Pegida in Wuppertal: Die Straßenschlacht fällt aus

Pegida in Wuppertal
Die Straßenschlacht fällt aus

Pegida, Hooligans, Salafisten und Linksautonome: Sie alle kamen nach Wuppertal, um gegeneinander zu protestieren. Das größere Krawalle letztlich ausblieben, lag an der Polizei. Und dem Veranstaltungsort.
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WuppertalEs sollte die „größte Pegida-Kundgebung aller Zeiten in den alten Bundesländern“ werden. Doch ziemlich schnell ist an diesem Samstag klar: Das ist den Initiatoren von Pegida NRW nicht gelungen. Selbst mit eigentlich eher unliebsamer Unterstützung von den Gesinnungsgenossen von Pro NRW und Hogesa, den „Hooligans gegen Salafisten“, protestieren schließlich nur etwa 500 Teilnehmer vor dem Wuppertaler Schauspielhaus gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes. Erwartet wurden 2000.

Möglicherweise lag es an den Streitigkeiten, die zwischen Pegida und der Konkurrenz Pro NRW schwelen. In Düsseldorf hatten sich die beiden Gruppen zuletzt zerstritten und daraufhin getrennt. Pro NRW marschiert dort seitdem immer montags unter dem Banner Dügida, während der NRW-Ableger des „Originals“ unter der Führung Probachs seither jeden Mittwoch auf die Straße geht.

Zudem scheint einige der Protagonisten im Vorfeld die Anwesenheit gewaltbereiter Hooligans zu stören. Beinahe beschwörend redet Lutz Bachmann von der Bühne auf seine Anhänger ein: „Macht nicht alles kaputt, was wir in 18 Wochen aufgebaut haben.“ Vergeblich.

Dabei hätte es für Nordrhein-Westfalens Islamfeinde Grund genug gegeben, an diesem Tag dem Pegida-Aufruf zur „Generalmobilmachung“ zu folgen. Und das nicht nur, weil mit Bachmann gewissermaßen der Dresdner Urvater der Bewegung angereist war: Es war auch die erste von Pegida selbst organisierte Gegendemo überhaupt.

Zuvor hatte der Salafistenprediger Sven Lau via Facebook dazu aufgerufen, in Wuppertal gegen die „weltweite Inhaftierung von Muslimen“ zu protestieren. Es versammelte sich denn auch höchste Salafisten-Prominenz: Als Redner hatte sich kurzfristig Pierre Vogel angekündigt, der vermutlich einflussreichste Hassprediger in der deutschen Konvertitenszene.

Lau wurde bekannt als Gründer des inzwischen aufgelösten salafistischen Vereins „Einladung zum Paradies“, in dem auch Vogel Mitglied war – und als Initiator der Scharia-Polizei, die im September durch Wuppertaler Gaststätten und Spielhallen zog, um Gästen von Alkohol und Glücksspiel abzuraten. Beide, Lau und Vogel, werden vom Verfassungsschutz beobachtet.

Hardcore-Islamisten auf der einen, Pegida, Nazis und Hooligans auf der anderen Seite, dazwischen noch eine kleine Gegen-Gegendemo von Bürgertum und Linksautonomen, verteilt auf gerade einmal zwei Quadratkilometern. Eigentlich eine explosive Mischung.

Aber die Umstände waren an diesem Samstag glücklicherweise widrig. Nicht nur, dass der Wuppertaler Hauptbahnhof derzeit umgebaut wird und deshalb ohnehin schon für tägliches Verkehrschaos in der Innenstadt sorgt: Weil die Bahn an diesem Wochenende schon länger geplante Arbeiten durchführte, war die Zugstrecke in Richtung Düsseldorf teilweise gesperrt.

Auch, wer die verquere Anreise zur Pegida-Demo dann trotzdem geschafft hatte, wurde nach nicht einmal einer halben Stunde wieder enttäuscht: Als vermummte Hooligans Feuerwerkskörper auf Polizisten werfen, wird die Veranstaltung samt Marsch kurzerhand abgesagt. Eigentlich hatten die Veranstalter um den ehemaligen Rocker Marco Carta Probach einen traditioneller „Pegida-Spaziergang“ geplant, der die Islamkritiker zumindest in Hörweite an den Salafisten vorbeigeführt hätte.

Die wiederum blieben zwar friedlich – konnten aber aufgrund vehementer Gegenproteste besonders von Linksautonomen und Muslimen nicht wirklich demonstrieren: Mit ohrenbetäubendem Trillerpfeifen und lauten „Kobane!“-Rufen von über 50 Gegendemonstranten wurden die Kundgebungen der Hassprediger stellenweise übertönt.

In der syrischen Stadt Kobane gelang es Milizen der kurdischen Arbeiterpartei YPK, dem syrischen Ableger der PKK zuletzt, die Terrororganisation Islamischer Staat zurückzuschlagen. Vogel und Lau stehen im Verdacht, den IS finanziell zu unterstützen. Auch an diesem Tag sammelten sie wieder Spenden, offiziell für weltweit inhaftierte Muslime.

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