Petry vs. Meuthen
Streit in der AfD-Bundesspitze eskaliert

Gauland: „Es ist nicht die Zeit, eine Spitzenkandidatur auszurufen“

Leicht angesäuert reagierte der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland auf Meuthens Vorstoß. „Es ist nicht die Zeit, eine Spitzenkandidatur auszurufen“, sagte Gauland der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir glauben nicht, dass heute oder morgen eine Spitzenkandidatur in der AfD notwendig oder das Ziel unseres Handels sein sollte.“ Gauland meint zudem, seine Partei könne sich auch ein „Spitzenteam“ vorstellen.

Im Parteivorstand wird Gauland schon länger als möglicher Kandidat gehandelt. Meuthen hat bislang kein Interesse an dieser Position gezeigt. Der Vorsitzende der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion steht außerdem bei seiner Fraktion im Wort. Er hatte versprochen, bis zum Ende der Legislaturperiode in Stuttgart zu bleiben.

Die Karten könnten allerdings neu gemischt werden, falls Meuthen die Fraktion demnächst aus anderen Gründen verlassen sollte. Meuthen hatte mit Austritt aus der Fraktion gedroht, sollte sich nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit finden, um den AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon wegen antisemitischer Schriften aus der Fraktion auszuschließen. Die Abstimmung steht am kommenden Dienstag an.

Gedeon, der auch den Kreisverband Konstanz führt, hatte in einem Buch im Zusammenhang mit dem Holocaust von „gewissen Schandtaten“ und einer „Zivilreligion des Westens“ geschrieben. Die Kritik an ihm weist er als „Medienkampagne“ zurück. Meuthen hatte jedoch mehrfach betont: „Wir dulden keinen Antisemitismus in unseren Reihen.“

Rückendeckung erhält Meuthen auch von den Landesvorsitzenden seiner Partei. Die Äußerungen Gedeons passten in keiner Weise zur AfD, sagt der rheinland-pfälzische Fraktionsvorsitzende Uwe Junge. Sein Landesverband und die Fraktion in Mainz tolerierten diese nicht „und stellen sich hinter Jörg Meuthen“. Der Chef der Niedersachsen-AfD, Paul Hampel, erklärt: „Jörg Meuthen verteidigt das Parteiprogramm, indem er den Ausschluss von Herrn Gedeon fordert.“ In einer turnusmäßigen Telefonkonferenz befürworteten die Landeschefs denn auch mehrheitlich einen Parteiausschluss.

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