Parteigründung von AfD-Abtrünnigen
„Lucke wird keine Chance haben“

Nach dem Zerwürfnis innerhalb der AfD will der abgewählte Vorsitzende Bernd Lucke eine neue Partei gründen. Der Wille ist da, doch die Chancen für ein solches Projekt stehen schlecht, sagt Forsa-Chef Güllner.
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BerlinDie Anhänger des abgewählten AfD-Parteichefs Bernd Lucke wollen am heutigen Sonntag in Kassel eine neue Partei gründen. An dem Treffen nehmen rund 70 Mitglieder aus dem Vorstand und den Landesverbänden des Vereins „Weckruf 2015“ teil.

Der Verein mit derzeit rund 4.000 Mitgliedern bezeichnet sich selbst als der liberal-konservative Teil, der sich in der Alternative für Deutschland (AfD) nicht gegen die nationalkonservativen Flügel habe durchsetzen können. Im Lauf des Sonntags zeichnete sich eine Neugründung ab. Per Twitter kündigte die Gruppe eine Pressekonferenz zur Neugründung am Abend an. Lucke bestätigte dem Handelsblatt zuvor, bereits zum Vorsitzenden gewählt worden zu sein.

Selbst wenn sich die Weckruf-Mitglieder dazu durchringen, eine neue eurokritische Partei zu gründen, stehen die Aussichten auf eine erfolgreiche Zukunft schlecht. Die Partei müsste beispielsweise die hohen Hürden des Wahlrechts überwinden, um deutschlandweit in die Parlamente einzuziehen, erklärte der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer jüngst in einem Beitrag für „Zeit Online“. Nötig seien hierfür eine flächendeckende Organisation, eine breite Mitgliederbasis, eine innerparteiliche Kandidatenwahl und Listen mit Unterstützerunterschriften für Teilnahme an der Bundestagswahl.

Andere Gründe, die die Erfolgsaussichten für eine neue Partei schmälern können, nannte der Chef des Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner. Lucke wolle sich jetzt im liberalen Wirtschaftsflügel profilieren.

„Im liberalen Milieu kann er aber nicht punkten. Er hat überhaupt keine Chance, Erfolg mit seiner womöglich neuen Partei zu haben“, sagte Güllner der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine (HNA). Im liberalen Milieu sei die FDP bestimmend. „Und das wird sich wohl auch nicht ändern“, ist Güllner überzeugt. Dagegen werde die neue Partei nicht ankommen.

Selbst Lucke als mögliches Zugpferd kann aus Güllners Sicht nichts bewirken, weil er aus dem AfD-Sektor stamme. „Und zwischen der AfD und der FDP bestehen große Trennmauern und keine Schnittmengen“, sagte der Forsa-Chef.

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Lucke ist einen Zick-Zack-Kurs gefahren

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  • Güllner hat 2013 auch schon die AfD totgesagt und sich geirrt. Er ist einfach viel zu links, um sich mit den ganz unterschiedlichen Segmenten im Konservativen Bereich auszukennen. Er wird sich auch diess mal irren.

    Falsch ist, dass er ALFA als ausschließlich liberal sieht. Wenn dies so wäre, hätte er Recht. ALFA deckt den konservativen Bereich im rechten demokratischen Bereich komplett ab. Die AfD wird auf den rein nationalkonservativen Bereich reduziert.

    Die Nationalkonservativen stellen die NATO-Mitgliedschaft und die EU-Mitgliedschaft ganz in Frage und streben eine Bindung mit Frankreich und Rußland an. Außerdem stehen die Nationalkonservativen der Marktwirtschaft skeptisch gegenüber und sympathisieren mit Markteingriffen sobald ein politisches Zeil vom Markt nicht sofort erreicht wird.

    Dazu kommen ziemlich platte Äußerungen gegen Ausländer der Höcke-Fraktion. Klar ist, dass der Asylmissbrauch in der aktuellen Form nicht darstellbar ist. 500.000 Flüchtlinge sind, auch aufgrund der teilweise fehlenden Bildung, angesichts der immer weniger werden Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor, noch verschärft duch den Mindestlohn, kaum beruflich integrierbar. Der dadurch enstehende Frust bei den Flüchtlingen und die hohen Sozialkosten werden zu Konfliken in der Bevölkerung führen. Man muss aber die Ursachen und nicht die teilweise auch hilfsberüftigen Menschen bekämpfen.

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