Pegida-Demonstration in Dresden
„Wir sind alle rechts, na und?“

Dieses Mal sind es 15.000: Bei der Pegida-Demonstration in Dresden gehen sie „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Doch für viele geht es nicht nur um Ausländer und den Islam. Ein Besuch.
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DresdenHinter den Glühweinbuden leuchtet das Blaulicht der Polizeiautos. Die Touristen, die ihre Tüten voller Weihnachtseinkäufe durch die Dresdner Altstadt tragen, schauen sich neugierig nach den gepanzerten Polizisten um. In Richtung Semperoper nimmt die Beamtendichte zu. Folgt man der Spur, drehen sich die Gespräche der Passanten immer seltener um Geschenke und Glühwein, immer mehr geht es um Pegida, um die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Schon seit Wochen gehen in vielen deutschen Städten Menschen auf die Straße. Am gestrigen Montag hat das Bündnis zur erneuten Demonstration in Dresden aufgerufen. Dieses Mal kommen 15.000 – 5.000 mehr als noch in der vergangenen Woche.

Doch bevor die Pegida-Demonstraten losziehen, gibt es erst einmal eine Gegenveranstaltung auf dem historischen Theaterplatz vor der Semperoper. Die Demonstranten sind jung und viele schieben ihre Fahrräder neben sich her. Ein Vater trägt sein Kleinkind auf den Schultern und hält ein Schild hoch mit der Forderung: „Für ein Grundrecht auf Asyl“. Der 24-jährige Student Fabian ist mit seinen Freunden gekommen, für ihn ist klar: „Wir müssen zeigen, dass wir da dagegen sind.“ Rund 6.500 Menschen versammeln sich, unter ihnen die Grünenspitze Simone Peter und Cem Özdemir, die Linken-Chefin Katja Kipping oder die Chemnitzer Band Kraftklub. Viele Menschen bewegen sich zur Musik, die über den Theaterplatz schallt. Doch es sind fast 3000 Gegendemonstranten weniger als noch vergangene Woche.

Ein Kilometer Luftlinie weiter: ein schlecht ausgeleuchteter Park, deutlich abgelegen der Altstadt. Aus der Dunkelheit strömen Menschenmassen auf den Platz vor eine kleine Bühne, die Polizei wird später 15.000 Pegida-Teilnehmer melden, ein neuer Rekord. Sie sind überwiegend männlich, es sind viele ältere Paare und Rentner. Aus ihrer Sicht „überfremdet“ ihr Heimatland, viele haben Deutschlandfahnen dabei, doch Symbole der rechtsradikalen Szene sucht man vergebens. Statt Neonnazi-Glatzen sieht man Schirmmützen, statt Reichsflaggen schwenken sie Sachsenfahnen.

Lutz Bachmann tritt auf die Bühne, ein großer Mann mit leichtem Vollbart und zur Seite gegeltem Haar. Er ist der wichtigste Wortführer der Pegida-Bewegung und gleich zu Beginn warnt er die Teilnehmer: Linksextreme seien unter ihnen und schleusten verfassungsfeindliche Plakate ein; natürlich würden die Fernsehteams dann „rein zufällig“ die Kamera draufhalten. „Achtet also auf euren Nebenmann“, fordert er auf. Anschließend bekräftigt er das Selbstbewusstsein der Teilnehmer. Das Phänomen Pegida könne nicht mehr länger ignoriert werden: „Sie werden es nicht begreifen, sie werden rätseln.“ Und dann erschallt es zum ersten Mal über den Platz: „Wir sind das Volk, wir sind das Volk“, innerhalb weniger Sekunden so laut, dass man kein Gespräch mehr führen kann.

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  • So ist es. Und wie ich noch hinzufügen muss: Der Rassismus in sozialen Brennpunkten, der von Muslimen ausgeht, richtet sich auch gegen allen christlichen Weißen, auch gegen uns europäische Immigranten.

    Verstehen sie mich nicht falsch. Das letzte, wirklich das aller Letze was ich will, ist, irgendwie das Leid der autochthonen Deutschen relativieren. Ich möchte nur ergänzen, wie groß das ganze Ausmaß dieses Rassismus ist.

    Es ist in ganz Europa das Gleiche, und sie behandeln alle Europäer gleich.

  • @ Gerhard Weiss „...all das erinnert an die Methoden des alten Systems in der DunkelDeutschenRepublik (DDR).“

    Das ist vergleichsweise harmlos gegen das, was gestern in arte 20:15 Uhr zu sehen war und noch in deren Mediathek zu sehen ist. Die Reportage heißt: „Schweig, Verräter!“ und deckt die gesetzwidrigen Machenschaften z.B. der NSA, CIA und anderer US-Regierungsstellen auf und stellt die Menschen vor, die als Whistleblower diese Machenschaften öffentlich gemacht haben, nachdem sie bei ihren Vorgesetzten von ihrem Remonstrationsrecht Gebrauch gemacht hatten. Der Staat USA, besonders unter dem Friedensnobelpreisträger Obama verfolgt und zersetzt diese Menschen nach Stasimanier. Unbedingt ansehen.

  • Ja, geht auf die Straße, lasst die etablierten Parteien endlich massiv wissen, das wir mit ihrer Politik und ihrem Schmusekurs nicht mehr einverstanden sind.
    Alle die, auf die die Straße gehen, werden pauschal als Nazis bezeichnet, die Parteien instrumentalisieren sogar Kirchen und Presse um Gegendemos zu organisieren, all das erinnert an die Methoden des alten Systems in der DunkelDeutschenRepublik (DDR). Jetzt erst recht auf die Straße, solange, bis die etablierten Parteien endlich einlenken und das Volk durch Volksentscheide mehr Mitbestimmung erhält.

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