Parteivorsitzende tritt zurück
Neuanfang bei der SPD in Sachsen

Die SPD in Sachsen muss nach dem Rücktritt ihrer Parteichefin Constanze Krehl und nur drei Monate vor den Landtagswahlen neu beginnen. Die 47-Jährige Krehl zog mit ihrem Rücktrtitt die Konsequenz aus dem für sie schlechten Ergebnis bei der Aufstellung der Landesliste am Sonntag in Döbeln.

HB DRESDEN. Nun soll Thomas Jurk die Last schultern. Jurk ist seit Sonntag Spitzenkandidat für die Wahl am 19. September. Kurz nach dem erwarteten Rücktritt Krehls - sie war mit gerade 54,1 Prozent auf Listenplatz zwei für die Landtagswahl gesetzt worden - wurde an Jurk die Bitte herangetragen, nun auch noch die Partei kommissarisch zu führen.

Im vergangenen Dezember kam der Chef der Landtagsfraktion in Umfragen gerade auf 31 Prozent Bekanntheitsgrad. Im Vergleich zu den Spitzenkandidaten der anderen Landtagsparteien steht dem 42-Jährigen also noch einiges an Arbeit bevor, wenn er die von internen Kämpfen gebeutelte SPD zu einem Wahlerfolg am 19. September führen will. Ein Erfolg wäre es schon - so einige in der Sachsen-SPD - wenn die Partei ihr Ergebnis von 1999 wenigstens wieder erreichen würde. Damals war die SPD auf den historischen Tiefstand von 10,7 Prozent der Stimmen gesunken - schlechter schnitt noch nie ein SPD-Verband bei Landtagswahlen ab.

Jurk übernahm damals wenige Tage nach dem Debakel die Führung der auf 14 Mitglieder geschrumpften Landtagsfraktion. Krehl war wenige Tage zuvor als Landeschefin inthronisiert worden - auf Vorschlag des glücklosen SPD-Spitzenkandidaten Karl-Heinz Kunckel, der nach der Wahl beide Ämter abgab. So richtig stimmte die Chemie zwischen dem aus Görlitz stammenden Jurk und der in Leipzig beheimateten Krehl nie. Immer wieder vermittelten beide den Eindruck, als existiere auf der einen Seite die Fraktion in Dresden und auf der anderen Seite der Landesvorstand, der von Leipzig aus gelenkt wird.

Jurk, der seit 1989 in der SPD ist, muss sich nun um eine Integration aller SPD-Flügel mühen. Die Unterstützung seiner Fraktion hat er zum größten Teil. Das zeigte auch der Listenparteitag, als er mit 88,1 Prozent als zu Spitzenkandidaten gewählt wurde. Nun aber wird es Jurk wenig nützen, dass er als einer gilt, „mit dem man ein Bier trinken und über den Gartenzaun wie mit einem Kumpel reden kann.“

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