BerlinEin Vorzeigediplomat war er nie. Und Peer Steinbrück wird es wohl auch nie werden. Dafür ist der SPD-Kanzlerkandidat zu sehr er selbst. Mit knallharten politischen Ansagen hat er schon in seiner Zeit als Bundesfinanzminister für Aufsehen gesorgt, als er der Schweiz im Steuerstreit mit der Kavallerie drohte. Doch gelernt hat er daraus wenig. Den diplomatischen Scherbenhaufen, den er hinterließ, mussten andere für ihn zusammenkehren.
Steinbrück bleibt eben Steinbrück – unverstellt und ungefiltert. Dass ihm dabei gerne unterstellt wird, sehr oft erst zu sprechen und dann über das Gesagte nachzudenken, stört ihn nicht weiter. Im Gegenteil: Selbst bei seinem jüngsten Fehltritt, seinen umstrittenen Äußerungen über den Wahlausgang in Italien, sagte er hinterher, als sich die Empörungswelle längst ihren Weg durch die Republik bahnte: „Gesagt ist gesagt.“
Seine Partei sieht darin ein Pfund, mit dem der Kanzlerkandidat bei den Wählern punkten soll. Die Genossen sehen aber auch das Risiko, das damit verbunden ist. Denn Steinbrück lässt sich nicht kontrollieren. Da passieren dann schon mal Patzer, die in Debatten münden, deren Ausgang nicht wirklich steuerbar ist. Wenn die Empörung dann auch noch vom Ausland ausgeht, wie im Fall der Italien-Schelte Steinbrücks, dann wird es gänzlich unübersichtlich für die Genossen und die Wahlkampfstrategen in der SPD-Zentrale.
Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.
1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.
1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.
1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.
1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.
1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion
1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.
Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.
1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.
Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.
Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.
Dabei müssten Steinbrücks Berater eigentlich längst wissen, dass der Erfolg seiner Haudrauf-Strategie bescheiden ist: Unbedachte Äußerungen wie etwa über das vergleichsweise geringe Kanzlergehalt ließen Steinbrück in den Umfragen einbrechen. Mühsam begann der Herausforderer erst vor kurzem, sich zu berappeln und auf einer Europa-Reise Tritt zu fassen auf dem diplomatischen Parkett. Doch dann geriet der Obergenosse wieder ins Rutschen.
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.
Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.
Der Westfale war bereits in der Regierungszeit von Kanzler Gerhard Schröder Parteisprecher und ist als Steinbrück-Sprecher nun eine Schlüsselfigur im Team um den Kanzlerkandidaten. Donnermeyer galt als Gefolgsmann des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering, der ihn mit nach Berlin geholt hatte. Nach der Wahl 2002 wurde Donnermeyer Senatssprecher in Berlin, später dann Geschäftsführer des Informationszentrums Klima, das im Auftrag großer Energiekonzerne Lobbyarbeit für die umstrittene CCS-Technik macht. Derzeit ist Donnermeyer mit dem Krisenmanagement um Steinbrücks Italien-Äußerungen beschäftigt.
Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr sowie für Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.
Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete erfolgreich 1998 und 2002 die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.
Heiko Geuer ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanz-Staatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.
Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".
Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.
Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.
Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, die den Anfangspunkt setzen sollte für eine Gesprächsreise durch 16 Bundesländer, machte der 66-Jährige eine Bemerkung, mit der er den Präsidenten der drittgrößten Volkswirtschaft in der EU verärgerte. "Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", sagte Steinbrück bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD in Potsdam über den Wahlausgang in Italien. "Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt - Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub ist." Damit war niemand anderes als der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi gemeint.
„Grillo – Boom. Parlament blockiert“
„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“
„Grillo – Boom. Italien unregierbar“
„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“
„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“
„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“
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„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“
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„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“
„Ein Tsunami namens Grillo“
„Italien zeigt sich gemäßigt“

Danke SANTOS, Sie sind ein feiner Mensch und haben einen guten Charakter und treten ein für ihr neues Vaterland.
"lensoes" hat es allerdings "ironisch" gemeint und ist das Gegenteil eines rot-grünen "Gutmenschen", die freilich ungenießbar sind.

Warum das? Je intensiver Herrr Steinbrück an seiner Gehirnkrankheit, sprich "politisches Unfähigkeitsyndrom" leidet, desto besser geht es Frau Merkel und ihren Chancen im September dieses Jahres.
Wenn Steinbrück weiter so mental herabgestuft "Politik macht", kann sich Merkel bei Herrn Steinbrück nur bedanken... oder bei seinen Ärzten... LOL

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