Peer Steinbrück

Kritik an Honoraren ist „dämlich“

Langsam wird es Peer Steinbrück in der Debatte über seine Vortragshonorare zu bunt. Die Kritik an seinem Verhalten sei „dämlich“, so der designierte SPD-Kanzlerkandidat. Ein „Knecht des Kapitals“ sei er nie gewesen.
Update: 07.10.2012 - 19:55 Uhr 84 Kommentare
Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück. Quelle: dapd

Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück.

(Foto: dapd)

Berlin/MünchenNach heftiger Kritik an seinen bezahlten Vorträgen geht der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in die Offensive. In einer persönlichen Erklärung schlug er am Wochenende vor, alle Abgeordneten zu verpflichten, ihre Zusatzeinkünfte „bis auf den letzten Cent“ zu veröffentlichen. Damit ging er über den bisherigen Vorschlag seiner Partei hinaus, die Honorare lediglich in mehr als die bisher vorgesehenen drei Stufen einzuordnen und so die Einnahmen transparenter zu machen.

Die "Welt am Sonntag" berichtete unterdessen, nach ihren Recherchen habe Steinbrück über eine Million Euro mit seinen Reden verdient. In mindestens zwei Fällen habe er 20.000 Euro bekommen. Der "Spiegel" berichtete, Steinbrück habe Honorare von Firmen erhalten, die während seiner Zeit als Bundesfinanzminister von Aufträgen des Ministeriums profitiert hätten.

Der "Focus" schrieb, der Ex-Minister habe auch Reden in der Schweiz und in Lichtenstein gehalten. Zu den Finanziers sollen demnach auch Unternehmer gehört haben, die das wegen der Vorteile für deutsche Steuerhinterzieher kritisierte Schweizer Bankgeheimnis ausdrücklich befürworten.

Die Kritik an seinen 80 mit mindestens 560.000 Euro bezahlten Vorträgen seit Herbst 2009 nannte Steinbrück „absurd“ und „dämlich“ – so wie auch den Vorwurf von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, es könne der Eindruck entstehen, als sei der SPD-Politiker der "Liebling der Spekulanten". "Es sind offenbar Einige sehr nervös darüber geworden, dass ich Kanzlerkandidat der SPD geworden bin", so Steinbrück.


Seinen Kritikern in Union und FDP warf er Scheinheiligkeit vor, weil diese eine Verschärfung der Richtlinien über Nebeneinkünfte für Bundestagsabgeordnete verhindert hätten. "Ich habe mich allen Regeln entsprechend, steuerrechtlich sowieso, korrekt verhalten", sagte er im Deutschlandfunk zu den umstrittenen Honoraren, die er für Reden erhalten hatte.

Auch die stellvertretende Parteivorsitzende Hannelore Kraft ist Steinbrück indes beigesprungen. Kraft, die als Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen großen Einfluss in der SPD hat, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Peer Steinbrück hat seine Einkünfte für Reden und Vorträge nach den Regeln des Bundestages völlig korrekt angezeigt." Wer Steinbrück jetzt unterstelle, "er rede anderen nach dem Mund, kennt ihn nicht", sagte Kraft. Sie sprach von "geheuchelter Empörung" aus den Reihen von Union und FDP, die "mehr als peinlich" sei.

„Alles andere als ein Knecht des Kapitals“
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84 Kommentare zu "Peer Steinbrück: Kritik an bezahlten Vorträgen ist „dämlich“"

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  • Kritik an bezahlten Vorträgen ist keinesweg "dämlich".
    Die hohen Beträge die Peer Steinbrück kassiert begründen sich meiner Meinung nach nur dadurch, daß die Auftraggeber sich spätere Vorteile von Steinbrück erhoffen, wenn er ein entsprechendes Amt bekleidet, welches dieses ermöglichen könnte. Ansonsten sind mehrere tausend Euro für einen vielleicht 1-2 stündigen Vortrag völlig unverhältnismäßg.
    Das grenzt dann schon an Amtsmißbrauch durch vorweggenommene Bestechungsgelder. Solch eine Person ist als Kanzler völlig untragbar!

  • @Koboldo
    Das sehe ich ebenso. Die Nominierung Steinbrücks ist das äußere Zeichen dafür, dass die SPD intern immer noch keine Personalpolitik betreiben kann, die Kandidaten an die Spitze befördert, die SPD-Gedankengut auch nach außen vertreten kann.

    In dem Krampf nach außen mithalten, statt ihre Mitglieder vertreten zu können, fördert sie immer wieder diese Schaumschläger nach ganz oben.

    Die SPD-Basis ist gefordert.

  • Nebenjob? Ich dachte die Politiker setzen sich für die deutschen Bürger mit aller Kraft ein? Da sollen sie noch Zeit für Nebenjobs haben? Jetzt begreife ich, warum ich immer mehr abgezockt werde, von den Politikern!

  • @Wahrheitwasistdas,


    sie meinen wahrscheinlich die Einkommensteuer, denn daß jeder Einwohner Deutschlands Steuern bezahlt, dürfte hinreichend bekannt sein. Meine Antwort zur Einkommensteuer: Ich bin fast 70Jahre alt und habe in meinem Leben so viel Einkommensteuer bezahlt, daß sie sich mit Sicherheit tummeln müssen, um diesen Betrag zu übertreffen. Allerdings hatte ich während meines Arbeitslebens keine Zeit, um an einem Werktag um die Mittagszeit, Leserbriefe zu verfassen!

  • Zahlen sie Steuern?

  • Nachdem ich mir die meisten Spießbürger-Ergüsse hier angetan habe, kann ich nur sagen, daß die Äußerung von Herrn Steinbrück: "Kritik an bezahlten Vorträgen ist dämlich", stark untertrieben ist!

  • Jaja, Fragen zum journalistischen Zeitvertreib sind genug gestellt....
    "wie übrigens Herr Wulff ja auch immer behauptet)." ist das entscjeidende Stichwort.

    Es handelt sich um eine Medienkampagne, seit Wochen spielen sich die Journalien den Ball zu, zunächst ohne Erfolg, aber jetzt verfängt das Thema zu nehmend.
    Interessiert zwar nicht wirklich den produktiven Bürger (ausgenommen Rentner und Foristen natürlich), aber der geile Wixer-Journalismus dieser Medienrepublik hat es wieder einmal geschafft, aus einem ziemlich normalen Vorgang eine Medienaffäre zu machen...... füllt die Seiten und sichert die eigene Beschäftigung.

  • Wo denken Sie hin? So einfach ist das nicht: an allererster Stelle muss PS aufpassen, dass das, was er veröffentlichen wird, auch tatsächlich alles in seiner Steuererklärung angegeben wurde (das Finanzamt wird da sicher einen Abgleich vornehmen). Und dann muss natürlich das Ganze so aufbereitet werden, dass es möglichst harmlos aussieht - deshalb auch nur die Angabe des "durchschnittlichen Honorars". So kann man besonders hohe Honorarsummen von "zweifelhaften" Auftraggebern mit kostenfrei gehaltenen Vorträgen (solche wird es sicherlich auch geben) verrechnen.
    Merke: wenn man den Durchschnitt aus Steinbrücks und meinem Einkommen nimmt, sind wir beide Einkommensmillionäre. Einzeln betrachtet trifft die Aussage dann leider nicht mehr zu...

  • Zitat: "Im Vordergrund steht hier ein ethisch-moralischer Zielkonflikt."

    Nein; im Vordergrund steht der Erfolg bei der Bundestagswahl 2013. Und wenn eine Partei eine reale oder vermeintliche Schwäche beim politischen Gegner vermutet, wird versucht, diese echte oder scheinbare Schwäche für die eigenen Zwecke zu nutzen.

    Für Steinbrück bedeutet ein Sieg oder eine Niederlage bei der BTW 2012 den Unterschied zwischen Kanzler und Vizekanzler (Außenminister).
    Für Merkel bedeutet die Wahl entweder Verlängerung ihrer Kanzlerschaft oder Abstieg in die politischen Niederungen.

  • Ach ja, noch etwas. Warum dauert es nun einige Wochen bis Herr Steinbrück seine Vortrags-, Interview-, Talkshow- und was weiss noch für Honorare "teilweise" offenlegt.

    Bei 70 bis 80 Vorgängen kann ich ihm das in einer Woche so aufbereiten das es präsentabel ist - wo ist das Problem?
    Erstmal etwas darauf bauen das die dämlichen Wähler von anderen Skandalen der lieben Kollegen abgelenkt werden und in einigen Wochen kein Hahn mehr danach kräht?

    Es ist definitiv keine Wahlkampfattacke der politischen Gegner wie Frau Kühnast nun fleissig propagiert - es ist einfach dreist und frech sich bei dieser Vorgeschichte als Kanzlerkandidat aufstellen zu lassen.

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