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Pferdefleisch: „Betrugsfall nimmt immer größere Dimensionen an“

Während die Supermärkte in Deutschland immer mehr Produkte aus den Regalen nehmen, ist das ganze Ausmaß des Pferdefleisch-Skandals noch nicht absehbar. Verbraucherminister von Bund und Ländern fordern Konsequenzen.

BerlinMedienberichten vom Wochenende zufolge könnten in den vergangenen Monaten weit mehr als 100 Tonnen verdächtige Hackfleischware nach Deutschland gelangt sein. Die Verbraucherminister von Bund und Ländern beraten am Montag in Berlin über Konsequenzen aus dem Skandal.

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"Der Betrugsfall nimmt immer größere Dimensionen an. Hier wurde offenbar mit großer krimineller Energie gehandelt", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Sie sieht durch den Pferdefleisch-Skandal das Image der Lebensmittelindustrie dauerhaft schwer beschädigt. "Es wird schwer sein, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen", schrieb die Ministerin in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

Antworten zum Pferdefleisch-Skandal

  • Wie kam der Skandal ans Licht?

    Mitte Januar entdeckten irische Lebensmittelinspekteure bei Routinekontrollen zunächst Spuren von Pferdefleisch in Rindfleisch-Hamburgern. Es ging um Fertigprodukte der britischen Supermarktketten Tesco, Iceland, Aldi (UK) und Lidl (UK). Anfang Februar wurde in einer Fertigungsanlage und in einem Fleischlager in Irland weiteres Rindfleisch mit Pferdefleischspuren entdeckt. Daraufhin ordnete die britische Lebensmittelaufsicht umfangreiche Untersuchungen an. In der Folge wurden mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte auch in Frankreich und Schweden entdeckt. Mittlerweile wurden auch in Deutschland in vielen Fällen falsch deklariertes Pferdefleisch gefunden.

  • Um welche Produkte geht es?

    Es geht um Tiefkühl-Fertigkost aus Hackfleisch, die größtenteils bei Discountern verkauft wird, darunter Rindfleisch-Lasagne, Spaghetti Bolognese und fertige Hamburger-Frikadellen. In den Produkten wurden teilweise zwischen 30 und 100 Prozent Pferdefleisch gefunden.

  • Wie kam Pferdefleisch in den Produktionskreislauf?

    Laut britischen Medienberichten handelt es sich um eine kriminelle „Pferdemafia“ in Rumänien. Das Fleisch wird demnach vor Ort verarbeitet und an französische Fleischverarbeitungsfirmen exportiert, die es nach Firmenangaben ohne Wissen darüber, dass es sich eigentlich um etwas Anderes handelt, als Rindfleisch verarbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass in den Pferdefleisch-Skandal europaweit mehr Unternehmen verwickelt sind, als bislang vermutet. Darunter auch deutsche Hersteller.

  • Welche Firmen sind in welchen Ländern involviert?

    In einem Fall geht es um den Tiefkühlhersteller Findus in Großbritannien (der nichts (mehr) mit Nestlé zu tun hat, auch wenn der Konzern eine gleichnamige Tochterfirma in der Schweiz hat). Er vertreibt Fertigkost der französischen Firma Comigel, die wiederum einen Teil ihres zu verarbeitenden Fleischs aus Rumänien bezieht und damit bei der luxemburgischen Firma Tavola produzieren lässt. Zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 kamen mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Comigel gibt an, das Fleisch vom französischen Lieferanten Spanghero bezogen zu haben. Dieser weist wiederum auf einen rumänischen Zulieferer hin. Eine weitere Spur führt laut französischen Regierungsangaben vom französischen Hersteller Poujol zu einem Händler nach Zypern.

  • Sind die Produkte gefährlich?

    Die Behörden sehen keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Verzehr von Pferdefleisch. Das Fleisch kann jedoch unter Umständen Spuren von Medikamenten enthalten. Es wird auf Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Erste Test-Resultate bestätigen den Verdacht. In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste von Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden häufig therapeutisch angewendet, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport. In der Medizin ist es ein Medikament gegen Rheuma.

  • Wieso wurden Pferdefleischspuren nicht schon vorher entdeckt?

    In Großbritannien wurde Rindfleisch nach Angaben der Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA in den vergangenen zehn Jahren nicht routinemäßig auf Pferdefleischspuren getestet. Eigentlich sollen solche Fälle durch das Passsystem verhindert werden. Seit 2009 braucht jedes Pferd in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass, der unter anderem über Herkunft und Impfung des Tieres Auskunft geben soll. In Deutschland werden die Pässe auch durch Pferdezüchter- oder Reitsportverbände vergeben, was das System manipulationsfähig macht.

  • Wie haben die Firmen reagiert?

    Die Firmen haben die fraglichen Produkte sofort aus dem Handel genommen. In Deutschland waren bereits Aldi Nord, Aldi Süd, Eismann, Edeka, Kaiser´s, Kosnum Leipzig, Lidl, Metro, Real, Rewe und Tengelmann betroffen.

  • Wie reagieren die Behörden?

    Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. Bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern hat sie einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg spricht indes von einer dauerhaften Einführung von DNA-Tests für Fleisch auf EU-Ebene.

  • Wie viel Pferdefleisch ist als Rindfleisch verzehrt worden?

    Die Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wurde. „Das kann man nur sehr schwer feststellen“, sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem in Frankreich suchten die Behörden ältere Lagerbestände von Tiefkühlkost, um Proben zu entnehmen und auch die möglicherweise verwendeten Mengen von Pferdefleisch abschätzen zu können.

  • Wie ist Deutschland betroffen?

    In Deutschland sind seit Mitte Februar Fälle bekannt, in denen Händler mit Produkten beliefert wurden, die Pferde- statt Rindfleisch enthalten. Auch die britische Regierung gerät weiter unter Druck. Ein früherer Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA will schon im April 2011 geholfen haben, einen Brief des größten britischen Pferdefleisch-Exporteurs High Peak Meat Exports an den damals zuständigen Minister aufzusetzen, in dem auf unzureichende Kontrollen in der Pferdefleischverarbeitung hingewiesen wurde.

Nach einem Bericht des "Spiegel" wurden allein zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 rund 144 Tonnen Hackfleischware aus einem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland geliefert. Auf diesem Wege seien mindestens 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni nach Deutschland gelangt. In Luxemburg waren von einem französischen Tiefkühlhersteller falsch etikettierte Fertigprodukte hergestellt worden. Diese gingen an mindestens 28 Firmen in 13 europäischen Ländern.

In Deutschland hatten Edeka, Real, Rewe und Kaiser's Tengelmann sowie der Tiefkühl-Heimservice Eismann Lasagne-Produkte aus dem Handel genommen. Lidl stoppte den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten.

Lebensmittelskandal 4,5 Millionen Fertigessen enthielten Pferd

Eine französische Firma steht im Verdacht, Etiketten-Schwindel betrieben zu haben.

Spuren von Pferde-DNA wurden auch in einem in Deutschland produzierten Dosengulasch nachgewiesen. Aldi Süd nahm den Rindergulasch wie auch Ravioli Bolognese aus dem Handel. Der Gulaschhersteller Dreistern-Konserven betonte, er habe das Fleisch bereits vorzerlegt gekauft. Rewe zog am Sonntag verdächtiges Chili con Carne und Spaghetti Bolognese aus dem Verkauf. Bei einer Stichprobe des RTL-Magazins "Extra" in 20 Döner-Imbissen in Leipzig und Berlin fanden sich in einem Fall geringe Anteile Pferdefleisch.

  • 17.02.2013, 17:37 Uhrotto

    Ob Gammelfleisch, Falschetikettierung oder jetzt Klepperfleisch -

    es heisst nicht umsonst Fleisch-Mafia!

    Auch wer bei Mustafa ums Eck seinen Döner kauft, oder bei Ali im Restaurant sitzt, braucht nicht zu glauben, hier jemals etwas appetitliches auf dem Teller gehabt zu haben.

  • 17.02.2013, 18:25 UhrBankleitzahl

    Huptsache billig, selber schuld!

    Wenn ich so manchmal in die Einkaufswagen der sog. Verbraucher sehe, dann wird mir schlecht, was da so alles verkonsumiert werden soll. Die Leute können nicht mehr kochen oder sind zu faul. Die Fertiggerichte sind sündhaft teuer und wie nicht erst jetzt bewiesen, in vielen Fällen auch gefälscht. Aber der "Verbraucher" will es so: Schnell, bequem und möglichst kostenlos.

    Dass das alles nicht sein kann, darüber macht sich die überwiegende Mehrzahl keine Gedanken.

    Wer weiß schon, was in den Tüptensuppen und anderen Fertigprodukten so alles verarbeitet wurde, von Brühwürfeln ganz zu schweigen. Das kontrolliert dochüberhaupt keiner.

    Trotz dere vielen Skandale wie bei Puten, Eiern, Fisch, oder Schweinefleisch, das große Fressen geht immer weiter. Der "Verbraucher" ist ein vergesslicher, guter Kunde. Hauptsache billig!!

  • 17.02.2013, 18:35 Uhrmargrit117888

    Die Verbraucherminister von Bund und Ländern beraten am Montag in Berlin über Konsequenzen aus dem Skandal.
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    na dann ist ja alles in Ordnung.
    Wenn die nun erst einmal beraten und dann vielleicht eine Kommission bilden, danach dann noch einen Arbeitskreis, dann brauchen wir Bürger uns keine Sorgen mehr machen.
    Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bild' ich einen Arbeitskreis.
    Macht Merkel doch auch immer
    Das alles ist aber auch dieser, aus dem Ruder gelaufenen, Dreck-EU zu danken.
    Wie war das denn?
    Eine Firma in Frankreich ordert in Zypern Rindfleich, dieses wird aus Rumänien geliefert und in einem Betrieb in Luxemburg verarbeitet.
    Wieso ordert eine franz. Firma in Zypern und das Fleisch kommt aus Rumänien?
    Wie wir nun wissen, war es eben Pferdefleisch.
    Und warum transportieren wir die Lebensmittel quer durch Europa?
    Frankreich hat Kühe, wir auch, warum stellen wir nicht selbst her was wir brauchen?
    Mit Handel hat das alles nichts mehr zu tun.
    Es geht nur noch um billig billig.
    Wir reden alle vom CO2-Ausstoß, die Grünen würden am liebsten uns alle Autos verbieten, aber unsere Lebensmittel karren wir quer durch Europa und Deutschland.
    Ist wie mit den Aufbackbrötchen im Supermarkt, die werden zum größten Teil in Polen produziert.
    Es muß Schluß sein mit diesem ganzen Kram und dann haben wir wieder eine ehrliche Landwirtschaft und ordentliche Produkte.
    Und wo sind denn nun alle unsere Öko-Gruppen, die sonst immer so laut kreischen?
    Warum zwingen sie nicht die EU, endlich mit diesem Unsinn aufzuhören?
    Denn dieser ganze Unsinn wird doch von Brüssel auch noch subventioniert

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