Parteienforscher legt Bericht vor
Grüne entschuldigen sich für Pädophilie-Beschlüsse

Die nicht aufgearbeitete Pädophilie-Debatte schadete den Grünen im Bundestagswahlkampf 2013. Jetzt legte der Parteienforscher Franz Walter eine Woche vor dem Grünen-Bundesparteitag seinen Bericht vor.
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BerlinDie Grünen entschuldigen sich für ihre Pädophilie-Beschlüsse der 80er Jahre. „Wir bedauern zutiefst, dass Täter unsere Beschlüsse als Legitimation ihrer Taten empfunden haben können“, sagte die Grünen-Chefin Simone Peter am Mittwoch vor der Presse in Berlin. Der Göttinger Politologe und Parteienforscher Franz Walter stellte dabei Ergebnisse seines Abschlussberichtes zur Pädophilie-Debatte in den Gründungsjahren der Grünen vor.

Die Grünen hatten in jenen Jahren in mehreren Parteitagsbeschlüssen Straffreiheit für einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert. Später kam es aber zum Bruch mit den pädophilen Aktivisten in ihren Reihen.

Der von den Grünen mit der Aufarbeitung der Debatte beauftragte Politologe Walter benennt in seinem Bericht Faktoren, warum Forderungen pädophiler Gruppen in jenen Jahren bei den Grünen Resonanz finden konnten: Das Eintreten für sexuelle Befreiung in Folge der 68er Bewegung, die Bereitschaft der Partei, Anliegen gesellschaftlicher Minderheiten aufzugreifen und auch eine gewisse Wissenschaftsgläubigkeit.

Walter sagte, die Beschlüsse der Grünen Anfang der 80er Jahre, Sex mit Kindern straffrei zu stellen, seien nicht der Höhepunkt, sondern eher das Finale einer breiten Pädophilie-Debatte im gesamten „linken Liberalismus“ ab Mitte der 60er Jahre gewesen. Bei einer Bundestagsanhörung 1970 hätten beispielsweise 30 Professoren aus der Erziehungs- wie Rechtswissenschaft die These vertreten, Sex zwischen Erwachsenen und Minderjährigen führe bei den Betroffenen im Regelfall zu keinen weiteren Folgeschäden - obwohl es dazu keine wissenschaftliche Untersuchung gegeben habe.

Peter: „Wir entschuldigen uns nochmals bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs, die sich durch die grünen Debatten der 80er Jahre in ihrem Schmerz und ihrem Leid verhöhnt fühlen.“ Die Grünen trügen als Partei „eine historische und moralische Verantwortung, der wir uns stellen müssen und stellen wollen.“ Die Grünen wollen Walters Recherchen in der kommenden Woche auf ihrem Bundesparteitag in Hamburg diskutieren.

Der Politologe lobte ausdrücklich, dass die Grünen als Auftraggeber bei seinen gut einjährigen Nachforschungen keinerlei Einfluss auf seine Forschungsarbeit genommen hätten - auch wenn es bisweilen „verbiesterte Gesichter“ nach Zwischenveröffentlichungen gegeben habe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Grüne entschuldigen sich für Pädophilie-Beschlüsse
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    Jedenfalls ein bisschen.
    In der frühen 80gern stimmten sie für die sogenannte sexuelle Revolution. Pädophilie sollte erlaubt werden.
    "Kindersex ist Menschenrecht", schrieb damals Volker Beck.
    "Sie haben mich gestreichelt", schrieb DCB.
    Vor einigen Jahren forderte Christian Ströbele sogar die Legalisierung von Inzest.
    Trittin hielt sich auffällig zurück.

    Von den Grünlingen hörte man über diese Sache bisher nicht viel, wo sie doch bei jedem kleinen Skandal den Rücktritt und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss fordern.

  • Die Grünen sollen sich nicht abschaffen, sondern gehören vom Gericht abgeschafft, denn sie sind eine rassistische Partei und zwar rassistisch gegen alles Deutsche
    Gerichte hätten hier schon längst reagieren müssen

  • Die Grünen haben dazu gelernt. Mit der Brechstange per Parteitagsbeschluss konnte das Thema zunächst nicht gesellschaftlich verankert werden. Man hatte auch keine Mitstreiter, die dies unterstützt hätten. Mittlerweile haben ja aber nun einerseits die SPD und die Union ihre Zurückhaltung gegenüber grünen Abartigkeiten aufgegeben. Andererseits haben die Grünen gelernt, wie die Salamitaktik funktioniert. Und deswegen ist die Pornografisierung der Schulen, wie sie gerade in Baden-Württemberg per Lehrplan in die Wege geleitet wird, erst der Anfang. Mal sehen, wo, wie, wann und von wem das nächste Scheibchen verabreicht werden soll. Ich tippe auf Schleswig-Holstein.

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