Peer Steinbrück: Das „Peerlusconi“-Problem der SPD

Peer Steinbrück
Das „Peerlusconi“-Problem der SPD

Steinbrück spricht gerne Klartext. Doch mit seinen abfälligen Italien-Äußerungen hat er einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Verspielt der Kanzlerkandidat damit auch alle Wahlchancen für die SPD?

BerlinEin Vorzeigediplomat war er nie. Und Peer Steinbrück wird es wohl auch nie werden. Dafür ist der SPD-Kanzlerkandidat zu sehr er selbst. Mit knallharten politischen Ansagen hat er schon in seiner Zeit als Bundesfinanzminister für Aufsehen gesorgt, als er der Schweiz im Steuerstreit mit der Kavallerie drohte. Doch gelernt hat er daraus wenig. Den diplomatischen Scherbenhaufen, den er hinterließ, mussten andere für ihn zusammenkehren.

Steinbrück bleibt eben Steinbrück – unverstellt und ungefiltert. Dass ihm dabei gerne unterstellt wird, sehr oft erst zu sprechen und dann über das Gesagte nachzudenken, stört ihn nicht weiter. Im Gegenteil: Selbst bei seinem jüngsten Fehltritt, seinen umstrittenen Äußerungen über den Wahlausgang in Italien, sagte er hinterher, als sich die Empörungswelle längst ihren Weg durch die Republik bahnte: „Gesagt ist gesagt.“

Seine Partei sieht darin ein Pfund, mit dem der Kanzlerkandidat bei den Wählern punkten soll. Die Genossen sehen aber auch das Risiko, das damit verbunden ist. Denn Steinbrück lässt sich nicht kontrollieren. Da passieren dann schon mal Patzer, die in Debatten münden, deren Ausgang nicht wirklich steuerbar ist. Wenn die Empörung dann auch noch vom Ausland ausgeht, wie im Fall der Italien-Schelte Steinbrücks, dann wird es gänzlich unübersichtlich für die Genossen und die Wahlkampfstrategen in der SPD-Zentrale.

Dabei müssten Steinbrücks Berater eigentlich längst wissen, dass der Erfolg seiner Haudrauf-Strategie bescheiden ist: Unbedachte Äußerungen wie etwa über das vergleichsweise geringe Kanzlergehalt ließen Steinbrück in den Umfragen einbrechen. Mühsam begann der Herausforderer erst vor kurzem, sich zu berappeln und auf einer Europa-Reise Tritt zu fassen auf dem diplomatischen Parkett. Doch dann geriet der Obergenosse wieder ins Rutschen.

Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, die den Anfangspunkt setzen sollte für eine Gesprächsreise durch 16 Bundesländer, machte der 66-Jährige eine Bemerkung, mit der er den Präsidenten der drittgrößten Volkswirtschaft in der EU verärgerte. "Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", sagte Steinbrück bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD in Potsdam über den Wahlausgang in Italien. "Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt - Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub ist." Damit war niemand anderes als der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi gemeint.

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