Parteirebellin wirft der Spitze Mobbing vor
Pauli sorgt für Unruhe auf CSU-Parteitag

Die umstrittene Fürther Landrätin Gabriele Pauli hat der CSU-Spitze Mobbing vorgeworfen. Beim CSU-Parteitag in München verzögerte sie damit am Samstag die Wahl Günther Becksteins zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und sorgte für lauten Unmut bei den Delegierten.

HB MÜNCHEN. „Man hat versucht, mich in die Ecke des Rotlichts zu stellen. Man hat mir den Parteiaustritt nahe gelegt“, sagte Pauli, die sich als Außenseiter-Kandidatin um den CSU-Vorsitz bewirbt. Die Politikerin hatte in den vergangenen Monaten mit Magazin-Fotos und dem Vorschlag einer Ehe auf Zeit für Empörung gesorgt. Seit ihrer Kritik an Edmund Stoiber, die maßgeblich zu dessen Rückzug beigetragen hatte, werde sie als Königsmörderin bezeichnet und müsse sich vieles anhören, beklagte Pauli. Sie bringe sich seit 18 Jahren im CSU-Vorstand ein und habe mehr Respekt verdient. Sie kritisierte Beckstein dafür, dass er ihr nach dem Vorschlag zur Ehe einen Besuch beim Psychiater nahe gelegt habe. „Ich möchte keine Entschuldigung, ich möchte eine Erklärung.“ Eine Antwort Becksteins erhielt sie nicht, auch nicht nach einer weiteren Aufforderung. Die Parteitagsregie fuhr in der Tagesordnung fort.

Kurz darauf hat die CSU Günther Beckstein fast einstimmig als Nachfolger von Edmund Stoiber an der Spitze der bayerischen Landesregierung nominiert. Die Delegierten kürten den 63-Jährigen mit 906 von 938 Stimmen zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008. Der Landtag wird Beckstein voraussichtlich am 9. Oktober zum Ministerpräsidenten wählen „Es wird einen Wandel geben, aber keinen Bruch“, sagte der bisherige Innenminister Beckstein. „Ich mache die Politik weiter, die Bayern an die Spitze gebracht hat.“

Er habe Respekt vor dem Amt, weil er „die Verantwortung für ein ganzes Land, für unseren geliebten Freistaat“ übernehme, sagte er unter großem Beifall der Delegierten. „Edmund Stoiber hinterlässt große Schuhe. Ich traue es mir zu.“ Was er anders machen will als Stoiber, ließ er offen. Er habe aber einen anderen Stil und setze auf Mannschaftsgeist. Beckstein sagte weiter, nach dem Parteitag werde die CSU mit Geschlossenheit ins Wahljahr 2008 gehen. Bei der Landtagswahl strebe die Partei ein Ergebnis von „50 Prozent plus X“ an. „Das ist eine riesige Herausforderung.“

Bei der mit Spannung erwarteten Wahl des neuen CSU-Chefs, die für den Mittag auf dem Programm steht, will Beckstein für den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber stimmen. Der Niederbayer geht als Favorit ins Rennen gegen Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und die umstrittene Fürther Landrätin Gabriele Pauli.

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