Parteienforscher: „Steinbrück riskiert, entzaubert zu werden“

Parteienforscher
„Steinbrück riskiert, entzaubert zu werden“

Dass Peer Steinbrück SPD-Kanzlerkandidat wird, ist längst nicht ausgemacht, warnt Gerd Langguth. Im Interview skizziert der Bonner Parteienforscher die Risiken für den ehemaligen Bundesfinanzminister.

Handelsblatt Online: Herr Professor Langguth, wäre Steinbrück ein geeigneter Kanzlerkandidat?

Gerd Langguth: Er wird zwar gemeinhin als der für Merkel gefährlichste Gegner angesehen, weil er Stimmen aus der Mitte der Gesellschaft holen könnte, aber ob er der geeignetste Kanzlerkandidat der SPD ist, hängt davon ab, wie geschlossen die SPD ihn als Partei unterstützt. Generalsekretärin Nahles hatte etwa noch kurz vor den Berlin-Wahlen Herrn Wowereit zum Kanzlerkandidaten ausgerufen, was zeigt, wie umstritten intern Steinbrück ist.

Wie wirkt es, wenn einer wie Helmut Schmidt sich für Steinbrück stark macht?

Dass sich jetzt Helmut Schmidt im Stile eines Gerontokraten im „Spiegel“ für Steinbrück stark macht, zeigt, dass faktisch der parteiinterne Wahlkampf von Steinbrück bereits begonnen hat. Er lässt nicht locker, seine Partei unter Druck zu setzen – mit Hilfe des Altkanzlers. Doch wenn sich ein Politiker bereits zwei Jahre vor den Wahlen zum Kanzlerkandidaten ausruft, unterschätzt er möglicherweise, dass es sich hier um eine lange Zeit handelt, in der er auch entzaubert werden kann. Ein erster Beleg hierfür war der kürzliche Auftritt Steinbrücks im Deutschen Bundestag, als er Angela Merkel herauszufordern sich bemühte.

Wie stünden mit Steinbrück die Chancen der SPD, die Bundestagswahl 2013 zu gewinnen?

Hier ist eine Vorhersage sehr schwierig. Zum einen ist Steinbrück auch in der Mitte der Gesellschaft sehr beliebt. Seine zum Teil schnoddrige Art kommt bei vielen Wählerinnen und Wählern gut an, man hält ihn zudem als kompetent. Die Frage wird aber sein, ob die Wähler mehr eine Persönlichkeit oder mehr eine Partei wählen. In letzterem Falle könnte es sein, dass der „Personalfaktor Steinbrück“ weniger stark zieht als vermutet wird.

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Merkels Raffinesse nicht unterschätzen

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