Pfizer-Medikament
AOK will mit Industrie über Preise verhandeln

Angesichts zweistelliger Zuwachsraten bei den Arzneimittelausgaben haben die Ortskrankenkassen direkte Verhandlungen mit der Pharmaindustrie über die Preise gefordert. Im Bundesgesundheitsministerium stieß die Forderung auf Unverständnis.

BERLIN. Angesichts zweistelliger Zuwachsraten bei den Arzneimittelausgaben haben die Ortskrankenkassen direkte Verhandlungen mit der Pharmaindustrie über die Preise gefordert. „Insgesamt muss die Arzneimittelversorgung wettbewerblich revolutioniert werden,“ forderte der Chef des AOK-Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, von der Unterhändlern der Koalition, die seit Montag über die Gesundheitsreform verhandeln.

Bislang müssen die Kassen alle rezeptpflichtigen Medikamente erstatten, wenn sie vom Arzt verordnet werden. Dabei spielt keine Rolle, ob es ein billigeres Medikament mit dem gleichen Wirkstoff gibt. Dieser „Bezahlzwang“ führe dazu, dass die Kassen weit mehr für Medikamente ausgeben müssten als erforderlich, sagte Ahrens. Würde er aufgehoben, hätten die Kassen die Möglichkeit, den Medikamentenbedarf ihrer Versicherten öffentlich auszuschreiben. Den Zuschlag würde dann der Hersteller erhalten, der die Versorgung mit dem jeweiligen Wirkstoff zu den günstigsten Konditionen sicherstellen kann. Würde der Arzt ein teureres Medikament mit dem gleichen Wirkstoff verordnen, erhielte der Patient trotzdem nur das preiswerte Präparat, für dass die Kasse Sonderkonditionen ausgehandelt hat.

Im Bundesgesundheitsministerium stieß die Forderung auf Unverständnis. „Die Krankenkassen haben bereits seit 2004 die Möglichkeit, Preisverhandlungen mit der Industrie zu führen“, sagte eine Sprecherin. Dass sie davon bisher kaum Gebrauch machen, liegt allerdings auch daran, dass die verordnenden Ärzte noch nicht verpflichtet sind, solche Verträge zu beachten.

Die Industrie steht Preisverhandlungen kritisch gegenüber. So sieht der Vorsitzende des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH), Hans-Georg Hoffmann, vor allem mittelständische Firmen gefährdet, sollte es dazu kommen. Dagegen fürchten die forschenden Hersteller vor allem, dass in Zukunft viele neue teure Medikamente von den Kassen nicht mehr bezahlt werden.

So hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gestern nach den so genannten Insulinanaloga bereits dem zweiten neuartigen Medikament gegen die Zuckerkrankheit bescheinigt, dass es im Vergleich zum klassischen Insulin keinen Zusatznutzen bringt. Es handelt sich dabei um das inhalative Insulin „Exubera“ des US-Konzerns Pfizer.

Nun fürchtet die Industrie, dass der zuständige gemeinsame Bundesausschuss auch dieses Medikament aus dem Leistungskatalog der Kassen streichen wird. Dies würde bedeuten, dass es in Deutschland de facto nicht mehr vermarktet werden kann, da 90 Prozent aller potenziellen Kunden gesetzlich versichert sind.

Bereits im April hatte das britische NICE-Institut den Einsatz von inhalativen Insulinen für den staatlichen Gesundheitsdienst in England und Wales abgelehnt. Exubera war Anfang des Jahres in den USA und Europa zugelassen worden.

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