Pflege-Tagesgeld Pflege-Bahr startet vielversprechend

Seit Einführung vor einem halben Jahr wurde die staatlich geförderte private Pflege-Zusatzversicherung bereits 150.000 mal abgeschlossen. Gesundheitsminister Bahr will nun mehr Kapitaldeckung bei Gesundheit und Pflege.
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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mahnt die Krankenversicherer, sich verstärkt für freiwillig gesetzlich Versicherte zu öffnen, um sich so auch gegen den Vorwurf der „Rosinenpickerei“ zur Wehr zu setzen. Quelle: dpa

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mahnt die Krankenversicherer, sich verstärkt für freiwillig gesetzlich Versicherte zu öffnen, um sich so auch gegen den Vorwurf der „Rosinenpickerei“ zur Wehr zu setzen.

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BerlinDie staatlich geförderte private Pflege-Zusatzversicherung erfreut sich nach Angaben der Versicherungsbranche schon in den ersten Monaten einer regen Nachfrage. Eine Befragung unter den Mitgliedsunternehmen habe ergeben, dass zum Stichtag 31. Mai mehr als 125.000 Personen eine solche geförderte Absicherung nutzten, sagte der Vorsitzende des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte, am Mittwoch in Berlin bei einer Verbandstagung. Da pro Tag etwa 1000 neue Verträge hinzu kämen, dürfte die Zahl der Abschlüsse inzwischen bei rund 150.000 liegen.

Angeboten würden solche Zusatzversicherungen inzwischen von 24 Unternehmen, die zusammen einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent ausmachten. Erfreulich sei, dass sie besonders stark von jungen Leuten zwischen 25 und 35 Jahren abgeschlossen würden.

Der Bund fördert den freiwilligen „Pflege-Bahr“ seit Jahresanfang mit 60 Euro im Jahr, was Kritiker für zu gering halten. Dafür muss der Einzelne mindestens zehn Euro pro Monat einzahlen. Auch die PKV hatte sich ursprünglich mehr vorgestellt, wie PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach einräumte. Zudem sei im Koalitionsvertrag von Union und FDP ursprünglich von einer obligatorischen kapitalgedeckten Absicherung die Rede gewesen.

Kritikern an zu geringen Leistungen der neuen Angebote warf Schulte vor, allzu oft einen Golf mit einem Mercedes zu vergleichen. Natürlich bringe eine ungeförderte Vorsorge mit 55 Euro mehr als etwa eine geförderte mit 19 Euro. Gesundheitsminister Daniel Bahr sagte bei der Tagung, Ziel der Pflegereform sei es nie gewesen, die gesamte Lücke zwischen den Zahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten zu schließen, sondern sie zu reduzieren. Auch die Riester-Rente habe längere Zeit gebraucht, um sich durchzusetzen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl bekannte sich Bahr ausdrücklich zum dualen System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Zugleich plädierte der FDP-Politiker für mehr Kapitaldeckung in der Kranken- und Pflegeversicherung. Was bei der Altersvorsorge mit Riester-Rente gut sei, könne in diesem Sektor nicht falsch sein. „Deshalb setze ich mich für den Aufbau einer zusätzlichen Säule der Kapitaldeckung sowohl bei der Krankenversicherung als auch bei der Pflegeversicherung ein.“ Details nannte Bahr nicht.

Die Krankenversicherer mahnte Bahr, sich verstärkt für freiwillig gesetzlich Versicherte zu öffnen, um sich so auch gegen den Vorwurf der „Rosinenpickerei“ zur Wehr zu setzen. Sie müssten auch Lösungen für alte Menschen anbieten, die hohe Beiträge bei ihrer privaten Versicherung zahlen müssten. Diese bräuchten bezahlbare Tarife.

  • rtr
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7 Kommentare zu "Pflege-Tagesgeld: Pflege-Bahr startet vielversprechend"

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  • Der Pflege-Bahr startet wenigversprechend! Wie kann ein Kapitaldeckungssystem mehr leisten als ein Umlagesystem, wenn doch beide aus dem jeweiligen Volkseinkommen einer Volkswirtschaft finanziert werden müssen? Mit Auslandsanlagen ist das auch so eine Sache: Bis 2006 hatten Griechenlandanleihen AAA-Ratings und eigneten sich für Deckungsstöcke der versicherer. China ist auch kein Ausweg: Dort droht ebenfalls ein harter demografischer Wandel und das womöglich bevor das pro-Kopf-BIP vernünftige Größen erreicht.

    Und zuguter Letzt mal eine Frage: Wenn das Umlageverfahren angeblich so schlecht ist, warum finanziert sich unser Staat dann immerhin zur Hälfte über das Umlageverfahren namens Lohnsteuer?

  • Meiner Meinung nach gehen die Verbraucherschützer und Stiftung Warentest fahrlässig mit dem Thema Pflege-Bahr um.

    Stiftung Warentest z.B. hat mit der Auswahl nur hoher Altersgruppen ein falsches Bild der Absicherung gemalt!

    Für Menschen um die 30 ist die staatlich unterstützte Pflegeversicherung bereits fast ein Vollkaskoschutz.

    Wer z.b.im Alter von 20 Jahren eine geförderte Pflegeversicherung zu den Mindestbedingungen abschließt, kann eine monatliche Leistung von fast 2.000 EURO in der Pflegestufe 3 absichern. Das ist mehr als das Dreifache der gesetzlich definierten Mindestleistung von 600 EURO.

  • Selbst die Einheits-Mark war schon Mist und hat so unterschiedliche Völker wie Bremer und Bayern aneinander gefesselt und drangsaliert. Selbst das heruntersteigen von den Bäumen war ein Fehler.

  • Einen Gesundheitsminister, der "anthroposophische Medizin" als Ergänzung betrachtet, sehe ich kritisch. Aber Frau Steffens in NRW ist ja noch schlimmer.

  • In der Pflege-Pflichtversicherung ist jeder mit den gleichen Leistungen versichert, egal ob Gesetzlich, Beamter oder Voll-Privat versichert. Die Leistungen sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben und dürfen in der Grundabsicherung nicht verändert werden.

    Pflege ist SEHR TEUER und das Risiko in unserer Gesellschaft zum Pflegefall zu werden wird aufgrund der steigenden Lebenserwartung immer größer.

    Kein Sozialsystem kann es auf Dauer finanzieren, für ALLE PERSONEN SÄMTLICHE KOSTEN die bei Pflegebedürftigkeit entstehen zu bezahlen.

    Insofern ist die Pflegepflichtversicherung in Deutschland die jeder Bürger haben muss, egal ob Gesetzlich, Beamter oder Voll-Privat schon eine sehr gute Institution und eine sehr sinnvolle Leistung.

    Jeder kann nun zusätzlich auf privater Basis weitere Kosten absichern, die für Ihn und seine Angehörigen bei Pflegebedürftigkeit entstehen.

    Der Pflege-Bahr könnte ein EINSTIEG in diese Absicherung sein um eine gleichzeitig eine zusätzliche staatliche Förderung zu nutzen. Oder man wählt eine individuelle ergänzende Pflegeabsicherung.

    Je früher man einsteigt, desto günstiger ist der Beitrag und desto höher sind die zusätzlichen Leistungen im Pflegefall.

    Der Pflege-Bahr kann auch bei schwereren bestehenden Erkrankungen noch vereinbart werden, man darf nur noch kein Pflegefall sein oder es darf noch keine Pflegebedürftigkeit bestanden haben.


  • Der Pflege-Bahr ist Mist! Ich will gefälligst genau die gleiche Absicherung im Pflegefall wie ein Beamter und davon ist der Pflege-Bahr meilenweit entfernt!

    Warum kann man nicht die staatliche Prämie und seinen Eigenbeitrag in die gesetzliche Pflegekasse einzahlen und dafür höhere Leistungen bekommen als bisher? Das wäre für den Staat allemal billiger, als wieder ein neues teures Produkt der privaten Versicherer mit Steuergeldern zu fördern, die größtenteils in Verwaltungs- und Vertriebskosten der Versicherer landen dürften.

  • Murks, Murks und nochmals Murks! Was ist dieser Murks in 40 bis 50 Jahren wert, wenn heute schon massive Geldentwertungen greifen, dank Einheitseuro??? Es gibt pro Monat keine Flasche Wein. Da wette ich drauf. Vielleicht gibt es in dieser Zeit mehrere Währungsreformen. Die erste könnte bald bevorstehen. Finger weg von dem privaten Murks.

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