Parteienforscher
„Wer mit der AfD nicht reden will, ist politisch pubertär“

Ein Jahr nach ihrer Gründung sorgt die Alternative für Deutschland zunehmend für Verunsicherung bei den etablierten Parteien. Experten raten vor allem der CDU, sich der AfD zu stellen und sie nicht zu tabuisieren.
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BerlinNach Einschätzung von Parteienforschern könnte die Annäherung der Union an die SPD den Aufstieg der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) beschleunigen. Die AfD könne in Zukunft „für konservative Wähler eine Konkurrenz zur CDU darstellen, wenn sie sich glaubhaft vom Rechtspopulismus abgrenzt und von den Bürgern als national-konservative Partei wahrgenommen wird, da konservativ-bürgerliche Wähler in der Regel davor zurückschrecken, eine rechtspopulistische Partei zu wählen“, sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer Handelsblatt Online.

Wenn dies so komme, dann sollte die CDU die AfD nicht weiter ignorieren, sondern sich mit ihr argumentativ auseinandersetzen. „Dann wäre auch mittelfristig eine Koalitionsperspektive nicht ausgeschlossen, insbesondere auch dann, wenn es die FDP nicht mehr schaffen sollte, auf Bundes- und Landesebene weiter in den Parlamenten vertreten zu sein.“

Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst wies darauf hin, dass sich die CDU unter ihrer Bundesvorsitzenden Angela Merkel seit der Großen Koalition von 2005 in vielen Punkten stärker in Richtung Mitte bewegt habe und dadurch „weniger Anziehungskraft für rechtskonservative Wähler“ ausstrahle. „Es stimmt jedenfalls, dass ein Teil der rechtskonservativen Wähler, die früher in der Union Ansprechpartner hatten, sich inzwischen heimatlos fühlen und nach Alternativen suchen“, sagte Probst Handelsblatt Online.

Dadurch drohe der CDU durch eine Partei wie der AfD, die deutlich rechts von ihr steht, zukünftig mehr Konkurrenz. „Jedenfalls wenn es dieser Partei gelingt, seriös bürgerlich zu bleiben und nicht in die rechte Schmuddelecke abzugleiten“, fügte der Experte hinzu.

Auch der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter konstatiert, „dass die Union diesen unspezifisch vielfältigen Gefühlskonservatismus nicht mehr gänzlich zu binden vermag“. Dadurch gebe es erstmals wieder seit langer Zeit eine „durchaus nicht schmuddelige Partei rechts von der Union, wenn sie denn nicht verglüht wie die Piraten“, sagte Oberreuter Handelsblatt Online. „Mit ihr nicht reden zu wollen, ist politisch pubertär.“

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CDU-Spitzengremien gegen Kooperation mit der AfD

Kommentare zu " Parteienforscher: „Wer mit der AfD nicht reden will, ist politisch pubertär“"

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  • Politikwissenschaftler kritisieren Um­gang mit AfD
    Oberreuter: »Mit der AfD nicht reden, ist pubertär«

    RICHTIG !

    Mit der Bevölkerung nicht reden ist diktatorisch. Das muss aufhören, Frau Merkel. ! So einfach darf man es sich nicht machen !

  • Die Presse ist in Wahrheit extremistisch !

    Warum ?

    Wer die Glorifizierung der "Homosexualisierung als neues Ideal-Menschenbild" kritisiert ist angeblich "homophob".

    Wer die Missstände und Kriminalität in Zusammenhang mit massiver Einwanderung benennt ist ein "Fremdenhasser".

    Wer ein guter stolzer Deutscher sein will ist ein "Nationalist" oder "Nazi-Deutscher".

    Wer ein recht der Kinder auf ungestörte Kindheit ohne Zwangs-Homo-Sexualisierung haben will und Schule nach dem Leistungsprinzip will ohne chancenlos geistig behinderte Kinder die nicht mit dem Lehrstoff mithalten können - "ist ewig gestrig und rassistisch."

    FAZIT: Die Medien, Herr HB Dietmar Neuer sind doch extremistisch im Beschreiben von Angelegenheiten.

    Kein Wunder dass die Zeitungen im Müll landen heutzutage. Abgefüllt mit Propaganda-Müll.

  • „Mit ihr nicht reden zu wollen, ist politisch pubertär.“

    Vielen Dank, Herr Neuerer, dass Sie diese Einschätzung veröffentlichen.

    In der Tat wirft die Aussage von Unionsfraktionschef Volker Kauder, "mit denen nicht in Talkshows sitzen zu wollen wegen angeblicher rechtslastiger Gesinnung", ein sehr negatives Licht nur auf ihn selbst: Dass dieser Herr nämlich offensichtlich

    a) nicht gut informiert ist,
    b) ihm wesentliche Grundlagen eines gesunden Demokratieverständnisses fehlen,
    c) er offensichtlich völlig die Bodenhaftung verloren hat und
    d) politisch äußerst unklug handelt.

    Als Einzelmeinung aus der dritten (oder meinetwegen auch zweiten) Reihe einer großen Volkspartei schon sehr unglücklich, aber vielleicht irgendwie noch verschmerzbar. Aber Herr Kauder gehört zur ersten Reihe der Union! Von den anderen, insbesondere Frau Merkel, hätte ich da mindestens eine Distanzierung erwartet, war aber leider Fehlanzeige. Eine Entschuldigung von Herrn Kauder selbst -> ebenfalls Fehlanzeige...
    Sich mit demokratisch gewählten Parteien nicht auseinandersetzen zu wollen, ist letztlich das dümmste und undemokratischste, was man sich vorstellen kann - vor allem auch im Hinblick auf zukünftige Mehrheitsverhältnisse und angesichts der großen politischen Schnittmengen zwischen weiten Teilen der Union mit der AFD.

    "Politisch pubertär" würde ich daher noch als eher schmeichelhafte Formulierung bewerten. Meine persönliche Bewertung lautet:
    Leute Ihres Schlages brauchen wir wirklich nicht, Herr Kauder - weder für unser Land noch für Europa -> absolut unwählbar!

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