Pflegebedürftige
Wenn die Babyboomer-Generation alt wird

In Zukunft wird es eng in deutschen Pflegeheimen: Die deutliche höhere Lebenserwartung gepaart mit den großen Geburtenraten der 1960er und 1970er Jahre werden nach Einschätzung von Experten die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2060 deutlich ansteigen lassen. Doch die Szenarien sind vielfältig.

HB FRANKFURT/MAIN. Im schlimmsten Fall sollen nach einer Studie des Freiburger Universitäts-Forschungszentrums Generationenverträge statt der derzeit zwei im Jahr 2060 rund sieben Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sein. Im besten Fall werden es rund 2,64 Millionen sein.

Am Wahrscheinlichsten ist aber eine Verdoppelung auf rund vier Millionen, meint der Autor der Studie, Tobias Hackmann.

Der Volkswirtschaftler hat auf Grundlage der vom Statistischen Bundesamt vorausberechneten Bevölkerungsentwicklung verschiedene Szenarien untersucht. Danach steigt die Lebenserwartung eines Mannes mit 60 Jahren bis 2050 von derzeit 20,1 auf 25,3 Jahre. Die Lebenserwartung einer Frau steigt sogar von 24,1 auf 29,1 Jahre. Frauen, die dann 60 Jahre alt sind, sollen also im Durchschnitt 89,1 Jahre alt werden.

Grundannahme ist jeweils, dass die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, mit zunehmendem Alter drastisch steigt. Je mehr Ältere es gibt, desto mehr Pflegebedürftige gibt es demnach auch.

Unterschiede in der Berechnung der verschiedenen Szenarien ergeben sich laut Hackmann aber aus den zwei grundsätzlichen Fragen, wie sich die Pflegedauer entwickelt und mit welchem Alter Menschen pflegebedürftig werden.

Derzeit wird ein über 65-jähriger Mensch durchschnittlich knapp vier Jahre lang gepflegt. Sollte sich diese Pflegedauer beispielsweise durch bessere medizinische Versorgung verlängern, dann würde auch die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt steigen.

Der Wissenschaftler verweist hierzu auf das Beispiel der Aidskranken, bei denen bessere Medikamente dazu geführt haben, dass sie länger leben und damit aber auch länger gepflegt werden müssen.

Ebenso nicht eindeutig vorhergesagt werden kann die Frage, wie sich die Wahrscheinlichkeit für die Menschen entwickelt, neu pflegebedürftig zu werden. Das heißt, es geht in den verschiedenen Rechenmodellen darum, ob die künftigen alten Menschen beispielsweise durch bessere Vorsorge oder medizinische Versorgung erst später als jetzt pflegebedürftig werden.

Ebenso gut könnte es allerdings sein, dass die sich derzeit schon in der ganz jungen Generation ausbreitende Diabetes und Fettleibigkeit sogar einen früheren Pflegebeginn nach sich ziehen.

Wenn man davon ausgeht, dass die altersspezifische Pflegewahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2060 gleich bleibt – man spricht hier von der sogenannten Status-quo-Hypothese –, wird sich die Zahl der Pflegefälle von heute knapp zwei Millionen auf rund vier Millionen verdoppeln.

Geht man dagegen von der sogenannten Medikalisierungsthese und damit davon aus, dass sich der Zugewinn an Lebenserwartung in einem Anstieg des Pflegerisikos niederschlägt, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen drastisch auf 5,68 Millionen; bei einer um knapp zwei Jahre höheren Lebenserwartung als der vom Statistischen Bundesamt berechneten sogar auf 6,98 Millionen.

Die sogenannte Kompressionsthese schließlich geht von einem geringeren Pflegerisiko bei höherer Lebenserwartung aus mit der Folge, dass die Zahl der Pflegefälle nur auf 2,64 Millionen, oder bei noch höherer Lebenserwartung auf 2,72 Millionen steigt.

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