Pegida bei Günther Jauch
„Eine Frau aus dem Volk“

Sonst spricht sie nicht mit der „Lügenpresse“, bei Jauch bricht sie ihr Schweigen: „Pegida“-Sprecherin Kathrin Oertel stellte sich erstmals der Debatte. Sie machte dabei Punkte, herausgefordert wurde sie kaum.
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DüsseldorfKommt sie oder kommt sie nicht? Kurz vor der Sonntagsabend-Talkshow „Günther Jauch“ war klar: Die „Pegida“-Sprecherin Kathrin Oertel kneift nicht. Sie sitzt im Berliner Gasometer. Dicker Lidschatten, blonde Haare, versteinerte Miene: Bei der Vorstellungsrunde der Sonntag-Show „Günter Jauch“ fällt Oertel sofort ins Auge.

Es ist eine Premiere. Erstmals seit Beginn der Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Pegida, nimmt eine Vertreterin der Gruppe an einer politischen Talkrunde teil – live im deutschen Fernsehen. Und das, nachdem Pegida den Sonntagnachmittag über die Nachrichten dominiert hatte: Stunden zuvor mussten die Organisatoren die geplante Demo für Montag wegen konkreter Anschlags-Warnungen absagen. Die Polizei verbot aus Sicherheitsgründen sämtliche öffentlichen Kundgebungen in Dresden – ein schwerer Eingriff in die Versammlungsfreiheit.

Oertel bezeichnet sich bei Jauch selbst als „ganz normale Frau aus dem Volk“. Sie gehe auf die Straße um „darauf aufmerksam zu machen, was die Politik versäumt hat“. Sie habe sich aber nie einer Partei nahe gefühlt. Die Pegida-Frontfrau spricht mit Bedacht. Zu Beginn verheddert sie sich dennoch in ein kurzes Wortgefecht mit Jauch.

Wer demonstriert für Pegida, will der Moderator wissen. „Menschen wie Sie und ich“, antwortet Oertel mit sächsischem Akzent. Jauch widerspricht: „Wie Sie vielleicht, nicht wie ich!“ Oertel stockt. Ein Fehlstart? Im Gegenteil: Sie bleibt hartnäckig und legt gleich wieder los: Die aktuelle Bedrohung durch Anschläge und die Absage der montäglichen Demonstration mache ihr Angst.

Die Studiogäste Wolfgang Thierse (SPD) und Jens Spahn (CDU) sind sich einig: Für die Zukunft müsse eine Demo wieder möglich sein. Demonstrationen seien schließlich ein Grundrecht. Der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, wittert seine Chance und wettert: „Das ist der Beginn der Islamisierung, wenn Demonstrationen in Deutschland verboten werden müssen.“  

Kommentare zu " Pegida bei Günther Jauch: „Eine Frau aus dem Volk“"

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  • @ Kopf Schüttler „Bei Ihrem Verständnisproblem kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen.“

    „Die Polizei“ kann nur örtlich tätig werden, landesweit der Innenminister eines Bundeslandes.

    Eine Gegendemonstration zu verbieten, obwohl die Demonstration, gegen die demonstriert werden soll gar nicht stattfindet, ist einigermaßen sinnfrei, finden Sie nicht. Aber es soll „Gegendemonstranten“ geben, die dennoch „demonstrieren“ möchten, denn irgendetwas gibt es immer zu zerstören.

    „„Es sind ALLE Versammlungen unter freiem Himmel verboten worden“ aus seinem Kontext heraus zitiert. Dieser Satz bezog sich eindeutig auf den "Abendspaziergang" der Pegida, der in - in - ja, in Dresden stattfindet (wenn er denn stattfindet).“

    „Wie viele es tatsächlich gegeben hätte oder wieviele geplant waren, ist vollkommen unerheblich - verboten von der Polizei waren sie alle. Sie sehen also, ich war sehr präzise.“

    Unter „präzise“ verstehe ich etwas anders.

    „(Benutze den Geist wie einen Fallschirm - weit geöffnet).“
    Hoffentlich werden Sie bei der Landung ausreichend gebremst.

    „Bei Ihrem Verständnisproblem kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen.“

    Es wäre mir nicht im Traum eingefallen Sie um Hilfe zu bitten.

    Nebenbei, Ihnen ist nicht zufällig aufgefallen, daß ich Sie wegen Ihrer „Genauigkeiten“, Korinthenkackerei, seit geraumer Zeit auf den Arm nehme?


  • @ Jens Muche

    Sie sind einfach nicht ausreichend informiert. Zitat aus der von der Polizeidirektion Dresden erlassenen Allgemein- verfügung vom 18.01.2015, gefunden auf der offiziellen Seite der Pegida auf Facebook (ja, ja, ich weiß, Sie haben mit Facebook nichts am Hut, hätten Sie aber auch woanders finden können bei etwas gutem Willen):

    "Vor dem Hintergrund (einer konkreten Gefahr, meine Hinzufügung zum besseren Verständnis) hat die Polizeidirektion Dresden heute eine Allgemeinverfügung erlassen. Sie untersagt in der Zeit vom 19.01.2015, 00:00 bis 24:00 Uhr, alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge innerhalb der Ortsgrenzen der Landeshauptstadt Dresden."
    Damit sind nach meinem Verständnis ALLE, sei es nun die von Pegida oder evtl. Gegendemonstrationen oder evtl. auch ganz andere Versammlungen, gemeint.

    J. Muche: "Der Sinn des Zitates hat sich dadurch nicht geändert, Sie waren bei Ihrer Aussage „alle Versammlungen“ lediglich unpräzise, denn es gab nur eine die verboten, bzw. abgesagt wurde."
    Wie viele es tatsächlich gegeben hätte oder wieviele geplant waren, ist vollkommen unerheblich - verboten von der Polizei waren sie alle.
    Sie sehen also, ich war sehr präzise. Ich lese meine Texte sehr genau, bevor ich sie absende - und recherchiere auch vorher sehr genau, ohne nur die Dinge wahrnehmen zu wollen, die mich in meiner Meinung bestärken und alles andere auszublenden (Benutze den Geist wie einen Fallschirm - weit geöffnet).
    Bei Ihrem Verständnisproblem kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen.

  • @ Kopf Schüttler
    „„Es sind ALLE Versammlungen unter freiem Himmel verboten worden“ aus seinem Kontext heraus zitiert. Dieser Satz bezog sich eindeutig auf den "Abendspaziergang" der Pegida, der in - in - ja, in Dresden stattfindet (wenn er denn stattfindet).“

    Das wäre dann eine Versammlung unter freiem Himmel gewesen und nicht alle, wenn es nur eine gibt. Sie merken gar nicht, daß Sie ständig gegen die von Ihnen aufgestellten „Regeln“ verstoßen, deren Einhaltung Sie von anderen fordern, damit keine „Mißverständnisse“ entstehen. Korinthenkackerei eben.

    Der Sinn des Zitates hat sich dadurch nicht geändert, Sie waren bei Ihrer Aussage „alle Versammlungen“ lediglich unpräzise, denn es gab nur eine die verboten, bzw. abgesagt wurde.
    Einen Schnellkurs in Demagogie habe ich nie besucht, allerdings habe ich gelernt Leuten wie Ihnen genau zuzuhören oder deren Texte genau zu lesen, denn Sie versuchen nun zu unterstellen, ich hätte in Ihre Aussagen etwas hineininterpretiert, was dort nicht steht. Lesen Sie Ihre Texte nie, bevor Sie sie abschicken?

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