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Paul Kirchhof: Der Ganz-oder-gar-nicht-Professor

Er sollte Joker sein und endete als wirklichkeitsferner Wissenschaftler: Paul Kirchhof hat aus dem Wahlkampfdesaster 2005 viel über Politik gelernt. Missionar ist der "Professor aus Heidelberg" trotzdem geblieben.

Der Steuerexperte Paul Kirchhof. Quelle: dpa
Der Steuerexperte Paul Kirchhof. Quelle: dpa

BerlinDen Titel "Professor aus Heidelberg", den trage er heute und inzwischen voller Stolz, sagt Paul Kirchhof. "Professor aus Heidelberg zu sein ist ein sehr privilegierter Beruf."
Mit diesen Worten spielt der angesehene Jurist auf seine kurze, aber intensive Karriere als Politiker an. Damals, im Bundestagswahlkampf des Jahres 2005, war er zunächst parteiloser Joker von Angela Merkel, später dann unfreiwillig der von Gerhard Schröder.
Die CDU-Chefin wollte mit Kirchhof die Wahl gewinnen, ehe es Schröder gelang, den Steuerexperten als kalten und der Wirklichkeit entrückten Wissenschaftler darzustellen, eben als diesen "Professor aus Heidelberg". Die Reputation des Professors hatte damit Schaden genommen, Merkel rückte schnell von ihm ab. Kirchhofs Ausflug in die Politik war beendet, ehe er richtig begonnen hatte.
Jetzt ist er zurück auf der politischen Bühne in Berlin, aber Paul Kirchhof will ausdrücklich nicht mehr als Politiker, sondern nur noch als Wissenschaftler wahrgenommen werden, als Experte, der nun endlich sein Lebenswerk vorstellen kann, das "Bundessteuergesetzbuch".
Gut gelaunt empfängt der 68-Jährige vergangene Woche denn auch eine Journalistenrunde im Berliner Ritz Carlton, und zunächst gibt es Champagner, auf dass der große Wurf zur Erneuerung des Steuerrechts endlich vollbracht ist.

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Neun Jahre hat Kirchhof an seinem Lehrstuhl für Steuerrecht in Heidelberg mit Doktoranden an der Vollendung des Werks gearbeitet: dem Steuerrecht aus einem Guss, dessen Paragrafen, Verwaltungsrichtlinien und juristischer Kommentar in ein einziges Buch passen. In Leinen gebunden steht es nun auf einem Tisch, geschätzte drei Kilo schwer. "Es ist das erste Exemplar", sagt Kirchhof.
Und wieder lauscht sein Publikum gebannt, genauso wie damals, als Kirchhof sich anschickte, zum neuen Star der Union aufzusteigen. Begeistert jubelten ihm damals Handwerker, Freiberufler und Unternehmer zu, wenn er von einem einfachen und gerechten Steuersystem sprach. Dies würde den Bürger in den "Garten der Freiheit" entlassen, warb er damals, in ein Paradies ohne lange Steuererklärungen.

  • 28.06.2011, 15:19 UhrAnonymer Benutzer: ulle21

    WAAAAAAASSS??? un ich als Steuerberater, was wird aus mir? mein GELD!!!!

  • 28.06.2011, 12:08 UhrAnonymer Benutzer: Volker0866

    Her mit der Bierdeckel-Steuerberechnung!
    Das macht zwar eine Menge Leute arbeitslos (die von der Kompliziertheit unseres jetzigen Steuer-Systems leben), aber dem Mißbrauch durch die vielen Steuergesetzte wird endlich ein Riegel vorgeschoben.
    Der Enduser wird damit besser fahren, meine ich. Ängste, das der eine oder andere Steuervorteil dann wegfallen wird, halte ich für unbegründet, da insgesamt eine deutliche Steuersenkung für alle zu erwarten ist (kompensiert um die jetzt noch vorhandenen Steuergesetztes-Lücken) - Kirchhoff, you are welcome back!
    Volker P.

  • 28.06.2011, 10:36 UhrGung Bong

    Inzwischen dürfte der Standartwähler schlauer geworden sein -hoffe ich zumindest- um zwischen sachorientierten Steuerkonzepten und Konzepte die allein darauf zielen der macht- und geldgeilen Politikerkaste die nächste Legislaturperiode zu ermöglichen.

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