Parteitag beendet
Grüne wollen wieder kuscheln

Nach einer Woche voller Bangen um Parteichefin Roth haben sich die Grünen auf ihrem Parteitag berappelt. Roth und ihr Kollege Özdemir wurden klar im Amt bestätigt. Nun bläst die Partei zum Kampf um konservative Wähler.
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HannoverClaudia Roth kommt einfach nicht weg. Die letzten rot-grünen Siegesbeschwörungen des Parteitags sind am Sonntag längst verklungen. Doch die Grünen-Chefin nimmt oben auf dem Podium immer noch kleine Geschenke von Grünen aus der ganzen Republik entgegen - ein echter Candystorm nach dem süßen Sturm im Internet, der Roth zum Bleiben bewegt hatte. Die Grüne Welt ist wieder heil, sogar harmonisch wie seit Jahren nicht. Zehn Monate vor der Bundestagswahl zeichnen die Grünen in Hannover ein überraschend klares Bild von Geschlossenheit und Verlässlichkeit.

Ein Traumergebnis haben die Delegierten der schwer angeschlagenen Parteichefin bei der Wiederwahl beschert und sie so nach Tagen der inneren Einkehr wieder aufgerichtet. Nach der Niederlage bei der Urwahl des Wahlkampf-Spitzenduos wollte die 57-Jährige schon die Presse einladen und ihren Rückzug erklären. Das war vor einer Woche. Doch die Partei drängte sie zum Weitermachen. Sie habe sich gefragt: War ihr 26-Prozent-Debakel eine Absage an sie als Politikerin mit unverwechselbarem Stil? „Das ist klar widerlegt worden“, sagt Roth jetzt, mit einem 88,5-Prozent-Ergebnis im Rücken. Sie führt die Partei weiter mit dem ebenfalls deutlich bestätigten Cem Özdemir.

Nach dann acht Jahren in der Opposition wollen die Grünen 2013 unbedingt wieder an die Macht. Sämtliche Spitzenleute demonstrieren rot-grünen Optimismus und maximale Distanz zur CDU - doch Schwarz-Grün bleibt Thema.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger kann sich laut einer neuen Emnid-Umfrage diese Variante 2013 vorstellen. Doch selbst Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht den Charme eines Bündnisses mit der Union vergangen. Schließlich sichert gerade Kretschmann im Südwesten dauerhaft bürgerliches Terrain für seine Partei ab.

So viel Mitte war nie bei den Grünen - doch angepasst haben will sich die Partei nicht. „Es ist eine linke Mitte, es ist die grüne Mitte, die es in Deutschland gibt“, proklamiert Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Die CDU? Wollen die Grünen rechts liegen lassen. Katrin Göring-Eckardt, die linke Kirchenfrau, ruft aus: „Wir wollen mit grüner Politik schwarze Wähler gewinnen - aber mit Euch regieren wollen wir nicht.“ Roth meint, Schwarz-Grün werde ihrer Partei von außen angetragen. „Wer kann jetzt ernsthaft über Schwarz-Gelb nachdenken, wenn man sich die Beschlüsse des Parteitags ansieht?“

Kommentare zu " Parteitag beendet: Grüne wollen wieder kuscheln"

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  • @Europaeer

    Besserverdiener, Unternehmer und Deutsche mit hohem Bildungsstand wählen bevorzugt diese Partei. (Das ist nicht meine Erfindung, das bestätigen Wahlforscher seit Jahren)

    Und genau das ist die Krux!

    Das alles hat nämlich nichts mit Intelligenz zu tun!

    Wer Intelligenz besitzt, würde [...] jemals wieder CDU SPD CSU FDP GRÜNE LINKE wählen, denn der Verstand würde das nicht zulassen! Kein intelligenter Mensch wählt diese Wölfe im Schafspelz von CDU SPD CSU FDP GRÜNE LINKE, die seit Jahrzehnten das deutsche Volk und dieses Land abschaffen.

    Ein Mensch mit Verstand, Intelligenz muss auch nicht von mir daraufhin gewiesen werden, dass man seinen Untergang nicht selbst wählt!

    [...]!

    Hat da jetzt irgendjemand etwas nicht verstanden?

    Ohne Verstand kann man natürlich meinen Text nicht verstehen …Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das Wahlprogramm der Grünen, das riesige unfinanzierbare Ausgaben vorsieht, kann man nur als Verzweiflungstat ähnlich wie bei den Linken betrachten.

    Allein ihr Committment für das größte Wahnsinns-Projekt aller Zeiten, die EU, mit eingebauter Transfer-Union, würde bei einer Schuldenhaftung der Deutschen von 27% bei 10 Billionen Euroschulden kein Geld mehr in den Staatskassen hinterlassen.

    Dann wären ja auch die fetten Gehälter und Pensionen der vielen Grünen im Staatsdienst nicht mehr finanzierbar.(Langfristig sind die Billionen an Pensionen für unsere Sessel-Sitzer sowieso nicht aufzubringen).

    Also was soll der Quatsch.
    Wir können uns den Unfug der links-grünen Traumtänzer schon finanziell nicht leisten.

    Also bleibt den Grünen nur das Vertrauen in die Idiocracy der deutschen Wähler, womit sie vielleicht sogar rechnen können.

    Denn immerhin ist fast die Hälfte der Deutschen dafür, den Griechen weiterhin Geld zu schenken.

  • Zitat: "Sie greifen zur verkürzten Sichtweise"

    Das lässt sich in den kurzen Kommentaren hier nicht vermeiden.

    Aber wie sieht es denn mit den vielen Kommentaren aus, die alle Wähler demokratischer Parteien als "dumme", "völlig verblödete" "Systemlinge" bezeichnet?

    Das war genau die Sprache der DDR, die den Menschen der BRD die Wahlmöglichkeit absprach, weil 95% der Parteien ja eh demokratisch waren.
    Es ist auch die Sprache der extremen Rechten, die mit Demokratie, Meinungsaustausch und Meinungsbildung nichts anfangen können.

    Warum also sollte der deutsche Wähler sich für Parteien entscheiden, die alles links vom eigenen Standpunkt für völlig verblödet halten und die eigene Denkweise als die einzig wahre und über allem stehende ansehen? So einfach ist die Welt nicht. Es gibt keinen Menschen, der die Weisheit für sich gepachtet hat. Als Wähler kann ich mir keine Partei aussuchen, die zu 100% meine Meinung widerspiegelt. Aber ich kann mir eine Partei aussuchen, die grundsätzlich meinem Weltbild entspricht und zu einem großen Teil für die Punkte eintritt, die auch mir wichtig sind.
    http://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/

    Noch was zur Wählerschaft der Grünen:
    Nach einer Studie zur BTW 2009 der CDU-nahen Conrad Adenauer Stiftung wächst die Wahrscheinlichkeit, grün zu wählen mit dem Bildungsstand und dem Einkommen. Anders gesagt: Menschen, die es in ihrem Leben zu etwas gebracht haben, haben eher die Tendenz grün zu wählen.

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