Peer Steinbrück
Ein großes Ego mit scharfen Kanten

Noch vor zwei Jahren wollte Peer Steinbrück von neuen Ämtern nichts wissen. Nun will der SPD-Mann das Kanzleramt stürmen. Ob ihm das gelingen kann, ist offen. Denn er kann zwar Finanzminister – aber kann er auch Kanzler?
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BerlinVor sieben Jahren stand ein Mann bescheiden an der Pforte des Kanzleramts und begehrte Einlass. "Guten Tag, mein Name ist Peer Steinbrück, ich habe einen Termin mit Herrn Steinmeier", meldete sich der Besucher höflich beim Wachhabenden an. Er hatte gerade, im Juni 2005, seine bis dato schmerzlichste Niederlage erlitten: Die nordrhein-westfälischen Wähler hatten ihm als Regierungschef den Laufpass gegeben. Einige Wochen später war der gebürtige Hamburger dann Finanzminister in der großen Koalition - das Amt, das ihm den Weg zu Höherem eröffnete.

Nun soll er für die SPD nach den Sternen greifen und nach deren Vorstellung im kommenden Jahr Angela Merkel im Kanzleramt ablösen. Er will Hausherr im klobigen Bau an der Spree werden. Und Frank-Walter Steinmeier hat dem inzwischen nicht mehr ganz so bescheidenen Herrn Steinbrück den Weg frei gemacht für dieses ehrgeizige Vorhaben. Steinbrück will es mit Merkel aufnehmen, der Frau, mit der ihm hoher gegenseitiger Respekt verbindet. Zuvor muss dem nunmehr 65-Jährigen etwas gelingen, was er noch nicht geschafft hat: Erstmals in seinem politischen Leben als Spitzenmann eine Wahl gewinnen.

Dabei fragten sich noch jüngst, als Steinbrück wieder einmal wochenlang von der politischen Bildfläche verschwunden war, enge Weggefährten: "Will er oder will er nicht?" So sicher war sich der passionierte Schachspieler und Schnellredner offenbar lange selbst nicht. "Eigentlich ist er in Ämter bislang immer gerufen worden", schildert ein Freund den schwierigen Entscheidungsprozess.

Im Oktober 2010, als er erstmals nach längerer Abstinenz bei einem SPD-Parteitag mit einem fulminanten Auftritt sofort erste Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur ausgelöst hatte, sagte er in einem Reuters-Interview noch: "Nein, ich strebe keinerlei Ämter mehr an". Und er bat: "Ich bitte Sie, das Missverständnis nicht weiter zu kolportieren, ich sei bereit, irgendwelche Ämter, Funktionen oder Kandidaturen zu übernehmen."

Steinbrück ist nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse. Erwischt man ihn in einem falschen Moment, wird man schon mal unwirsch angeknurrt: "Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen jetzt was sage." Opfer solcher Maulereien kann jeder werden: Mitarbeiter, Kollegen, gerne auch Journalisten. Aber es gibt auch den anderen Peer Steinbrück, den Mann mit Humor, mit einem eigenen Charme, mit dem man über ganz viele Themen abseits des politischen Geschäfts sprechen kann: über Filme, den Modellschiffbau oder über die aktuellen Kräfteverhältnisse im Fuß- oder Handball.

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„Man weiß nie, wo man landet“

Kommentare zu " Peer Steinbrück: Ein großes Ego mit scharfen Kanten"

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  • Großes Ego, in der Tat:

    - Größenwahn
    - Selbstüberschätzung
    - Überheblichkeit

  • Da schreiben wieder mal große Egos über große Egos. Wie wäre es mit Peer Heimtück? Ein großes Ego ist eine Krankheit und man sollte sich als Bürger fragen, was diese Selbstverliebtheit rechtfertigt? Große Egos sind irrational, mental retardiert, Rabulisten, und daher disperonal zur idealen Voraussetzung für eine Kanzlerschaft. Da könnte sich auch Dieter Bohlen bewerben. Oder Adolf Hitler.

    Die Deutschen scheinen von Natur aus hektisch, schrill, schockfarben, dumm und wahrscheinlich beten sie daher den Mammon an und Pussy Riot.

    Die Zielgruppe für den Heimtück ist der unterbelichtete Terrorbrikett-Nutzer - kann Steinbrück Kanzler? Ja klar, schließlich hat er Rücken.

    Vollidioten





  • Warten wir es mal ab.
    Steinbrück ist ein bißchen vergleichbar mit Merkel, er will Kanzler werden, er will Macht um jeden Preis.
    Aber hätte er die Macht dann auch wirklich? Ich meine, so von Parteiseite?
    In der FA steht dazu ein guter Artikel und dem kann ich zustimmen.
    Er wurde zum Herausforder von Merkel gemacht, weil er der einzige ist, der sie herausordern kann.
    Aber ich denke mal, sollte er Kanzler werden, wird er doch ein bißchen am Gängelband der gesamten SPD und Gabriel laufen. Noch einmal wird es die Partei nicht zulassen, dass sie "verschrödert" werden.
    Aber offenbar spielt teinbrück eben da auch mit, denn das wird ja wohl besprochen worden sein

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