Parteitag 2006
Schlägt das Herz links?

Die WASG steht vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss auf dem kommenden Parteitag die Fusion mit der Linkspartei klären.

BERLIN. Der Showdown der westdeutschen Linken findet in Ludwigshafen statt: In der rheinland-pfälzischen Industriestadt will die WASG an diesem Wochenende das Fusionspaket mit der ostdeutschen Linkspartei/PDS schüren. Dazu muss sie jedoch den Fusionsgegnern in den eigenen Reihen die rote Karte zeigen. Das Eskalationsszenario reicht bis zum Ausschluss des renitenten Berliner Landesverbandes, der partout nichts mit der Linkspartei zu tun haben will.

Vom Verlauf des WASG-Parteitages am Rhein hängt auch die Neustrukturierung der deutschen Parteienlandschaft ab. Nur wenn sich die Pragmatiker an der WASG-Spitze durchsetzen, steht der Bildung einer gesamtdeutschen Linkspartei im Sommer 2007 nichts mehr im Weg. Diese könnte dann vor allem der in den Fängen der großen Koalition gelandeten SPD zu schaffen machen. Der einstige SPD-Chef und heutige Linkspartei-Fraktionschef Oskar Lafontaine spekuliert bereits laut über eine Annäherung. Die Forderung des künftigen SPD-Chefs Kurt Beck nach einer höheren Staatsquote sei zumindest „bemerkenswert“.

Noch aber ist die gesamtdeutsche Linke Zukunftsmusik. Denn der Verlauf des Basistreffens der 2005 gegründeten „Wahlalternative“ ist schwer kalkulierbar. Die 380 Delegierten wurden noch zu einer Zeit gewählt, als von einer Fusion mit der in Linkspartei umbenannten PDS noch keine Rede war und Oskar Lafontaine noch als Politrentner im Saarland weilte. Damals hatte die Truppe aus enttäuschten SPDlern und Gewerkschaftern gerade mal 3 000 Mitglieder, heute sind es vier mal soviel. „Die Delegierten sind nicht repräsentativ“, räumt Vorstandsmitglied Murat Cakir ein.

Dazu kommt: In der WASG tummeln sich neben diversen Sektierern viele basisdemokratisch gesinnte Linke, die Vorgaben der Führung grundsätzlich skeptisch sehen. Daher will auch Cakir nicht ausschließen, dass in Ludwigshafen „die alte Krankheit der Linken, der Prinzipienstreit um die wahre Linie, wieder ausbricht“. Für die Fusion würden daher wohl allenfalls 60 Prozent stimmen – wenn alles gut geht. Bei der jüngsten Urabstimmung waren es gut 70 Prozent.

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