Personen des Jahres 2012 Der Steuerzahler – der tragische Held

Der deutsche Steuerzahler ist der wahre Held des Jahres 2012. Er ist keineswegs ein Wutbürger, er ist notgedrungen die Stütze unseres Staates. Er leidet, fast ohne zu klagen - und zahlt dem Fiskus so viel wie nie zuvor.
46 Kommentare
Der Steuerbürger schultert gewaltige Lasten - und wird dennoch nicht zum Wutbürger. Quelle: Getty Images

Der Steuerbürger schultert gewaltige Lasten - und wird dennoch nicht zum Wutbürger.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfAnfang Januar wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verkünden, Deutschland habe einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Doch der Dank dafür gebührt nicht dem Finanzminister, sondern seinem Gegenüber: dem deutschen Steuerzahler. Es ist seine Hand, die gibt. Es ist sein Fleiß, der ihn dazu in die Lage versetzt.

Der deutsche Steuerzahler ist von allen Helden unseres Landes der stillste. Er flucht nur ganz leise vor sich hin, um dann sein Portemonnaie weit zu öffnen. Im ablaufenden Jahr überwies er rund 600 Milliarden Euro an den Fiskus - so viel Geld wie noch nie zuvor.

Damit ist das deutsche Steueraufkommen größer als die gesamte Wirtschaftsleistung des Ölförderlands Saudi-Arabien oder fast zehnmal so groß wie die Gewinne aller Dax-30-Konzerne zusammen.

Pro Kopf zahlt jeder Deutsche im Schnitt fast 7 500 Euro pro Jahr beziehungsweise 20 Euro pro Tag an das Finanzamt, egal ob Baby oder Greis, Manager oder Arbeitsloser. Eigentlich müsste der Steuerzahlerbund nicht einen, sondern 365 Tage zum "Tag des Steuerzahlers" erklären.

Schon die Demut der Interessenvertretung zeigt, dass wir es beim Steuerzahler mit einem Geber-Wesen zu tun haben. Dieses Wesen ist geduldig wie ein Schaf, fleißig wie eine Biene und mit der ausdauernden Zähigkeit einer Galapagos-Schildkröte ausgestattet. Niemand kann es am Geben hindern. Wer versucht hat, es aufzuwiegeln, wie Friedrich Merz und Paul Kirchhof, findet Gehör, aber keine Unterstützung.

Die Bundesregierung hat in einem Lebend-Experiment den deutschen Steuerzahler auf seine Leidensfähigkeit hin getestet. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Er ist in seiner stoischen Geberbereitschaft durch keine noch so dreiste Steuerneukreation zu erschüttern. Er zahlt die Alkopopsteuer genauso selbstredend wie die Zweitwohnungsteuer, er akzeptiert die Flugticketsteuer und bald auch noch eine Finanztransaktionssteuer. Die SPD in der ihr eigenen Keckheit will das Experiment im Wahlkampf auf die Spitze treiben und ruft zur Erhöhung von Erbschaft- und Einkommensteuer und zur Wiedereinführung der Vermögensteuer auf.

Die Zeiten von Schwelbrand, Dynamit und Blut sind vorbei
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Personen des Jahres 2012 - Der Steuerzahler – der tragische Held

46 Kommentare zu "Personen des Jahres 2012: Der Steuerzahler – der tragische Held"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein typischer Suggestivjournalismus der mit Halbwarheiten die Masse verblödet. Ich hätte diesen Beitrag als Einleitung noch akzeptiert wenn der Ausklang darauf hingewiesen hätte, wesshalb die Politik zur kreativen Geldschöpfung genötigt ist. Es ist eben nicht allein die überbordenden Sozialleistungen, sondern auch die Zwänge der Kapitalbedienung die unserem Staat von diversesten Interessengruppen in mühsamer Kleinarbeit aufgelastet wurden.

  • Dann noch die staatliche Wirtschaftspolitik mit ihren grandiosen Leistungen gehört doch längst in die Mottenkiste der Historie. Den Sozialstaat sollten die Bürger in eigener Regie verantworten, und dieses Auffanglager der Verwundeten des gnadenlosen Verdrängungswettbewerbs des Kapitalismus ist ein Skandal in einer freiheitlichen Ordnung: Es lockt solche Paradiesvögel auf den Plan, die den Leuten den Mund wässrig machen auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, finanziert ausgerechnet mit 50% Mehrwertsteuer! Solche Erhöhungen traut sich nicht einmal der jetzige Finanzminister noch der möglicherweise zukünftige in der möglichen großen Koalition.

    Wo leben wir eigentlich?: In Absurdistan, wo der normale Menschenverstand den Kindern in der Schule und der Universität systematisch abgewöhnt wird, damit sie eben "echte Staatsdiener" bleiben.

    "Heil euch brave Karrenschieber,/Stets je länger, desto lieber!" zischte schon Nietzsche in ohnmächtiger Wut.

    Ein frohes Fest der Steuerbürger wünscht uns allen braven Menschen mit dem guten Willen

    Gerhardus Lang

  • Sehr geehrte Herren Steingart und Schrinner,

    Sie haben den Artikel sehr passend in der Weihnachtsausgabe platziert, sind doch die Eltern von Jesus auch der Steuererhebung wegen nach Bethlehem gereist, was man mit einer Volkszählung begründete, aber schon damals war die Steuererhebung das Wichtigste. Diese althergebrachte Sitte, die Obrigkeit von den Untertanen zum üppigen Unterhalt von dero Gnaden auszubeuten, hat sich einfach über die Zeiten erhalten. Noch immer betrachten wir den Staat als die Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, obwohl doch schüchtern im Grundgesetz angedeutet wird, dass nun alle Staatsgewalt vom Volke ausgehen solle, weil wir doch eine Demokratie hätten. Aber das hat sich noch nicht herumgesprochen, so dass wir es einfach nicht glauben können, dass wir plötzlich für uns selbst sorgen sollen. "Wie war es doch vordem/ mit Heinzelmännchen so bequem!" heißt es im Märchen, und solche Bequemlichkeit wollen wir einfach nicht missen. Deshalb haben wir einfach unsere Stimme, die wir doch nun erheben können sollten, immer regelmässig abgegeben, um dann stimmlos zuzusehen, wie die von uns dadurch "Gewählten" wieder die Staatsgewalt (Macht genannt) intus hatten , um das alte Spielchen fortzusetzen. Da sitzen sie nun in den Plenarsälen. um das uns abgenommene Geld nach ihrem Gutdünken zu verteilen. Und wehe, wenn einer nicht wirklich mitspielt, dann hat die Obrigkeit schon immer ein schönes Arsenal von "Willensbeschleunigern" zur Hand gehabt, fein sorgfältig ausgesponnen, wie einst die Foltermethoden der Inquisition.

    Wenn wir uns nicht bequemen, den größten Teil der heute noch vom Staat betriebenen Einrichtungen nicht selbst zu erledigen, wird das kein Ende haben. Die Bahn und die Post, die hätte man ruhig weiter dem Staat überlassen können und nur den Beamtenstatus abschaffen. Aber Schule und Universität sind längst fällig fürs "outsourcing", das Gesundheitswesen desgleichen. Dann noch die staatliche Wirtschaftspolitik mit ihren grandiosen Leistungen gehö

  • Ich rege mich nicht mehr auf... sondern handle...

    Ich gebe einfach mein Geld nicht mehr aus und muß so auch keine weiteren Steuern mehr zahlen!

    Ob das Volkwirtschaftlich gut ist... sicher nicht... aber welche Wahl des Protestes habe ich denn sonst in diesem Land?

  • Mit dem sauer verdienten Geld der Steuerzahler werden Banken gerettet, Angriffskriege geführt, 10.0000 selbsternannte Bürokraten in Europa unterhalten. Deshalb fordere ich einen Steuerboykott.

  • Kleines Bonmot am Rande,
    das Beste was passieren kann ist ein rauchender und trinkender Hartz4-Empfänger, der mit einem spritfressenden Altauto Schadstoffklasse 0 seine Rationen holt. Dessen Steuerbelastung dürfte bei etwa 70% liegen.
    Kein Scherz, ist tatsächlich so!

  • "Leider will kaum jemand verstehen das das Grundübel im verzinstem Schuldgeldsystem mit den Parlamenten als verlängertem Arm des Kapitals liegt."

    Das Problem ist nicht das Schuldgeld, und auch nicht der Zins - im Gegenteil. Antrieb und Ressourcenallokation werden dadurch z.B. gewährleistet.


    Nein: das Problem ist in der Ungleichverteilung der resultierenden Erträge gelagert.


    Ob mit Staat oder ohne,
    ob mit Geldzins oder ohne,
    ob mit Schuldgeld oder mit Gold:
    - solange nicht von staatlicher Seite ins System eingeriffen wird,
    solange werden die Entwicklungen in der Eigentumsverteilung so weitergehen wie bisher...
    ... und die Masse wird weiterhin Geld und somit Freiheit schwinden sehen.

    Erbschaftsmasse deckeln - und die resultierenden, sozialisierten Kapitalerträge über ein BGE umverteilen.
    Im Gegenzug kann jede Menge lähmende Verteilungsüberwachungsbürokratie wegfallen.

    Nicht die Leistung besteuern, sondern das Eigentum.
    Wer viele Ressourcen auf sich vereint sollte dafür besteuert werden.

    Wer viele Ressourcen auf sich vereint, müsste dies dann mit "EIGENleistung" - und nicht mit "Kapitalerträgen" in der marktwirtschaftlichen Leistungsgesellschaft rechtfertigen.

  • Die Geduld der Deutschen ist eine Leidensgeschichte geworden und wird sich fortsetzen, weil andere die Strippen ziehen, die mehr wissen, wie wenn wo gehandelt werden wird. Die Insider und Strippenzieher.

    "Fassungslos beobachten die Menschen, dass wir unser Geld zur angeblichen Rettung des Landes nach Griechenland pumpen. Dann aber erleben wir mit, dass soeben ein Hedgefonds 500 Millionen Euro davon durch die Spekulation mit griechischen Anleihen auf sein Konto geleitet hat." (aus einem Börsenbrief entnommen)

    Was soll man dazu noch sagen....


    Schäuble plant angeblich Mega-Sparpaket
    Finanzminister Wolfgang Schäuble (Quelle: dpa)

    Spätere Rente und Gesundheits-Soli? Die Bürger würden mit Milliarden belastet - aber erst nach der Bundestagswahl.
    mehr dazu auf t-online.

    Verweise noch einmal hier auf das Manager-Interview auf Phoenix mit Reitzle, dem Chef von Linde.

    FORUM MANAGER - Zu Gast: Wolfgang Reitzle
    Mediathek
    http://www.phoenix.de/content/544163

    Die Industrie in Deutschland denkt anders, als sie das offiziell glauben machen möchte. Warum tut sie das?
    Warum opponiert sie nicht massiv?

    Das ist Verrat im Verbund und Beugung an die offizielle pol. Direktive, den aber nicht nur das Volk, sondern auch sie selbst beschädigen wird.

    Welch Dilemma an Schwäche....

    Shame over them.

  • Kleines Beispiel der deutschen Steuerwirklichkeit:
    Raucher zahlen fast so viele Steuern, wie die Kapitalertragssteuer ausmacht (Tabaksteuer 15,4 Mrd, Kapitalertragssteuer 15,6 Mrd), soviel zu der Besteuerung von Vermögen! Würden in Deutschland Kapital und Arbeit gleichermassen besteuert, würde es dem Arbeitnehmer deutlich besser gehen. Ist politisch aber nicht gewollt.

  • Dummheit ist heute eine Tugend. Wer sich laut eines früheren HB Artikels einen Dacia Logan kauft gilt heute als Schlau und nicht als arm. Es werden immer wieder Statistiken veröffentlich wo es heißt das wir alle reicher geworden sind. Im mittel stimmt das sicher aber was nutzt das 80% der Bevölkerung, die die Ärmer geworden sind und dabei 20% reicher?

    Leider will kaum jemand verstehen das das Grundübel im verzinstem Schuldgeldsystem mit den Parlamenten als verlängertem Arm des Kapitals liegt.

    So rufen die meisten nach mehr Staat, mehr Steuern (Wer wird gesteuert?). Staat und Geld sind nicht voneinander zu trennen. Geld = Privatbanken und deren Hintermänner.

    Je höher die Steuern umso größer die Unfreiheit. 50% allen erwirtschaften Geldes geht durch die Hand des deutschen Staates. Und man ruft nach mehr.

    Der aufgeblähte Staat schafft Abhängigkeit da er jeden 2. Euro verteilt. Jeder der diese Euros erhält wettert nicht gegen Unrecht des Staates. Als Folge hat man mehr Staat und noch mehr Ungerechtigkeit und unfreiheit.

    Der Sozialismus ist immer gescheitert. Unverhälnissmäßige Umverteilung scheitert.

    Unser Geldsystem und unser Staat ist eine gigantische Umverteilungsmachinerie. Nicht wie viele glauben von den Arbeitnehmern zu den Hartz4-empfängern, sondern vor allem von den Arbeitnehmern zu den Reichen.

    ---> Wers nicht glaubt kann sich informieren. Warum wird die Schere zwischen arm und Reich immer größer und warum wird die Schere zwischen reich und Superreich immer größer? Sicher nicht weil wir unser Geld an die Hartz4 Empfänger verteilen. (q.e.d?)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%