Paternoster-Verbot aufgehoben
Lift-Oldies dürfen weiter ihre Runden drehen

Zunächst war das Paternosterverbot kaum jemandem aufgefallen. Doch dann regte sich Protest von Städten und Gemeinden, die die Einschränkung nicht hinnehmen wollten. Nun hat der Bundesrat die Verordnung gekippt.
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BerlinNach sechs Wochen hat der Bundesrat das umstrittene Paternoster-Verbot in Deutschland wieder aufgehoben. Die Länderkammer ließ am Freitag in Berlin eine Änderung der Betriebssicherheitsverordnung passieren. Betreiber müssen Benutzer künftig auf die Gefahren der historischen Aufzüge hinweisen - etwa mit Schildern.

Zunächst war am 1. Juni eine Neufassung der Verordnung in Kraft getreten, nach der Besucher etwa in Verwaltungsgebäuden die Aufzüge nicht mehr benutzen durften. Sie mussten die normalen Aufzüge nehmen oder Treppensteigen. Zunächst einmal war das Paternosterverbot kaum jemandem aufgefallen. Es versteckte sich in der Verordnung aus dem Bundesarbeitsministerium mit 58 Seiten. „Der Arbeitgeber“, stand dort, „hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden.“

Dann regte sich bundesweit Protest. Viele Städte und Gemeinden wollten die Einschränkungen nicht hinnehmen. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) nannte das Verbot „nah am Wahnsinn“. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte darauf die nun beschlossene neue Verordnung auf den Weg, nachdem Bund und Länder in mehreren Runden über genaue Formulierungen verhandelt hatten.

Nun sind viele erleichtert. Die Stadt Stuttgart feiert am 28. Juli die Wiederinbetriebnahme ihrer Rathaus-Paternoster mit einer Party. „Ich halte die Paternoster für ein zeitloses, praktisches und sicheres Fortbewegungsmittel“, sagte Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne). Sie seien im Rathaus zudem ein echter Besuchermagnet.

In Duisburg, wo seit den 1950er Jahren zwei der rumpelnden Lift-Oldies laufen, herrscht ebenso Freude über die Berliner Entscheidung wie in Wuppertal: „Der Paternoster ist ein beliebtes Hochzeitsmotiv“, sagte eine Sprecherin. „Jetzt ist das Rathaus wieder vollständig und wir sind erleichtert.“

1885 fuhr der deutschlandweit erste Paternoster in Hamburg - noch etwa 250 Exemplare drehen in Deutschland ihre Runden. Laut Duden handelt es sich dabei um einen „Aufzug mit mehreren vorne offenen Kabinen, die ständig in der gleichen Richtung umlaufen“. Auch dass der Volksmund diese besondere Art von Fahrstuhl gern „Beamtenbagger“ nennt, verschweigt der Duden nicht. Den Ursprung des Begriffs Paternoster führen Sprachwissenschaftler auf das katholische Rosenkranz-Gebet zurück.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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