Pegida
Neuer Auftrieb für den Fremdenhass

Die Einrichtung eines Zeltlagers in Dresden hat der islamkritischen Bewegung Pegida neuen Auftrieb verliehen. Seitdem finden täglich rassistische Übergriffe statt. In Freital sprengten Rechtsradikale sogar ein Auto.
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DresdenUm die asylkritische Pegida-Bewegung in Dresden war es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Nach der Teilnahme an der Oberbürgermeisterwahl, bei der Kandidatin Tatjana Festerling 9,6 Prozent holte und zum zweiten Wahlgang nicht mehr antrat, verstrickten sich die selbsternannten „Retter des Abendlandes“ im orientierungslosen Klein-Klein. Mal verkündeten sie, sie würden nun den „rot-rot-grün-versifften Stadtrat“ per Volksentscheid aus dem Rathaus jagen, dann wieder wollten sie ein Feuerwerk an Bürgerbegehren auf den Weg bringen. Passiert davon ist nichts. Zuletzt sammelte Pegida Unterschriften, um den Freistaat Sachsen zu zwingen, den Rundfunkstaatsvertrag aufzukündigen.

Seit Ende Juni spazieren die asylkritischen Patrioten nur noch alle zwei Wochen durch die Dresdner City. An den anderen Montagen soll in Leipzig und Chemnitz auf die Straße gegangen werden, wo die Organisatoren auch auf Unterschriften gegen die verhassten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten hoffen. 2.000 Menschen nahmen vor zwei Wochen an der Demo in Dresden Teil, dem ersten Montag der Sommerferien.

Gestern spazierten dann aber wieder mehr als 3.000 Pegida-Anhänger durch die Stadt - so viele wie seit dem Wahlkampf nicht mehr. Der Bau eines Zeltlagers für Asylbewerber hat der Bewegung offenbar neuen Auftrieb gegeben. Seit am Donnerstag auch in Dresden ein Camp für bis zu 1.100 Flüchtlinge errichtet wurde, ist die Stadt im Ausnahmezustand.

Täglich finden seitdem rassistische Übergriffe statt – auf Einsatzkräfte, Helfer, Gegendemonstranten, auf noch unbewohnte Asyl-Einrichtungen. Es gab sogar einen Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Linken-Politikers in der Nachbarstadt Freital.

Lutz Bachmann, der schillernde Pegida-Chef, äußerte sich bislang nicht öffentlich zu der seit fünf Tagen anhaltende Gewalt. Wie gewohnt schimpft er auf die „Lügenpresse“, die wohl nicht wisse, wie sie „die Sommerpause füllen“ soll. Er betont: „Der Plan der Lügenpresse geht nicht auf.“ Pegida sei eine friedliche Bewegung. Mehrfach ruft er dazu auf, nicht vor die Zeltstadt – Bachmann spricht gern von „Campingplatz“ – zu ziehen.

Bachmann selbst jedoch war schon am Freitagmorgen dort. Als bekannt wurde, dass die NPD am Abend vor dem Areal zu einer Demo aufgerufen hatte, warnte er seine Anhänger via Facebook noch davor mitzumarschieren. Die Medien würden sich dabei nur auf Pegida konzentrieren.

Fast gleichzeitig machte sich Bachmann aber auch über die neue Flüchtlingsunterkunft lustig: „Kleine Wette am Rande?.. schon heute Nacht wird es die ersten Einsätze für Polizei und Rettungsdienst geben, da die armen, traumatisierten Ärzte und Ingenieure ihre Ankunft im gelobten Land des nimmer endenden Geldflusses begießen müssen... Dann wird es nicht lange dauern bis die Chirurgen sich gegenseitig operieren oder schlachten oder schächten, je nach Religion“, schrieb der 42-Jährige und postete einen Artikel über eine Auseinandersetzung unter Flüchtlingen in einer Unterkunft in Österreich: „Wie lange dauert es wohl, bis es in der Bremer Straße 25 so abgeht?“, fragte er und machte sich darüber lustig, dass wieder ein „Einzelfällchen“ passiert sei.

Wie lange dauert es wohl, bis es auf der Bremer Straße 25 so abgeht?(Kleine Wette am Rande?.. schon heute Nacht wird...

Posted by Lutz Bachmann on Friday, July 24, 2015

Doch Einzelfälle sind vor allem die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Einsatzkräfte und Asylbefürworter nicht mehr. Im Raum Dresden, der Pegida-Hochburg, häufen sie sich massiv. In Freital hat ein ausländerfeindlicher Mob erst im Juni nächtelang unwidersprochen vor einer Unterkunft protestiert, es kam zu gewalttätigen Angriffen auf Asylbefürworter. In Meißen ging später eine geplante Asylbewerberunterkunft in Flammen auf. Aus diesen Städten stammen - neben Dresden - die meisten Pegida-Organisatoren.

Und jetzt auch noch Dresden selbst: Schon am Donnerstagabend wurden ehrenamtliche Helfer von Rotem Kreuz (DRK) und Technischem Hilfswerk (THW) angegriffen, die gerade dabei waren, den Platz auf einer seit Jahren verwahrlosten Industriebrache für die mehr als 30 Zelte freizuräumen. Zwei Dutzend junge Männer spazierten nachts über die Fläche, belästigten Helfer, mussten schließlich von der Polizei vertrieben werden.

Ein unbekannter Autofahrer sei auf einen Ehrenamtlichen zugerast und habe erst im letzten Moment das Steuer herumgerissen, berichtete der Chef des DRK-Landesverbandes Sachsen Rüdiger Unger sichtbar entsetzt. Die Helfer seien in vielen Krisengebieten der Welt im Einsatz gewesen, jedoch noch nie angegriffen worden. Eine neue Erfahrung.

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Neuer Auftrieb für den Fremdenhass

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Angriffe auf Asylbefürworter und Polizei

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  • Goggle: "Love Sport- Hate Germany" Berichten Sie doch mal darüber!

  • Ich denke es ist korrekt zu sagen, daß wir die Zuwanderer nicht brauchen.
    Das unsere Bevölkerung schrumpft ist Fakt und auch gut für das kleine Stück Lebensraum Erde für den wir verantwortlich sind. Deutschland ist nämlich eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde.

    Des weiteren werden diese Zuwanderer auch nicht als Arbeitskräfte benötigt. Bedingt durch Autmatisierung, Digitalsierung und 3D-Drucker werden in wenigen Jahren viele Arbeitgsplätze verloren gehen.
    Das autonome Auto steht bereits vor der Tür und wird im Transportgewerbe viele Kfz-Fahrer arbeitslos machen. Daimler-Benz fährt schon länger einen autonomen LKW in der Wüste von Nevada, USA, mit sehr guten Ergebnissen. Der LKW macht es besser als der Mensch. Der 3D-Ddrucker ist heute schon in der Lage viele Gegenstände zu drucken die im Alttagsleben Eingang finden werden. Airbus testet bereits im Flugbetrieb Verbindungen aus dem 3D-Drucker im Bereich der Treibstoffleitungen. Ein US-Professor entwickelt lt Medienbrichten ein 3D-Drucker, der ein Haus drucken soll.
    Ein US-Studie besagt, daß durch diese Entwicklungen in den USA 46 v.H. und in Deutschland 59 v.H. Arbeitsplätzen verloren gehen,das mach bei ca 30 Mio sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisen etwa 18 Mio zusätzliche Arbeitslose plus 7,2 Mio heutige Arbeitslose und 22 Mio Rentner, Die nierländische Bank INGDiba kommt in einer gleichartigen Studie zu einem Arbeitplatzverlust von 50 v. H. Die SPD Chefideolgin Andrea Nahles geht immerhin von einmen Arbeitsplatzverlust von eine Achtel aus.
    1927 hatten wir 2 Mrd. Menschen auf der Erde, 2027 werden es ca. 8 Mrd sein. Wie soll der Lebensraum Erde damit fertig werden? Kann Deutschland bei dieser Völkerwanderung jährlich ein bis zwei Mio Menschen aufnehmen?
    Haben Sie aber keine Angst, die Natur wird diese Sache mit ihren eisernen Gesetz schon sehr grausam zur gegeben Zeit regelln.
    Ich sage: "Zuwanderer go home, make your county fit, plaese"

  • Weder das gesprengte Auto noch der Brand von Tröglitz ist geklärt, trotzdem wird auch heute wieder von den Lügenmedien, weil es gerade in den Kram paßt, alles einfach in einen Topf geschüttet und mit Pegida umgerührt. Das ist unkorrekt!

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