Peters will weiter Chef werden
Streik-Desaster spaltet IG Metall

Nach der historischen Niederlage im ostdeutschen Tarifkonflikt ist in der IG Metall die Debatte um den künftigen ersten Vorsitzenden neu entbrannt.

HB/huh/dc/dpa BERLIN. Mehrere hochrangige Funktionäre der Gewerkschaft sagten dem Handelsblatt, die Chancen von IG-Metall-Vize Jürgen Peters, im Herbst Nachfolger Klaus Zwickels zu werden, seien deutlich unter 50 % gesunken. Peters ist ranghöchster Tarifpolitiker der IG Metall und wird für den ersten verlorenen Streik seit 1954 verantwortlich gemacht. Am Vortag hatte Zwickel das Scheitern des Arbeitskampfes eingeräumt. Der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Peter Gasse sagte, mehrere Ortsvorstände hätten Beschlüsse angekündigt, in denen Peters zum Verzicht auf das Amt aufgefordert werden soll. Die IG Metall Bochum forderte gestern Peters’ Rücktritt als Gewerkschafts-Vize.

Anfang Mai hatte die Nominierung von Peters die IG Metall vor eine Zerreißprobe gestellt. Sein Gegenkandidat, der reformorientierte Bezirksleiter in Baden-Württemberg, Berthold Huber, war damals nur knapp gescheitert. Er soll Vize werden. Ob Huber bei einem Rückzug von Peters Kandidat für den IG-Metall-Vorsitz wird, ist allerdings fraglich. Als mögliche Übergangslösung wird in der Gewerkschaft der Chef des Bezirks Küste, Frank Teichmüller, genannt.

Der bisherige IG-Metall-Vize Jürgen Peters will trotz des gescheiterten Streiks für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland im Herbst an die Spitze der weltweit größten Industriegewerkschaft aufrücken. Auf einer Krisensitzung des IG-Metall-Vorstands in Berlin wies Peters alle Forderungen nach personellen Konsequenzen zurück. Das Treffen ging in der Nacht zum Montag nach fast zehn Stunden zu Ende, ohne dass konkrete Beschlüsse gefasst wurden. Über Folgen will der Vorstand erst bei seiner nächsten Sitzung vom 8. bis 11. Juli weiter beraten.

Krisensitzung ohne Ergebnis

Der scheidende IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel gestand nach der Krisensitzung nochmals die Niederlage bei dem vierwöchigen Arbeitskampf ein. Die IG Metall sei jetzt aber erst dabei, „eine Aufarbeitung zu beginnen“. „Wir sind noch keineswegs so weit, die Schlussfolgerungen zu ziehen, die sicherlich notwendig sind“, sagte Zwickel. Dies solle erst bei der nächsten Vorstandssitzung geschehen. „Das Ziel muss sein, die IG Metall nicht zu spalten, sondern zusammen zu halten.“

Auf einer kurzen Pressekonferenz wehrte Peters alle Fragen nach seinem möglichen Verzicht auf eine Kandidatur für die Zwickel-Nachfolge ab. „Darauf brauche ich nicht zu antworten“, sagte der derzeitige Vize. „Diese ganze Auseinandersetzung auf Personalfragen zu reduzieren, ist wenig hilfreich.“ Auch der ostdeutsche Streikführer Hasso Düvel, der ebenfalls massiv in die Kritik geraten ist, bleibt als Bezirksleiter von Berlin, Brandenburg und Sachsen weiter im Amt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden Peters und Düvel von mehreren Vorstandsmitgliedern persönlich für den gescheiterten Arbeitskampf verantwortlich gemacht. „Als Zweiter Vorsitzender, der für die Tarifpolitik verantwortlich ist, und als Bezirksleiter, der das Streikkonzept vorgelegt hat, kommt ihnen besondere Verantwortung zu“, hieß es anschließend bei einigen Teilnehmern. Nach Zwickels Angaben gab es jedoch keine direkten Rücktrittsforderungen an die beiden. Peters erklärte in der Runde, in „letzter Konsequenz“ habe er sich auf dem Gewerkschaftstag zu verantworten.

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