Peter Gauweiler
Der ewige Rebell

Europa, Kapitalismus und Globalisierung – in vielen Fragen war Peter Gauweiler der CSU zehn Jahre voraus. Nun macht er Peter Ramsauer den Vizevorsitz streitig. Seine Chancen sind noch nicht einmal schlecht.
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BerlinDer schwarze Peter stürmt in das Restaurant des Bundestags, entschuldigt sich ausgesprochen höflich für eine kleine Verspätung und erklärt ebenso höflich, warum er wieder mitspielen möchte. Er schickt voraus, weil ja die Ironie zu Peter Gauweiler gehört wie die gute Laune zum Oktoberfest: „Ich denke, neudeutsch, man muss sich einbringen.“ Eingebracht hat er sich ja eigentlich immer, bloß tat er es oft als Außenseiter. Er ist nicht erst seit dem Rettungsschirm Euro-Rebell.

Zum Ärger seines damaligen Parteichefs Theo Waigel hielt er schon 1992 die Maastricht-Verträge für eine „ausgemachte Schnapsidee“. Er gehörte zu den Gegnern des zweiten Irakkrieges 2003 und warnte vor einer Globalisierung unter amerikanischer Vorherrschaft. Scharf kritisiert er die Bundeswehreinsätze in Afghanistan, ebenso wie den angelsächsischen Finanzkapitalismus. All das war mal Gauweilersche Exzentrik, jetzt sind solche Haltungen mehrheitsfähig, zumindest in der CSU.

An diesem Freitag auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg möchte sich Gauweiler zum stellvertretenden Parteivorsitzenden wählen lassen. Es ist eine Kampfkandidatur, sie richtet sich gegen Peter Ramsauer, den Bundesverkehrsminister im Kabinett Merkel. Und Gauweiler hat gute Chancen.

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  • Zitat:
    Er ist freilich ein Mann für eine CSU, die es nicht mehr gibt und für eine Zeit, die vorbei ist. Er ist stark, aber von gestern. Seine Stärke heute ist vor allem die Schwäche Seehofers. Schon pfeift die frühere Europa-Partei CSU die Anti-Euro-Lieder Gauweilers. Er würde, er wird die CSU zurückführen ins Europa der Vaterländer. Das wäre die Spaltung der Union.

    Das alles ist für die Bayern-SPD kein Anlass zum Jubeln: Sicher, es schmeichelt ihr, dass die einst so mächtige CSU vor ihr, also vor einer Partei Angst hat, die nicht einmal auf zwanzig Prozent kommt. Die SPD ist seit 54 Jahren in Bayern nicht mehr an der Regierung. Jedes Jahr, das man nicht regiert, zählt fünffach. Die SPD ist also gefühlt 270 Jahre alt. Und das merkt man ihr auch an.
    Zitat Ende:

    Gauweiler ist der "Richard Sulik" der CSU; Ude der "Dampfplauderer und Autokrat" der SPD.

  • Der wahre Bericht vom CSU-Parteitag

    Was die hochbezahlten Europaabgeordenten der CSU zum Thema Schuldenkrise von sich geben würden, war zu erwarten: Angelika Niebler wünschte ihren Kindern, es möge ihnen mal so gut gehen, wie es ihr heute geht. Das Thema selbst mutierte bei ihr vielsagend (obgleich versehentlich) zur „Schuldengrieche“. Albert Deß - ich hatte schon befürchtet, daß solche Leute für uns in Brüssel sitzen - referierte über die Familiengeschichte seines Bauernhofes. Weber - nicht der große Soziologe, sondern Pofallas Schildknappe - dozierte über die Dummheit im Allgemeinen und die seiner Anhänger im Besonderen. Worauf Erwin Huber sich bemüßigt fühlte, das Wort zu ergreifen: „Wir dürfen nicht im Neckartiefen verharren“ - so sein eindringlicher Appell in Nürnberg. In all das Schwarze brachte nur Peter Gauweiler etwas Licht. Womit alles gesagt ist.

  • Peter Gauweiler der CSU zehn Jahre voraus.
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    So ist es. Gauweiler ist ein Vordenker, ein weitsichtiger kluger Mann.
    Er soll in dieser verfahrenen Situation, in dieser Krise das Ruder übernehmen.
    Er kann sicher nicht zaubern, dafür ist schon zuviel kaputt, aber zumindest hat er einen klaren Verstand, sieht die Dinge wie sie sind.
    Leider waren diese leute in der Vergangenheit nicht gefragt. Möglichst naiv und beschränkt mußten sie sein, dann waren sie schnell auf der Bühne.
    Vielleicht kann er noch einiges hinbiegen. Der Rest kann es jedenfalls nicht. Ramsauer- kann man auch vergessen.
    Ich wünsche ihm jedenfalls Erfolg.
    Realisten braucht das Land und leute mit Rückgrad.
    Mitläufer und Abnicker haben wir genug.

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