Parteitag in Neumünster
Piratenpartei sucht „geilen Vorstand“

Die Piraten wollen auf ihrem Parteitag die Gunst der Stunde nutzen. Umfragen sehen sie im Plus, aber langsam müssen die Newcomer Antworten geben. Geschäftsführerin Weißband rief zur Wahl eines "geilen Vorstands" auf.
  • 77

NeumünsterZum Auftakt der Bundesversammlung der Piraten hat die scheidende Geschäftsführerin Marina Weisband ihre Partei zu einer verantwortungsvollen Politik aufgerufen. „Wir tragen eine riesige Verantwortung, weil wir wissen, dass sich die Gesellschaft grundlegend verändern wird“, rief Weisband den Teilnehmern des Parteitags in Neumünster bei Hamburg zu.

Die Piratenpartei richtet sich auf den wachsenden Widerstand der etablierten Parteien gegen den politischen Newcomer ein. „Wir waren jung, und wir waren klein, aber wir haben schon Geschichte geschrieben“, sagte Weisband, die aus persönlichen Gründen auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet hat. „Jetzt werden wir ernst genommen, und es wird gegen uns geschossen“, sagte sie mit Blick auf die jüngste Debatte über Äußerungen innerhalb der Partei, die Zweifel an der Abgrenzung zu Rechtsextremisten weckten. Sie kämpfe für die Überzeugung, „dass alle Menschen wertvoll sind, unabhängig von ihrem Glauben, Herkunft oder sozialem Status“, sagte Weisband.

„Es ist der Glaube daran, dass wir Menschen mehr zutrauen können, als dies im Moment geschieht. Und es ist der Glaube daran, dass wir Menschen vernetzen müssen, weil aus einem Netzwerk die besten Ideen entstehen“, so Weisband. „Unsere Schutzfrist war kurz“, sagte sie weiter. „Aber das ist ein normaler Prozess. Politik funktioniert so, dass Neues erst einmal abgewehrt wird.“ Die Piratenpartei mache der Gesellschaft ein Angebot, und diese stehe nun vor der Aufgabe, das Angebot zu prüfen.

Das Organisationsteam erwartete mehr als 2.000 Teilnehmer auf dem Bundesparteitag in Neumünster. Im Unterschied zu den anderen Parteien verzichten die Piraten auf ein Delegiertensystem; jedes Mitglied kann Anträge stellen und abstimmen. Am Nachmittag steht die Neuwahl des Bundesvorstandes auf dem Programm, sie steht im Zentrum des Parteitags. Weisband appellierte an die Piraten: „Lasst uns einen geilen Vorstand wählen.“

Gute Chancen werden dem bisherigen Vize Bernd Schlömer (40) eingeräumt. Er könnte den amtierenden Parteichef Sebastian Nerz ablösen, der aber erneut antritt. Weitere aussichtsreiche Bewerberin unter den insgesamt zehn Kandidaten für den Bundesvorsitz ist die Berliner Politikwissenschaftlerin Julia Schramm. Neben dem Vorsitzenden wählen die Mitglieder am Samstag und Sonntag auch die übrigen Mitglieder des bislang siebenköpfigen Bundesvorstands.

Neben den Personalentscheidungen beschäftigt sich der Parteitag vor allem am zweiten Tag auch mit programmatischen Positionen. Dazu liegen zahlreiche Anträge vor. Eine Gruppe von Bonner Piraten verteilte in der Halle in Neumünster Flugblätter mit der Forderung „Flagge zeigen gegen Rechtsextremismus“.

Bei der Entscheidung für den Tagungsort im hohen Norden hatten die Piraten die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai im Blick. Eine Woche danach wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. In beiden Bundesländern rechnen sich die Piraten gute Chancen auf einen Einzug in das Parlament aus. Sie sind bereits im Berliner Abgeordnetenhaus und im Landtag des Saarlands vertreten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Parteitag in Neumünster: Piratenpartei sucht „geilen Vorstand“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • >> ganz Wenige und da wollen Sie für diese
    >> Regierung und Europa sprechen?

    Also, _diese_ Regierung habe ich jedenfalls nicht gewählt und ich befürchte, es sind gerade die, die uns das eingebrockt haben, die jetzt am lautesten kreischen, weil - was hat man Ihnen versprochen? - die die Steuern nicht gesenkt haben ... Senken? Umschichten wäre richtig gewesen.

    Europa verteidige ich deshalb, weil mir die Sicherheit einer übergeordneten Instanz, die meine eigene Regierung kontrollieren kann, eben am Herzen liegt. Wie jedem Ungarn, der nichts mit Orban anfangen kann, zB.

    Wenn wir wieder zurückfallen in Vor-Europa-Zeiten liefern wir uns unseren Regierungen wieder aus, die können dann machen mit uns, was sie wollen. Sie werden uns wieder in Kriege treiben, um ihre Fehler zu vertuschen.

    Das, was wir gerade erleben, ist doch das Offensichtlich-Werden genau dieser Fehler. In Griechenland haben die Regierungen über Jahrzehnten ihre Wähler "gekauft", wo bliebe der einfache Grieche ohne den Schutz der Gemeinschaft. Daß er das Geld fröhlich genommen hat - seien Sie ehrlich, Sie hätten es auch genommen und sich über die "Steuersenkung" gefreut - das macht ihn mit-schuldig, aber er ist nicht verantwortlich. Das sind immer die nationalen Regierungen.

    Ich will, daß wir den Prozess EU vertiefen - und nicht nur der griechischen regierung auf die Finger klopfen knnen - sondern auch unserer eigenen.

    Weil, die merkelsche ist für mich die taube Nuss par excellence. Die Frau kapiert alles erst einen Monat zu spät, bezieht ihre "Meinungen" aus den Medien und läuft jeder Stimmung, die wohl nur sie sieht, nach. Ein einziges Chaos.

    Wer die 3% Regel, die Kohl und Mitterand vereinbart haben, zuerst gebrochen hat, werden Sie sicher noch erinnern. Die konnten das. Weil sie groß sind.

    Ich will, daß die das nicht mehr können. Ich will, daß alle sich an strikte Regeln halten müssen, aber auch gemeinsam handeln.

  • Liebe(r) Wahrheit,

    Bayern? Ich hoffe, Sie hatten diese Woche den selben Spaß wie wir am Allgäuer Dialekt in der ARD ... Meine Frau hat mir jedenfalls genau erklären können, wer jetzt echt war und wer nicht ;-)

    Sie beklagen sich über die Höhe der Steuern. Tut das nicht jeder? Und geht nicht damit jeder am Kern des Problems vorbei?

    Ich mag Steuern auch nicht, wer tut das schon. Ich ärgere mich auch, daß das so viel ist und frage mich, warum holen die das eigentlich nicht bei denen, die mehr als genug davon haben?

    Denn _das_ ist ja wohl _das_ Problem: Wir haben eine Bevölkerungsschicht, die mehr als gut verdient, deren gehälter sich weit abgekoppelt haben von so etwas wie "Anstand". Der rheinische Kapitalist würde sagen 10 mal so viel wie ein Angestellter ist ja okay, aber gleich 50 oder 100 Mal so viel - das ist unanständig. Boni dafür, daß man Banken und Volkswirtschaften ruiniert?

    Gerade höre ich, Stephen King hat eine Attacke in einem amerikanischen Online Portal geritten, daß Occupy ja wohl nur die Vorhut gewesen sei und bitteres auf Amerika zukomme, wenn die Reichen weiter auf ihrem Geld glauben sitzen bleiben zu müssen.

    Allgemein finde ich Steuern absolut okay. Ich habe Kinder, naja, die sind jetzt groß, aber ich war froh, daß es gute Schulen, gute Strassen, gute Krankhäuser, eine brauchbare Verwaltung etc etc etc gibt. Das sollte uns etwas wert sein. Zumal wir viele Probleme haben, unseren Staat zu finanzieren, weil der das nicht mehr über Steuern sondern über die Kreditaufnahme regelt und uns damit abhängig macht von Rating Agenturen.

    Das eigentliche Problem ist für mich die Umverteilung von unten nach oben, die sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat. Jetzt werden wir gegeneinander aufgetzt, währen "die da oben" (ich muss kichern) sich am Honigtopf genüsslich tun.

    Wahrheit, auch wenn Sie das jetzt nicht gerne hören: Unsere Politiker mögen Versager sein - Verbrecher sind sie nicht. Einfach nur kleinkariert ...

  • Lieber hardy ,

    wie würden Sie es denn bezeichnen wenn man Ihnen ihr hart erarbeitetes Geld zur Hälfte wegnehmen würde und Sie könnten sich nicht mal dagegen wehren ? ( Wohlgemerkt die Hälfte vom Netto )

    Sehen Sie, das ist gemeint mit Verbrechern in der Regierung.........von wem gehen denn diese Machenschaften aus ? Richtig, von den Eliten die die Banken unter ihre Kontrolle haben, es ist bewiesen das regierende Politiker in Brüssel nach der Pfeife von Bankern tanzen, respektive Gesetze nach denen ihren Vorgaben erlassen, gehts noch ?????

    Es gibt nur noch arm und reich, eine Mittelschicht gibt es nicht mehr, die hat sich verabschiedet, früher war jemand mit 2 Kindern und 1800 DM einigermaßen gutverdienend, heute ist jemand mit umgerechnet dann 940 Euro eine arme Sau und wer bitte schön von den "normalen" Arbeitern in den Bereichen Reinigung, Gastronomie, usw. verdient mehr als 1600 Euro ??? Ganz Wenige und da wollen Sie für diese Regierung und Europa sprechen, tztztzt mir verschlägt es die Sprache.

    Im Übrigen kann man sowieso wählen wen man will, es kommt leider nichts dabei raus weil die Regierenden ja nicht mehr fürs Volk arbeiten sondern nur noch in die eigene Tasche !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%