Parteienforscher
„Merkel hat kaum eine Machtperspektive“

Das Debakel der NRW-CDU wird auch bundespolitische Auswirkungen haben, meint Gerd Langguth. Nach Einschätzung des Parteienforschers müssen die Christdemokraten überlegen, wie sie künftig ihre Macht sichern wollen.
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Handelsblatt Online: Was bedeutet die Wahlniederlage für die gesamte CDU?

Gerd Langguth: Das ist das historisch schlechteste Ergebnis der CDU in NRW. Für die Bundespartei ist es das Signal, dass die CDU kaum noch eine Machtperspektive hat, es sei denn, die CDU auf Bundesebene wird so stark, dass eine Regierungsbildung gegen Merkel und die CDU nicht möglich ist, es also entweder zu einer großen Koalition oder einer schwarz-grünen Koalition käme. Eine Neuauflage von Schwarz-Gelb ist hingegen sehr unwahrscheinlich. Aber Rot-Grün hat derzeit auch keine Machtperspektive, da beide Parteien zusammen bei 40 bis 42 Prozent liegen.

Röttgen hatte die NRW-Wahl im Endspurt zur Abstimmung über Angela Merkels Euro-Kurs erhoben. Ist das Debakel vor diesem Hintergrund also auch eine Niederlage für die Kanzlerin?

Es handelt sich in NRW um eine landespolitische Entscheidung. Die Fragen des Euro-Kurses der Kanzlerin spielten in der Bevölkerung keine Rolle, dafür war auch Röttgens Aussage nur wenige Tage vor der Wahl zu kurzfristig. Trotzdem dürfte es Angela Merkel verärgert haben, dass sie von Röttgen auf diese Weise in den Wahlkampf mit hinein gezogen wurde.

Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland gelten oft als wegweisend für den Bund. Wie wird sich NRW auswirken?

Das Jahr 2005, als Gerhard Schröder vorgezogene Neuwahlen angekündigt hat, wird sich nicht wiederholen. Angela Merkel wird zum „business as usual“ übergehen, sie hat auch den Machtverlust in Baden-Württemberg überstanden und wird dies erst recht mit der NRW-Wahl tun, zumal NRW als „Stammland“ der SPD gilt. Ein wichtiges Signal ist, dass sogar zwei Parteien eine regierungsfähige Mehrheit erreichen können, was ja angesichts der Tatsache, dass auch die Piraten neu in den Landtag eingezogen sind, keine Selbstverständlichkeit ist. Der Niedergang der Partei die Linke im Westen Deutschlands ist ein weiteres Signal, das von NRW ausgeht.

Eine erste Konsequenz hat Norbert Röttgen schon gezogen und den Landesvorsitz niedergelegt. Erwarten Sie weitere Konsequenzen für ihn?

Wahrscheinlich hat Röttgen sein Ministeramt mit dem Rücktritt vom Landesvorsitz gerettet. Ob er allerdings noch einmal als Stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender kandidieren wird, ist zu bezweifeln. Innerparteilich ist Röttgen durch die Wahlniederlage jedenfalls sehr geschwächt, was Merkel andererseits auch mit Wohlgefallen sehen dürfte.

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  • SayTheTruth

    "Mag sein, würde mich nicht wundern, wenn mit einem male Putin auf dem Platz von van Rupoy sitzt."

    Mag sein, daß Ihnen die Phantasie abgeht, und Sie sich mit den Sockenpuppen Illuminieten & Blöderberger behelfen müssen, um zu "verstehen".

    Ich kann mir allerdings ganz gut vorstellen, daß Dinge, die Sie für "firm" halten, es in absehbarer Zeit eben nicht mehr sind. Bis dahin haben wir die Wahl, uns auf ein gemeinsames Europa zu einigen - oder von einem erstarkten Russland (zB. um nur eine meiner Phantasieen zu benennen) verfrühstückt zu werden, weil hier irgendwelchen nationlistisch kleinkarierten Heinis die ganze Zeit danach kreischen ...

    Vielleicht sollten Sie, statt wirre Bücher oder (wahrscheinlicher) Internetseiten zu "studieren", sich mal um diese seltsame Sache namens "Wirklichkeit" kümmern.

  • Wer Sparen sagt, muss unbedingt eine Lebensperspektive mitliefern

    und genau das ist unmöglich. Wie bitte soll das gehen die Mitlieferung der Lebensperspektive? Das ist etwas was das Individuum entscheiden und machen muss bzw. der jeweilige Staat, das kan man nicht aufoktroieren. So sehr man das auch will.
    Man spricht oft von Therapie. Was ist die Rolle des Therapeuten? Nicht in das Leben des Hilfsbedürftigen einzugreifen, sondern als Klankbord zu dienen beim Durchdenken wie man Dinge besser machen kann. Neue Ansätze suchen.......
    Und der Therapeut bezahlt auch nicht den Patienten bis er wieder gesund ist. Dafür muss der Patient schon selbst sorgen.

  • hi there!

    typische handebewegung?

    http://dynip.name/hiters-akt_zeichenN-raten.jpg

    gruß

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