Pauschale Erhöhung auf 38 bis 40 Stunden
BDI-Chef Rogowski fordert längere Arbeitszeit

Kurz vor dem Treffen von Kanzler Gerhard Schröder mit den Spitzenvertretern der Gewerkschaften am Montag zeichnet sich ein Streit um die Wochenarbeitszeit ab.

huh/rut/ost BERLIN. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, fordert, dass die Deutschen wieder länger arbeiten. „Ich plädiere dafür, die Wochenarbeitszeit pauschal auf 38 bis 40 Stunden anzuheben“, sagte Rogowski dem Handelsblatt. Dies müsse in den Manteltarifverträgen zur Arbeitszeit festgeschrieben werden.

Der BDI-Chef fordert damit die Gewerkschaften heraus. Auch innerhalb des Arbeitgeberlagers ist das Thema umstritten. Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, lehnt eine pauschale Verlängerung der Wochenarbeitszeit ab. „In dieser Frage unterscheiden sich unsere Meinungen anscheinend etwas“, sagte Rogowski. Einig sind sich Rogowski und Hundt in der Forderung nach einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeiten in den Unternehmen. „Es muss auf betrieblicher Ebene mehr Spielraum für vom Tarifvertrag abweichende Arbeitszeitregelungen geben“, sagte Rogowski.

Die Lockerung des Tarifrechts steht am Montag in Berlin gleich mehrfach auf der politischen Tagesordnung. Bei einem Treffen von Bundeskanzler Schröder mit den Chefs der Gewerkschaften, darunter erstmals der neu gewählte IG-Metall- Vorsitzende Jürgen Peters, wird die Öffnung der Tarifverträge ein zentrales Thema sein. Außerdem sind Gesetzentwürfe von Union und FDP zum gleichen Thema Gegenstand einer Anhörung im Deutschen Bundestag. Die Oppositionsparteien fordern Öffnungsklauseln in Tarifverträgen, um betriebliche Bündnisse für Arbeit zu erleichtern. Die Gewerkschaften haben dagegen massiven Widerstand angekündigt. Ziel des Reformvorstoßes der Union sei es, „tarifliche Arbeitszeitregelungen und Lohnniveaus zu durchbrechen, um betriebliche Arbeitszeitverlängerungen ohne Entgelterhöhungen durchzusetzen“, heißt es in der Stellungnahme des DGB zu der Anhörung, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Gewerkschaften fürchten, dass Schröder dem Vorstoß der Union nachgeben könnte. Der Bundeskanzler hatte den Gewerkschaften in seiner Regierungserklärung vom 14. März gedroht, er werde zu gesetzlichen Regelungen greifen, sollten sich die Gewerkschaften nicht in größerem Umfang als bisher auf betriebliche Bündnisse für Arbeit einlassen.

Nach Auffassung von BDI-Chef Rogowski hat die 35-Stunden-Woche erheblich dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit in die Höhe zu treiben. Die niedrige Wochenarbeitszeit habe zu höheren Lohnstückkosten geführt. Deshalb hätten die Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut, sagte Rogowski.

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