Parteitag

Piraten wollen mächtig sein

Die Piratenpartei machte zuletzt weniger inhaltlich von sich reden, als durch schlechte Umfragewerte und heftige Personalquerelen. Beim Parteitag in Bayern will der Vorsitzende Schlömer den Weg aus der Krise weisen.
10 Kommentare
Der Vorsitzende Bernd Schlömer auf dem Parteitag im Jahr 2012: Er will die internen Streitereien schnell beenden. Quelle: dapd

Der Vorsitzende Bernd Schlömer auf dem Parteitag im Jahr 2012: Er will die internen Streitereien schnell beenden.

(Foto: dapd)

BerlinPiraten-Chef Bernd Schlömer hat seine kriselnde Partei dazu aufgerufen, sich nicht mit einer Außenseiterrolle zufrieden zu geben. „Macht ist nicht automatisch Negatives. Sie ist wichtig und wir sollten selbstbewusst dazu stehen“, sagte Schlömer der „Welt“ kurz vor dem Bundesparteitag in Bayern. Die Piraten müssten sich mittelfristig auch die Frage nach Koalitionsoptionen stellen. „Dabei sollte man niemanden ausschließen, sofern er verfassungstreu ist und es inhaltlich passt.“

Die Piraten hatten zuletzt vor allem mit Personalquerelen Schlagzeilen gemacht und waren in Umfragen deutlich abgestürzt. Auf ihrem an diesem Freitag beginnenden Parteitag in Neumarkt in der Oberpfalz wollen sie einen Weg aus der Krise finden. Schlömer hatte die Lage der Partei jüngst in einem Interview schonungslos beschrieben: „Uns fehlt die Kraft und die Motivation für den Wahlkampf.“

Nun schlug der Parteichef motivierendere Töne an und bekräftigte auch seinen eigenen Führungsanspruch: „Ich glaube schon, dass ich der richtige Vorsitzende in der richtigen Zeit bin“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“. Er warb dafür, künftig auch Online-Parteitage abzuhalten. Dies wäre ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit und würde „die anderen Parteien unter Handlungsdruck setzen“.

Neben der Beratung des Wahlprogramms wollen die Piraten zum Auftakt ihres dreitägigen Treffens einen neuen politischen Geschäftsführer wählen. Der umstrittene Johannes Ponader gibt das Amt auf. Dem Berliner wird erhebliche Mitschuld am Niedergang der Partei in den Umfragen gegeben. Nach derzeitigem Stand würden die Piraten den Einzug in den Bundestag klar verpassen: Im Forsa-Wahltrend von „Stern/RTL“ lagen die Netzaktivisten diese Woche bei nur noch zwei Prozent. Zuletzt hatten sie im Januar bei der Landtagswahl in Niedersachsen mit 2,1 Prozent eine Schlappe einstecken müssen.

Ponader hatte in den vergangenen Monaten im Zentrum quälender Personaldebatten gestanden und war wiederholt zum Rücktritt aufgefordert worden. In der ZDF-Sendung „Lanz“ sagte er am Mittwochabend, er wolle sich aber weiter in die Partei einbringen: „Ich glaube nicht, dass es das war.“ Auch Schlömer sprach sich dafür aus, dass Ponader der Piratenpartei „mit seiner Gestaltungskraft“ erhalten bleibt. Bisher gibt es sieben Kandidaten für den Geschäftsführer-Job.

Zum Parteitag werden etwa 1500 Piraten erwartet. Bei dem Treffen wollen die Piraten ihr Programm für die Wahl am 22. September beschließen. Dazu liegen über 250 Änderungsanträge vor. Der Vorstand will versuchen, teils chaotische Zustände wie beim Bochumer Parteitag zu verhindern. Neben ihren Kernthemen Internet, Datenschutz und Bürgerrechte wollen die Piraten auch Antworten für den Arbeitsmarkt oder die Außenpolitik geben. Heftige Debatten werden in Neumarkt über den Aufbau einer internen Online-Plattform erwartet, auf der die Mitglieder permanent den Kurs der Partei bestimmen sollen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Parteitag - Piraten wollen mächtig sein

10 Kommentare zu "Parteitag: Piraten wollen mächtig sein"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein Blick in das Parteiprogramm, welcher sich übrigens einfach mit einer großen bekannten Internetsuchmaschine finden lässt, verrät mehr. Aber kurz vorweg: ja, auch dazu gibt es hervorragende Positionen und Konzepte.

  • ACH die ARMEN !! HEUTZUTAGE BRAUCHEN KEINE STÖRSENDER MEHR GEGEN FEINDSENDER !! HEUTZUTAGE ZENSIERT man als MITTÄTER oder VERHINDERT LESBARKEIT oder WEG der E-Mail ist FÜR EINZELPERSONEN . . . .
    UND HIER , WERDE DETERMINIERT , ALS BEHINDERTER DARF NICHT TEXTE DES DENKEN MÜSSEN HINTERLASSEN , da GG Artikel 5 JA NICHT DER GRUND SEIN KANN und SO MACHT . . . MENSCH . . . ???
    DA STÖRSENDER NICHT NACHWEISBAR . . .
    NUN der QUATSCH mir Merkel ??? ALS MERKEL AUF WEG WAR ZUR MACHT , wurde DIE WAHRHEITEN ÜBER sie SAGENDE ZENSIERT ABER BLEIBT DOCH WAHR !! UND NUN SOLL MERKEL . . .
    SO EIN BLÖDSINN !! WENN MACHT NICHT WILL = ZENSUR .

    Für Piraten : Gott@gott-es-gott.de

    Von euch BEKOMME KEINE ANTWORTEN AUF FRAGEN , . . . .
    Frank Frädrich

  • Weitere eminente Kennzeichnen, sind Meinungsfreiheit und Chancengleichheit für alle politische Parteien - beides ist in Deutschland nicht mehr gegeben.

    Die BRD ist etwa so eine Demokratie, wie die Erde eine Scheibe ist.

  • Online-Parteitag? Gibts auch irgend eine Aussage zur Schulpolitik, zum Mindestlohn, zu GEZ-Zwangsgebühr, zur Bekämpfung von Filz und Korruption, zu steuerfreien EU-Gehältern, zur Strangulierung von Selbständigen durch wahnwitzige Krankenkassenbeiträge, zur Integrationspolitik, zur Transfer-Union, zu Auslandseinsätzen der BW?
    Nein, aber Themen wie Transgender waren glaube ich ganz wichtig bei den Piraten, und kostenlose downloads. Herr Schlömer, als Beamter im Verteidigungsministerium, dürfte von den meisten o.g. Themen ja auch nicht betroffen sein, am ehesten noch vom Thema: die Rolle der Geheimdienste in der deutschen Parteienlandschaft?

  • Schlömer hatte die Lage der Partei jüngst in einem Interview schonungslos beschrieben: „Uns fehlt die Kraft und die Motivation für den Wahlkampf.“
    Nun schlug der Parteichef motivierende Töne an und bekräftigte auch seinen eigenen Führungsanspruch: „Ich glaube schon, dass ich der richtige Vorsitzende in der richtigen Zeit bin“, ... (Zitat)

    Die Zeit für die Piraten ist aber sicher abgelaufen. Die Chance hatten sie - aber sie haben diese Möglichkeit eben nicht genutzt. Die Piraten sollten vielleicht jetzt die AfD unterstützen, um damit wieder eine Opposition in dem vorhandenen "etablierten Brei" zu gewährleisten.

  • @Euro Fragen Sie die etablierten Parteien? Deren Konzepte muss der Steuerzahler dann ausbügeln.
    Ein paar Thesen kann ich ja mal an die Kirchentür nageln! HaHa.

    Nun, die Tatsache das überwiegend Beamte d. Parlamente besetzen ist Ursache des Reformstaus u. der exorbitant hohen Steuerbelastung.

    D wird sehr schnell, bedingt durch die Demografie(Überalterung) u. des hohen Staatsaufwandes(u.a. Pensionsverpflichtungen) massive finanzielle Probleme bekommen. Immer weniger echte Steuerzahler stehen einen steigenden Verwaltungsaufwand gegenüber. Regulierung kostet Geld. Traditionell wird seitens der Politik stets auf Steuererhöhungen statt auf Reduzierung des staatlichen Aufwandes gesetzt.

    Idee: Weniger Berufspolitiker und Beamte im Parlament dafür mehr erfolgreiche Berufsleute und Unternehmer. Soll nicht die Zahl der Abgeordneten weiter steigen? Passt ins Bild eines Staates der nur noch Selbstzweck ist.
    Beamtenrecht muss geändert werden. Beamte: kündbar u. abgebaut werden. Pensionszusagen: zusammengestrichen. Die Pensionen sind sicher aber die Pension wird tiefer nivelliert. "Leben bedeutet Risiko" hat auch für Beamte zu gelten.

    Volksabstimmungen analog Schweiz. Damit wäre die einseitige Kontrolle des Bürgers durch den Staat aufgebrochen. Daumenschrauben wurden bisher nur den Steuerzahler auferlegt, daher soll Steuergeldvergeudung in Zukunkt strafrechtliche Konsequenzen haben.
    Ein eminentes Kennzeichen einer funktionierenden reformfähigen Demokratie ist die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive u. Judikative. Das ist nicht mehr gegeben. Deutschland ist KEINE DEMOKRATIE.

    Selbstredend erwarte ich keine Verbesserung. Es wird so bleiben wie es ist. Nur schlechter!!

    Diese Ueberzeugung hatte ich schon vor über 10 Jahren daher bin ich emigriert. Natürlich in die Schweiz. Als Familienvater muss ich an die Zukunft meiner Kinder denken. Der deutsche Staat denkt ja auch an seine Beamten, oder?!

  • Eine äußerst undemokratische Partei, die durch Pfeifkonzerte in SA-Manier, die Meinungen anderer unterdrücken möchte.
    Nicht wählbar!

  • Die Piraten hatten eine reelle Chance ihr libertäres Profil aus der Computerecke heraus in Richtung einer echten liberalen Partei weiterzuentwickeln. Nach dem Entern durch Alt-Linke und sontige politisch Verwirrte blieb diese Chance allerdings ungenutzt und es kam wie es kam: Anstatt irgendwas zu entern - sind die Piraten gekentert.

  • Haben die irgendein Konzept ausser durch Unausgegorenheit aufzufallen?

  • Mit Schloemer, ein Abgesandter des deutschen Beamtenbundes, ist die Piratenpartei nicht mehr von den Etablierten zu unterscheiden. Von Freiheit keine Spur. Kaum ist eine neue Partei gegründet sitzen die Beamten im Vorstand.

    Kein Wunder das Deutschland gleichzeitig ein Beamtenparadies und eine Steuerhölle ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%