Personaldebatte
Rätselraten um Seehofers Nachfolger

Kaum ist Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident gewählt, beginnt eine intensive Personaldebatte. Denn der CSU-Chef muss nicht nur ein neues Kabinett in München bestimmen, sondern auch seinen Nachfolger im Bundeskabinett benennen. Bei letzterem steht wohl nur eines fest: dass es eine kleine, möglicherweise eine sehr kleine Lösung geben wird.

BERLIN. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel am Sonntagabend hüllt sich Seehofer in Schweigen. Denn er möchte unbedingt am Donnerstag ein komplettes Personalpaket der CSU für alle relevanten Posten präsentieren.

Fest steht wohl in Bezug auf das Bundeskabinett bisher nur, dass es eine kleine, möglicherweise eine sehr kleine Lösung geben wird. Die kleinste Variante wäre, dass die CSU nur einen Nachfolger für Seehofer als Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister stellt. Dafür zeichnen sich zwei Kandidaten ab. Gerd Müller, der bisherige Staatssekretär im Ministerium, könnte aufrücken. Dafür spricht seine Sachkenntnis. Dagegen allerdings, dass Müller kein Typ ist, der die neue Schlagkraft der CSU in Berlin verkörpern würde. Dies wäre bei seinem Gegenkandidaten anders. Karl-Theodor zu Guttenberg ist einer der profiliertesten unten den jüngeren CSU-Politikern in der Hauptstadt. Mit dem Außenpolitik-Experten würde Seehofer auch im Bund demonstrieren, dass es ihm mit dem Versprechen einer Verjüngung der Partei ernst ist. Immer wieder genannt wird auch der Name der Abgeordneten Ilse Aigner, gegen die allerdings spricht, dass sie wie Seehofer aus Oberbayern kommt.

Sogar die zweitkleinste Variante, nämlich ein Austausch beider CSU-Minister, gilt als unwahrscheinlich. Denn allseits wird mittlerweile damit gerechnet, dass Wirtschaftsminister Michael Glos bleiben wird. Dafür spricht auch, dass Glos nach Informationen des Handelsblattes erstmals der Unterhändlergruppe der CSU angehören wird, die am Donnerstag unter anderem mit Fraktionschef Volker Kauder über eine Lösung im Streit um die Erbschaftsteuer verhandeln wird. Die CSU-Spitze will das als Signal verstanden wissen, dass sie zu ihrem Wirtschaftsminister steht - und ihm auch in der Öffentlichkeit wichtige Aufgaben zuweist.

Ein Postenwechsel, der auch von der CDU besetzte Ministerien in Berlin einbezieht, gilt ohnehin als weitgehend ausgeschlossen. "Nach meiner Einschätzung wird sich die Umbesetzung ausschließlich auf die Nachfolge im Bundesministerium für Landwirtschaft beschränken", sagte deshalb auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla.

Nur Seehofer selbst hält sich bedeckt. "Ich wäre ein ganzes Stück freier und beruhigter, wenn ich selbst schon wüsste, wie die eine oder andere Stelle besetzt werden sollte", kokettierte der neue CSU-Chef in Zeitungsinterviews. Er habe die vergangenen Wochen keine Zeit gehabt, "weil ich praktisch rund um die Uhr Koalitionsverhandlungen geführt habe und darüber hinaus auch noch mein Amt als Bundesminister zu erfüllen hatte. Insofern blieb mir noch überhaupt keine Zeit, über Personal-Tableaus nachzudenken."

So ganz stimmt das natürlich nicht. Bei den Fraktionssitzungen und im Landtag, bei den Koalitionsgesprächen und in der Parteizentrale hatte Seehofer genug Gelegenheit, sich mit dem Personal, das für die Posten in Berlin und München zur Verfügung steht, vertraut zu machen (siehe "Die Köpfe der CSU").

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