„Graswurzelbewegung“ soll FDP von unten retten

Parteirebell startet Initiative
„Graswurzelbewegung“ soll FDP von unten retten

Ist mit dem Burgfrieden zwischen Rösler und Brüderle auch der FDP-interne Dauerzoff beendet? Parteirebell Schäffler ist skeptisch. Mit einer eigenen Aktion will er den krisengebeutelten Liberalen auf die Beine helfen.
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BerlinNach der Klärung der Führungsfrage in der FDP hoffen viele Liberale, dass nun auch die parteiinternen Streitigkeiten nicht wieder aufbrechen. Entsprechend gemäßigt fallen die Bewertungen des zwischen Parteichef Philipp Rösler und Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle geschlossenen Burgfriedens aus. Doch doch der Eindruck täuscht.

Nach außen geben sich selbst vehemente Kritiker einer Doppelspitze für die Bundestagswahl wie Hermann Otto Solms geläutert und ordnen sich brav unter. „Entscheidend ist für die FDP, dass diese Personaldiskussion beendet wird“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bundestags am Dienstag im rbb-Inforadio. Ob der Parteivorsitzende Philipp Rösler für diesen Posten noch der Richtige sei, werde sich dann erweisen, sagte Solms. „Bis jetzt hat er die Arbeit gut gemacht.“

Der zum Spitzenkandidat für die Bundestagswahl ernannte Brüderle sei ein Mann des Vertrauens in der Bevölkerung. Zudem spreche die Partei mit dem Duo nun jüngere und ältere Wähler an. „Die größte Gruppe der Wähler sind die über 60-Jährigen“, betonte Solms.

Anfang des Jahres hatte Solms noch ganz anders gesprochen. Im Handelsblatt-Interview sagte er damals mit Blick auf einen eigenen FDP-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl: „Auf keinen Fall. Damit sind wir doch schon 2002 mit Möllemanns Kanzlerkandidatenvorschlag gescheitert“, sagte er. Der FDP nehme doch niemand eine Kanzlerkandidatur ihres Spitzenkandidaten ab. „Der Parteivorsitzende zieht für die FDP an der Spitze in den Wahlkampf“, so Solms.

Nun ist es aber doch anders gekommen. Ob nun tatsächlich Frieden einkehrt bei den Liberalen? Die FDP-interne Gruppierung „Liberaler Aufbruch“ des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler ist skeptisch und will daher auch nicht warten, bis die Personalentscheidungen auf einem Parteitag endgültig beschlossen werden.

Ihm dauert es auch zu lange, bis der FDP-Wahlkampf in die Gänge kommt, zumal für die Liberalen sehr viel auf dem Spiel steht. Es geht um nichts anders, als um die Rettung Partei. In diese Richtung hat Schäffler daher eine Initiative gestartet. In einer Handelsblatt Online vorliegenden Rundmail an alle FDP-Kreisverbände ruft Schäffler die Parteibasis dazu auf, unabhängig von Entscheidungen der Parteiführung um Rösler und Brüderle in die Offensive zu gehen.

Kommentare zu "„Graswurzelbewegung“ soll FDP von unten retten"

Alle Kommentare
  • Wie wollen Schäffler auf der P_Liste ganz vorn sehen!

  • Die FDP ist eigentlich eine vernünftige Partei :
    sie hat ihr Ziel, über 5 % zu kommen, in den letzten 3 Landtagswahlen ( NRW,SH,NDS) bravorös erreicht und ist zusammen mit der CDU auf der Oppositionsbank gelandet !
    Wenn sie diese Strategie bei der Bundestagswahl auch realisieren, könnten sie Sympathien des Wählers wieder gewinnen !

    Rößler macht seinen Job Gut !!!

  • Warum sollte irgend jemand der FDP ihr Freiheitsgefasel abnehmen. Jeder konnte in den vergangenen Jahren beobachten das sie genauso eine Blockpartei sind wie alle anderen.
    Jeder Griff der Soviet-EU Apparatschiks in die Tasche der Bürger, jeder Angriff auf die Privatspäre, jede Maßnahme zur Geldentwertung wurde brav mitgetragen, wie es sich für brave Lakaien des Kartells gehört.

    "Wes Brot ich ess des Lied ich sing"...schonmal gehört?

  • Das beste Beispiel, wie eine Revolution vor sich geht, zeigt sich bei der cdu. Sie geschieht von innen heraus. Angela d'Arc de Meck-Pomm, spielt diese Klaviatur schon seit sie die Macht in diesem Staate übernommen hat. Entsorgung "widerspenstiger" Weggeführten, ähm Weggefährten.

    Das sollte Herr Schäffler sich mal zu Gemüte führen, Dr. Rösler ist in dem Laden der für die Profite zuständigen Gremien unterbelichtet, ich meine weniger repräsentierfähig, weil sich immer wieder sehr stark zeigt, jeder ist sich selbst der Nächste. Liberal, egal mit Steigerung. Und vorzeigen, außer seinem Ministerposten und dem des "wankenden" Vorsitzenden geht auch nix.

    Also lieber Herr Schäffler, schaffen Sie sich die Basis, die fdp notfalls durch eine Revolution von innen heraus diese Lloyds den Sprung zu empfehlen. In fairer Mission, wie sich das bei der fdp geziemt.

  • Ich finde es schon beeindruckend, mit welcher Vehemenz die Redaktion des Handelsblatt keine Gelegenheit auslässt auf die FDP einzudreschen. Ein solche pragmatische auf realistischer Selbsteinschätzung basierender Entschluß des Parteivorsitzenden kann man bei den anderen Parteien mit der Lupe suchen. Was das Handelsblatt hier betreibt hat schon System. Es hat das Niveau des platten Zeitgeists der Straße.

    Das Wahlergebnis der FDP in Niedersachsen macht deutlich, das es noch ein paar klardenkende Bürger gibt, die die FDP als elementaren Baustein der bürgerlichen Mehrheit sieht; die letzte Bastion einer auf liberalen Grundsätzen basierenden Politik.

    Bei so viel Unterstützung durch die Presse kann sich Rot / Grün, acht Monate vor der Bundestagswahl nur die Hände reiben.

    Dietrich Kube

  • Den schädlichsten Grufti haben Sie vergessen: Den Scheckbuchpolitiker Genscher. Solange der sich einmischt, wird die verfehlte Euro-Politik und der Geldtransfer weitergehen. Ordnungspolitisch ist die FDP schon lange nicht in Erscheinung getreten. Für mich ist nur noch Herr Schäffler ein vorbildlicher FDP-Politiker.

  • Sehr geehrter Herr Bahr,

    da Sie ja auch ein Leser dieser Onlinezeitung und der Kommentare über die FDP sind, freue ich mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass die FDP wie man aus den Reaktionen auf das Wahlergebnis entnehmen konnte, nicht dazu gelernt hat.

    Das grundlegende Problem der FDP ist, kein geeignetes Personal, nicht endende Personaldiskussionen und der Verrat eines liberalen Grundsatzprogramms und dessen Umsetzung.

    Das Sie der FDP ein Ziel von 8%+ setzen, ist bemerkenswert und knüpft daran an, wie die FDP setzt längerem agiert. Fehlt nur noch, dass Niebel morgen von 9%+ und Brüderle übermorgen von 10%+ öffentlich reden. Nichts ist abgestimmt, jeder möchte sich gerne in den Headlines der Medien sehen. Es geht immer nur um die Befriedigung des eigenen Egos. Die FDP hat aber einen Wahlauftrag. Den nimmt sie seit knapp 4 Jahren nicht war. Es wurde viel versprochen und nichts gehalten. Kommen Sie jetzt bloß nicht mit "wir haben die Praxisgebühr abgeschafft...". Der Hinweis darauf ist lächerlich. Es gibt nichts substanzielles, was die FDP erreicht hat.

    Und so wird die FDP wahrscheinlich nicht 8%+, sondern eher 5% minus x% im Bundestag einfahren. Schmeissen Sie die Gruftis, wie Brüderle, Kubicki oder Niebel über Bord und werden Sie und ihre Parteifreunde flügge. Besagte Herren haben kein Rückgrat und ziehen den Schwanz ein, wen es Ernst wird. Vielleicht muss die FDP erst diese schmerzvolle Erfahrung machen und aus dem Bundestag rausfliegen, um ihr "Milchbubi-Image" loszuwerden. Derzeit braucht in Deutschland niemand die FDP! Daran wird sich auch bis zum Bundestag kaum etwas ändern.

    Öffentlich 8%+ auszurufen, bestätigt einmal mehr die Dekadenz der FDP! Ohne die verirrten Stimmen von CDU-Anhängern hätte die FDP in Niedersachsen wohl kaum den Wiedereinzug in den Landtag geschafft. Die FDP zieht die falschen Schlussfolgerungen aus dem Ergebnis!

  • Herr Schäffler, solange die FDP weiterhin die EUSSR vorantreibt, wird sie von wahrhaft Liberalen NICHT GEWÄHLT. Mitleid half in Niedersachsen. Aber das ist keine Basis.

  • Schäffler wäre ein Lichtblick, unverbogen und selbständig. Wo andere eine Sollbruchstelle haben (Eur-Abstimmungen), hat er ein Rückgrat.

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