt als Fraktionsvorsitzende im Sächsischen Landtag aufgeben werde. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer Uwe Wurlitzer und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kirsten Muster würden ihre Ämter in der Fraktion „mit Ablauf des heutigen Tages“ aufgeben, sagte Petry.

Neben Petry wird auch ihr Ehemann Marcus Pretzell, Landes- und Fraktionschef der AfD in Nordrhein-Westfalen, Partei und Fraktion verlassen. Diesen Schritt habe Pretzell, der auch die Fraktion leitet, für deren nächste Sitzung angekündigt, sagte AfD-Fraktionssprecher Michael Schwarzer am Dienstag in Düsseldorf.

„Das ist eine Vermutung“, sagte dazu der künftige AfD-Bundestagsabgeordnete und NRW-Co-Chef Martin Renner. Sollte es so kommen, sei das aber „irrelevant“. Denn die Gruppe um Petry und Pretzell habe „nicht mehr als zehn Prozent der Funktionsträger und Parteimitglieder hinter sich“. Renner, der dem Rechtsaußen-Flügel zugeordnet wird, und Pretzell gelten als tief zerstritten und erbitterte Konkurrenten.

Petry kann nach Einschätzung von Experten keineswegs sicher sein, dass sie im Fall einer Abspaltung Rückenwind aus dem NRW-Landesverband bekommen würde. Zwar baue sie auf das Lager ihres Mannes, sagte der Düsseldorfer Extremismusforscher Alexander Häusler: „Die NRW-Landesliste der AfD im Bundestag ist vor allem besetzt mit Pretzell-Anhängern.“ Allerdings werde sie damit scheitern, diese NRW-Politiker hinter sich zu bringen, vermutet Häusler. Mit ihrer Entscheidung, nicht in die Bundestagsfraktion zu gehen, habe sich Petry ins politische Abseits manövriert.

Pretzell äußerte sich Montag zunächst zurückhaltend auf die Frage nach einer möglichen Spaltung der Partei: „Das werden wir sehen“, sagte er dem Sender WDR 5 am Montagmorgen vor der überraschenden Ankündigung Petrys. „Man muss die Bundestagsfraktion jetzt erst mal angucken.“ Die AfD hatte bei der Wahl mit 9,4 Prozent auch in NRW ein starkes Ergebnis erzielt, besonders im Ruhrgebiet.

Die 42-Jährige Petry hatte bei der Bundestagswahl am Sonntag ein Direktmandat gewonnen. Am Montag erklärte sie, dass sie der neuen AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören wolle. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen legte ihr daraufhin den Austritt aus der Partei nahe. Petry hatte erklärt, sie wolle der Fraktion nicht angehören, sondern vorerst als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag sitzen. Ob sie jetzt versuchen wird, eine eigene Partei zu gründen, ist noch unklar. Dafür müsste sie mindestens 35 Abgeordnete auf ihre Seite ziehen.

Unterdessen ist die neue AfD-Fraktion im Bundestag zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Auf die Frage, ob er mit weiteren „Abtrünnigen“ rechne, sagte Spitzenkandidat Alexander Gauland am Dienstag vor Sitzungsbeginn in Berlin: „Ich hoffe nicht.“ Alice Weidel, die im Wahlkampf gemeinsam mit ihm das AfD-Spitzenteam gebildet hatte, sagte, bislang seien keine entsprechenden Tendenzen erkennbar.

Die Frage, wer den Fraktionsvorsitz übernimmt, soll spätestens am Mittwoch geklärt werden. Gauland und Weidel hatten durchblicken lassen, dass sie diese Aufgabe gerne gemeinsam übernehmen würden. Die AfD hatte bei der Bundestagswahl am Sonntag 12,6 Prozent der Stimmen erhalten. Ihr fallen damit 94 Mandate zu.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In der WiWo erklärt Herr Grupp als strammer CDU-Wähler in schöner Offenheit seine Meinung zum Verhalten der CDU-Elite.

    Auch mit der AfD sieht er keine Probleme.

    Gut, dass er nicht wie Herr Otte von bestimmten Auftraggebern und Gönnern abhängig ist.

  • Da die Petry glatt meine Prognose aus 2013, nachdem ich der nach ihrem Sturz von Prof. Lucke mithilfe der Rechten eine Zukunft als Provinzfürstin (Sachsen) zur Fehlspekulation werden lassen.

    Politisch ist die in der AfD, nach allem was zu lesen war, eh durch gewesen – inkl. Landesverband.

    Nun setze ich darauf, dass der Petry ebenfalls eine Fehlspekulation unterlaufen ist, die da wäre, die nächsten 4 Jahre mit Geschick den noch maximalen Profit aus Diäten, Aufwandsentschädigungen und was es sonst noch so an Annehmlichkeiten gibt zu schlagen.

    Kommt es nämlich zu Neuwahlen, wovon ich ausgehe, dann hat die Petry nur mal kurz im BT ihren Sessel angewärmt und darf dann wieder zur Familie.

    Das würde ich dieser machtbesessenen Intrigantin mehr als gönnen.

  • Die Revolution frisst ihre Kinder - und die AFD pulveriert sich selbst:
    Zunächst Lucke, Henkel und nun Petry.

    Alexander Gauland will sich das Volk zurückholen, vielleicht sollte er besser bei seinen Ex-Mitgliedern mal anfangen.

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