PDS/WASG-Liste
Parteienforscher geben Linksbündnis keine Chance

PDS und WASG haben am Wochenende ihre Zusammenarbeit besiegelt. Allerdings macht sich vor allem beim West-Partner der geplanten Liste zunehmend Unmut breit. Die Basis der WASG stößt sich am schlechten Ruf der PDS als SED-Nachfolgepartei. Parteienforscher prognostizieren bereits ein Scheitern des Bündnisses.

HB HAMBURG. Es seien noch weitere Gespräche über den Namen und das gemeinsame Programm nötig, sagte WASG-Vorstand Klaus Ernst nach dem Treffen der Landesvorstände. Am Wochenende hatte es in der Partei Irritationen und kritische Stimmen gegeben. Bei der WASG traf vor allem der von der PDS präsentierte Name Demokratische Linke/PDS auf Kritik. Die Bezeichnung sei nicht abgestimmt, sagte Ernst.

Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky deutete Kompromissbereitschaft bei der umstrittenen Namensgebung des geplanten Linksbündnisses an. Im ARD-Morgenmagazin sagte Bisky am Montag, dass die PDS ihre Wurzeln keinesfalls verleugnen wolle, dass sich "aber eine Lösung finden" werde. Es werde Zeit, "dass eine starke linke Kraft in den Bundestag kommt".

Dennoch werde die PDS "erkennbar machen, dass wir Sozialisten sind, und wir wollen deutlich machen, dass wir einen demokratischen Sozialismus anstreben", fügte der PDS-Chef hinzu. Dies sei eine Frage von Ehrlichkeit und Identität. Aus der Parteiführung verlautete indessen, dass die PDS bei der offenbar favorisierten Bezeichnung "Demokratische Linke - PDS" in den alten Ländern auf den Zusatz PDS verzichten könnte.

Aus Nordrhein-Westfalen, wo die WASG bei der Landtagswahl 2,2% der Stimmen geholt hatte, gibt es generellen Widerstand gegen das Linksbündnis. Vertreter von rund 15 Orts- und Kreisverbänden der WASG forderten bei einem Treffen eine Urabstimmung zu dem Projekt. Die Teilnehmer des Treffens befürchten nach den Worten eines Sprechers, die Inhalte der WASG könnten in einem Linksbündnis verwässert werden.

Auch die Parteienforsche halten den Erfolg einer gemeinsamen PDS/WASG-Liste für gering. "Es gibt große Spannungen zwischen beiden Gruppen", sagte der Göttinger Parteienforscher Peter Lösche der "Financial Times Deutschland". Er betonte: "Man darf nicht den Fehler machen, das letzte Ergebnis der PDS im Bund von 4,0% und das nordrhein-westfälische Ergebnis der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) von 2,2% zu addieren." Das sei nicht realistisch.

"Viele Wähler werden sehr zögerlich sein, diese Verbindung zu wählen", sagte Lösche. Das Potenzial liege um die 5%. "Mit viel Glück können sie es in den Bundestag schaffen." Die Anziehungskraft Lafontaines auf die Wähler werde von den Medien deutlich überschätzt. Für vollkommen übertrieben hält auch der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter Umfragen, nach denen bis zu 18% der Bevölkerung dem neuen Bündnis ihre Stimme geben könnten. "6% bis 8% sind durchaus realistisch, viel mehr aber nicht."

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