Parteienforscher
„Alle drei SPD-Kandidaten haben Kanzlerkompetenz“

Die SPD strotzt vor Kanzlerkompetenz. Parteienforscher Langguth traut allen drei potenziellen Kandidaten die Aufgabe zu. Im Interview warnt er allerdings vor verfrühter Euphorie und davor, Merkel schon abzuschreiben.
  • 6

Handelsblatt Online: Die Partei war ganz unten, als Sigmar Gabriel die SPD übernahm. Jetzt hat sich der Wind gedreht. Hat die Partei schon das Zeug, Angela Merkel vom Regierungsthron zu stoßen?

Gerd Langguth: Ein erneuter Wahlsieg Merkels wird kein leichter Spaziergang. Zwei Jahre bis zu den Wahlen sind aber eine lange Zeit. Es ist zu früh, die Frage zu beantworten, ob die SPD als Partei schon das Zeug hat, Angela Merkel vom Regierungsthron zu stürzen. Viel hängt am Wahlabend von den Konstellationen ab. Vermutlich wird es keine Koalition mehr zwischen Merkel und der FDP geben können - aus Gründen der Schwäche der FDP.

In dem Falle, in dem die SPD und die Grünen eine Mehrheit haben sollten, werden sie eine Koalition mit Merkel und der CDU ablehnen. Zudem stellt sich die Frage ob nicht auch die Partei Die Linke ein potentieller Koalitionspartner für Rot-Grün wäre.

Dennoch besteht eine gute Aussicht für Merkel, entweder eine Koalition mit der SPD oder mit den Grünen hinzubekommen, allerdings nur für den Fall, dass die CDU die deutlich stärkste Partei wird. Die SPD wurde zweifelsohne unter Gabriels Führung reanimiert. Bei allem Aufbruch des Parteitages reicht das aber noch nicht, um heute schon sagen zu können, dass sich der politische Wind in Deutschland gedreht hat.

Was kann der SPD noch ihre Regierungsambitionen verhageln - innerparteiliche Flügelkämpfe, eine Lösung der Euro-Krise, die Merkel wieder erstarken lässt?

Die SPD ist gut für innerparteilichen Streit, weil sie stärker ideologisiert ist als beispielsweise die CDU. Entscheidend wird sein, wie die SPD die K-Frage löst; in Sachen Euro hat die SPD im Bundestag sogar mit den Regierungsparteien gestimmt, sie kann deshalb als Oppositionspartei kaum von dem Unbehagen in der Bevölkerung in dieser Frage profitieren.

Inwiefern droht das SPD-Profil dadurch an Schärfe zu verlieren, dass sich die Merkel-CDU mit ihren diversen Kehrtwendungen programmatisch auf die Sozialdemokraten zubewegt hat?

In Sachen Mindestlohn hat Merkel die SPD im wahrsten Sinne des Wortes entwaffnet. Hier handelte es sich um das einzige Thema, mit dem die SPD Frau Merkel und die CDU vor sich her getrieben hatte. Alle Parteien, die behaupten, sie wollten um die politische Mitte kämpfen, sind in der Gefahr hinsichtlich des eigenen Profils an Schärfe zu verlieren. Was ist heute noch sozialdemokratisch? Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Sozialdemokraten? Merkel hat durch ihre Politik manches Thema den Sozialdemokraten gestohlen.

In der CDU ist wohl, nach allem, was man hört, ausgemacht, dass Merkel bei der nächsten Bundestagwahl wieder als Spitzenkandidatin ins Rennen geht? Die SPD hat drei potenzielle Kanzlerkandidaten. Erschwert das die Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern?

Merkel wird wieder Kanzlerkandidatin der Union. Ihre Zähigkeit als Wahlkämpferin sollte man nicht unterschätzen. Die Tatsache, dass die SPD derzeit drei potentielle Kanzlerkandidaten hat, ist für diese Partei eher positiv, weil das einen Reichtum an kompetenten Personen zeigt.

Seite 1:

„Alle drei SPD-Kandidaten haben Kanzlerkompetenz“

Seite 2:

"Neuwahlen wären Harakiri für die FDP"

Kommentare zu " Parteienforscher: „Alle drei SPD-Kandidaten haben Kanzlerkompetenz“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese Gestalten sollen Kanzlerkompetenz haben, und ihre Kandidatur soll den "Reichtum an kompetenten Personen" innerhalb der SPD belegen? Steinbrück, der als Finanzminister die Grundlagen zur derzeitigen Krise gelegt hat? Der taktierende Sozialwissenschaftler Gabriel, der seinerzeit als Ministerpräsident Niedersachsen finanziell an die Wand gefahren hat? Steinmeier, der zwar von allen Dreien noch der Erträglichste, weil pragmatischste, aber immer wieder durch sein lockeres Verhältnis zu Grundrechten aufgefallen ist. Gemeint ist weniger der unaufgeklärte Fall Kurnaz, sondern etwa die Tatsache, dass er sich 2006 während der EU-Ratspräsidentschaft für eine Lockerung der EU-Sanktionen gegen Usbekistan einsetzte, die anlässlich des Massakers von Andijon im Vorjahr verhängt worden waren. Das Ergebnis: Die Sanktionen und das Waffenemabargo wurden aufgehoben, obwohl Usbekistan bis zu diesem Zeitpunkt keine unabhängige internationale Untersuchung zugelassen und unabhängige internationale Organisationen des Landes verwiesen hatte. Seine medienwirksam ausgeschlachtete Nierenspende an seine Frau verrät zwar, dass er ein guter Ehemann ist, aber das ist noch lange kein Grund, einen derartigen Zyniker (die Bestechungsvorwürfe wurden nicht belegt) zu wählen. Die für Eurobonds und damit für einen noch hemmungsloseren Ausverkauf plädierende SPD mit solchen Gestalten? Nein danke!

  • ---@ SPD.Heinzelmaennchen

    gehen Sie zur wohl
    oder lassen Sie es

    Wer Kanzler wird, ist schon lange vorher festgelegt.

  • Was ist das denn für ein Forscher? Die Frage, ob die FDP bei Neuwahlen Harakiri beginge, hängt ja wohl sehr entscheidend von dem Ausgang des Mitglieder-Entscheids und dem Umgang mit dem Ergebnis desselben ab, was der Herr Parteien-Forscher mit keinem Wort erwähnt. Sollten sich nämlich die Mitglieder der FDP für ein Ende des "Rettungs"-Wahnsinns entscheiden und die FDP-Spitze danach konsequenterweise diese Koalition der Stümper verlassen, würde die FDP, bei einem entsprechend klug geführten Wahlkampf, in ungeahnte Höhen katapultiert. Das liegt schlicht daran, dass sie plötzlich ein neues Alleinstellungsmerkmal besäße, das zudem noch den Wünschen von etwa 70 Prozent der Bevölkerung entgegenkäme - während bislang 100 Prozent der im Parlament vertretenen Parteien für den Rettungs-Wahn eintreten. Im anderen Fall wird die FDP allerdings wohl nicht mehr in diesem Parlament vertreten sein, ein Absturz ohne Beispiel...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%