Parteilinke wollen Spielraum für den neuen Parteichef
Müntefering sieht die SPD in der „Vertrauenskrise“

Der Hoffnungsträger der SPD geht mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme der Malaise an den Start: „Wir haben eine Vertrauenskrise, die ich sehr ernst nehme“, sagt Franz Müntefering, den die Sozialdemokraten an diesem Sonntag zu ihrem neuen Vorsitzenden wählen werden. Das gelte sowohl für die Partei als auch für die Wähler, erklärt er in einem „Zeit“-Interview.

BERLIN. Und Müntefering schickt auch gleich hinterher, warum: weil es der SPD an Glaubwürdigkeit mangele. Als Parteichef will er nun „den Menschen beweisen, dass sie uns vertrauen können“. Und warnt zugleich vor überhöhten Erwartungen: Eine Erfolgsgarantie gebe es nicht – nur die Chance. Und die will er nutzen.

Das klingt alles ganz anders, als sein knackiges „Fraktion ist gut, Partei auch. Glück auf“, mit dem er auf dem Bochumer Parteitag die Basis begeisterte und die Agenda 2010 durchpaukte. Doch Bescheidenheit ist angesichts der historisch schlechten Umfragewerte der Sozialdemokraten angesagter denn je: Bei der jüngsten Allensbach-Umfrage rutschte sie auf 23,8 Prozent – den niedrigsten Wert, den Allensbach je für die SPD gemessen hat. Auch von Forsa kommt keine Aufmunterung: dort liegen die Sozialdemokraten bei der Sonntagsfrage unverändert bei 25 Prozent.

Dazu kommt das Problem mit den Linksabweichlern, die mittlerweile als reale Gefahr gelten. Zwar sei keine „Massenbewegung“ zu befürchten, glaubt die Parteilinke Andrea Nahles – aber „eine Irritation, die wir in dieser Phase nicht gebrauchen können“.

Zu Beginn der Woche hatte die Parteispitze eine bayerische Initiative, die vor allem von IG Metallern initiiert wurde und mit der Gründung einer neuen Partei liebäugelt, den Ausschluss angedroht. Beim kleinen Koalitionspartner gibt es dafür wenig Verständnis: es sei unnötig gewesen, den großen Knüppel zu ziehen und habe die Kritiker „nur unnötig aufgewertet“. Stattdessen hätte man die Sache „sich totlaufen lassen“ sollen, sagte ein führender Grüner dem Handelsblatt.

Offiziell machen sich die Sozialdemokraten Mut, beschwören den Stimmungsumschwung. Noch vor kurzem sei die Partei „auf den Knien“ gewesen, konstatiert etwa Parteivize Kurt Beck, nun stehe sie zumindest „wieder auf den Füßen“.

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