Parteivorsitz in NRW
Röttgen droht Schlappe im internen CDU-Duell

Am Sonntag fällt die Entscheidung über den Vize von Kanzlerin Merkel und Chef der nordrhein-westfälischen CDU. Armin Laschet liegt in Umfragen vor dem Bundesumweltminister. Dabei galt der Sieg von Röttgen zunächst als sicher.
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BERLIN. Noch bis Sonntag läuft die interne Mitgliederbefragung im größten CDU-Landesverband. Die Nordrhein-Westfalen stimmen ab über die Frage, wer das Erbe des abgewählten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers antreten soll. Dabei geht es nicht nur um den Chefsessel der CDU an Rhein und Ruhr, sondern auch um einen der vier Stellvertreterposten von Parteichefin Angela Merkel. Nicht zuletzt dürfte der neue CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen auch der natürliche Spitzenkandidat werden, wenn die rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf vorzeitig scheitert.

Bei einer hohen Wahlbeteiligung der rund 160 000 Christdemokraten in NRW galt der bundesweit bekannte Umweltminister Norbert Röttgen eigentlich als der sichere Sieger vor seinem Konkurrenten Armin Laschet. Doch diese Einschätzung gilt so nicht mehr.

Bis jetzt haben rund 40 Prozent der CDU-Mitglieder ihre Stimme abgegeben – mehr als die Parteimanager erwartet hatten. Bis zum Fristablauf am Sonntag rechnet CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid mit insgesamt rund 50 Prozent Wahlbeteiligung – ein vergleichsweise hoher Wert. Dennoch läuft das Rennen nicht auf den prominenten Umweltminister zu, sondern auf den früheren Landesintegrationsminister Laschet.

Der Aachener steht bei den regionalen Parteiführern höher im Kurs als der Bundespolitiker Röttgen. Bei sechs von acht Bezirksvorsitzenden liegt Laschet vorn. Diesen Heimvorteil kann er auch an der Basis ausspielen. Von den 54 Kreisvorsitzenden in NRW sprach sich ebenfalls die Mehrheit für Laschet aus.

Zwar gelten sowohl Laschet als auch Röttgen gleichermaßen als Vertreter einer liberalen, modernen CDU. Beide haben auch lange für eine schwarz-grüne Annäherung bis hin zu Koalitionen geworben. Den entscheidenden Unterschied im Kampf um den einflussreichen Posten des CDU-Vorsitzenden in NRW sieht Laschet jedoch in seiner „Präsenz vor Ort“. Nur so könne man der rot-grünen Landesregierung Paroli bieten, meint der CDU-Politiker.

Mangelnde Präsenz vor Ort

Die Parteianhänger sehen das offenbar ähnlich. In einer Forsa-Umfrage für den „Stern“ sagten 80 Prozent der befragten CDU-Mitglieder, es sei wichtig, dass sich der Landeschef voll auf seine Arbeit vor Ort konzentriere. Das ist ein klares Misstrauensvotum gegen den in Berlin gebundenen Umweltminister.

Entsprechend stimmten auch 54 Prozent der CDU-Anhänger in NRW für Laschet und nur 28 Prozent für Röttgen; der Rest der Befragten äußerte sich unentschieden. Laschet will, dass „die CDU ihre Wirtschafts- und Finanzkompetenz wieder sichtbarer macht“. NRW müsse „Industrieland bleiben mit allen Konsequenzen, die das auch bei einem Bekenntnis zu Großprojekten haben kann“, sagte er dem Handelsblatt. „Nur so können wir uns von der rot-grünen Blockade-Haltung absetzen.“

Sowohl Laschet als auch Röttgen sind fest entschlossen, im Fall eines Sieges in Düsseldorf auch als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender zu kandidieren. Beim Bundesparteitag Mitte November in Karlsruhe treten als Merkel-Stellvertreter noch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesbildungsministerin Annette Schavan sowie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen an. Würde Röttgen gewinnen, wären drei von vier CDU-Vize auch Minister in Merkels Diensten und eingebunden in die Kabinettsdisziplin – keine schöne Aussicht für eine selbstbewusste Partei.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter

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