Pflegerat will Arbeitslose stärker einbinden
Familienangehörige versorgen statt Spargel stechen

Der Deutsche Pflegerat hat die Politiker aufgefordert, gefordert, "darüber nachdenken, ob man arbeitslose Familienangehörige nicht stärker in der Pflege der eigenen Angehörigen aktiv werden lässt".

tsp BERLIN. Dies sei jedenfalls naheliegender, als sie "irgendwohin zum Spargelstechen zu schicken", sagte Pflegerats-Präsidentin Marie-Luise Müller dem Berliner "Tagesspiegel". Gesellschaftlich wäre eine solche Verlagerung ein Gewinn, sie stärke Familienzusammenhalt, Eigenverantwortung und Flexibilität. Müller reagierte mit ihrem Vorschlag auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach die Zahl der Pflegebedürftigen, die zuhause von Angehörigen gepflegt werden, weiter gesunken ist.

Bei Grünen und Union stieß der Vorstoß auf Skepsis. Grünen-Expertin Petra Selg nannte den Pflegeeinsatz von Arbeitslosen in der eigenen Familie zwar "wünschenswert". Gesetzlich verpflichten könne man dazu aber niemanden. Schließlich komme es auf die Familienverhältnisse an, die Pflege von Menschen sei "heikel und hochsensibel". Arbeitslose, die sich dafür interessierten, könnten sich jedoch qualifizieren, es gebe dafür flächendeckend Angebote. Und über die Frage, "wie man das finanziell begleiten oder unterstützen könnte", lohne es sich nachzudenken, sagte Selg dem "Tagesspiegel".

Auch Andreas Strom (CDU) bezeichnete einen Zwang zum Pflegen als "hochproblematisch". Man müsse prüfen, ob Arbeitslose tatsächlich durch die Verpflichtung zu Ein-Euro-Jobs vom Pflegen eigener Angehöriger abgehalten würden. Allerdings müsse man sich hüten vor der These, dass der Rückzug von Angehörigen aus der Pflege ein Beleg für verfallende Familienstrukturen sei. Schließlich habe sich auch die Struktur der Pflegebedürftigen verändert.

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