Personalquerelen
Unruhe auf dem Piratenschiff

Durch den Rückzug der Geschäftsführerin sind die Piraten plötzlich wieder in aller Munde. Doch die Partei hat nicht nur personelle Sorgen: Sie muss Antworten auf politische Fragen finden – und zwar schneller als gedacht.
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DüsseldorfNoch vor wenigen Tagen war die Frage durchaus berechtigt: Was machen eigentlich die Piraten? Nach dem Überraschungserfolg bei der Berliner Senatwahl, zweistelligen Umfragewerten und dem von lautem Mediengetöse begleiteten Bundesparteitag war es in den letzten Wochen verdächtig ruhig geworden um die politischen Shootingstars.

Schlagzeilen machten die Piraten am ehesten noch mit Dingen, die sie gerade nicht machten – etwa als sie den weltweiten Protest gegen die amerikanische Urheberrechtsreform, den „Stop Online Piracy Act“, um ein Haar verschliefen. Während die englischsprachige Wikipedia-Seite schwarz blieb und Google mit schwarzem Balken erschien, blieb ausgerechnet die Webseite der Internet-Partei viel zu lange erreichbar – aus technischen Gründen, wie Parteichef Sebastian Nerz zerknirscht zugeben musste.

Ansonsten mühten sich die Piraten mit dem politischen Alltagsgeschäft ab. Und sie mussten erkennen dass so profane Themen wie Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit ernten, als Parteiversammlungen mit Seeräuberhüten und Twitter-Wänden.

Doch mit der Ruhe auf dem Piratenschiff ist es seit Mittwoch vorbei: Zunächst wurde bekannt, dass der stellvertretende Bundesvorsitzende Bernd Schlömer dem Vorsitzenden Sebastian Nerz das Amt streitig macht. Auf dem kommenden Bundesparteitag im April will er gegen seinen Vorstandskollegen kandidieren. Laut Nerz soll das zwar ausdrücklich keine Kampfkandidatur sein, doch darüber entscheidet er selbst wohl am wenigsten.

Am Abend dann kam die Nachricht, dass die politische Geschäftsführerin Marina Weisband nicht erneut kandidieren wird. Vor allem letztere Meldung  schlug ein wie eine Bombe. Wortgewand und charismatisch hatte sich Weisband in den vergangenen Monaten zum Liebling der Medien entwickelt. Der Boulevard taufte sie die „schöne Piratin“, in Talkshows war sie der Dauergast - und nicht der stets etwas zu blass und bieder wirkende Vorsitzende. Die Psychologie-Studentin aus Münster galt als heimlicher Star einer Partei, die offiziell nichts vom Personenkult hält. Ihr Rückzug aus gesundheitlichen Gründen wurde von vielen Kommentatoren als schwerer Rückschlag für die Piraten gewertet.

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Unverhoffte Chance auf neue Mandate

Kommentare zu " Personalquerelen: Unruhe auf dem Piratenschiff"

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  • Die Piraten sind Parasiten und erledigen sich ganz von selbst. Was soll der unsinnige Hiweis auf die jüdische Herkunft einer einzelnen Protagonistin? Kommt wahrscheinlich von einem Anhänger der "jüdisch-bolschwistischen Weltverschwörung". Man sollte die Kirche im Dorf lassen, die Piraten verschwinden wie die Republikaner im Orkus - gut so!

  • Die Piraten sind ein Flatus und bald "vom Winde verweht." Und die jetzigen Politschmarotzer in Berlin sind mir allemal lieber, als Weltverbesserer und Blutsauger wie Lenin, Honecker, Ulbricht, Hitler, Goebbels, Mao,, der A. aus Teheran und vice versa. Solange unsere "Schmarotzer" sich in Berlin und den Länderparlamenten gegenseitig beharken kann ich ruhig schlafen.
    Also haben Friedrich der Große und Bismarck ihren Dreispitz und Pickelhaube dem deutschen Untertan doch nicht so tief hinten rein geschoben, wie ich früher immer dachte.

  • Lachen? Unsere Politiker wollen doch das unsere Jugend mit 16 (Wahlalter) schon unser Schicksal bestimmen soll. Nur vor Gericht sind die jugendliche bis 21 dann noch Kinder und werden nach dem Jugendstrafrecht abgeurteilt.

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