Pflegereport
Die vergessenen Kranken

Die Zahl der jungen Pflegebedürftigen wächst. Doch laut des aktuellen Pflegereports der Barmer hat die Politik das bislang zu wenig auf dem Zettel. Aber nicht nur deshalb fordern Heimbetreiber von der Politik mehr Geld.
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BerlinBei den Sondierungsgesprächen für eine mögliche Jamaika-Koalition steht das Thema Pflege auf der Tagesordnung. Dafür gab es jetzt zusätzlichen Input vonseiten der Krankenkassen. Die Barmer stellte an diesem Donnerstag in Berlin ihren aktuellen Pflegereport vor. Dort kritisierte Vorstandschef Christoph Straub, dass man sich in der Politik beim Thema Pflege vor allem an einem gängigen Stereotyp orientiere: bettlägerig, hilflos und vor allem alt. Dass das nicht das vollständige Bild sei, zeige der Report: „Es fehlen die jüngeren Pflegebedürftigen. Und wir mussten leider feststellen, dass es für sie im heutigen Pflegesystem viel zu wenig Angebote gibt.“ 

Dies bestätigt eine repräsentative Umfrage bei Pflegebedürftigen unter 60. Danach fehlen für Pflegebedürftige vom Kleinkindalter bis in die Nähe des Rentenalters 4000 teilstationäre und rund 3400 Kurzzeitpflegeplätze. Zudem können junge Pflegebedürftige häufig nicht so wohnen, wie sie es bevorzugen: Es fehlen die entsprechenden Angebote. „Für junge Pflegebedürftige geht das Angebot an geeigneten Pflegeplätzen an deren Bedürfnissen vorbei, Wunsch und Wirklichkeit klaffen häufig auseinander“, sagte Straub. „Die Situation der jungen Pflegebedürften muss dringend verbessert werden, und zwar kurzfristig. Hier sind Politik, Pflegekassen und Leistungserbringer gleichermaßen gefragt.“

Laut Report gab es 2015 insgesamt 386.000 Pflegebedürftige unter 60 Jahren. Das sind 13,5 Prozent der 2,86 Millionen Pflegebedürftigen mit den Pflegestufen eins bis drei. Während der weitaus größere Teil aller Pflegebedürftigen weiblich ist, verhält es sich bei den jüngeren genau entgegengesetzt. 175.000 weiblichen stehen 211.000 männliche Pflegebedürftige gegenüber. Auch leiden die jüngeren Betroffenen eher selten an Demenz oder den Folgen von Schlaganfällen. Nach der Analyse des Reports haben 35 Prozent Lähmungen, 32 Prozent Intelligenzminderungen, 24 Prozent eine Epilepsie und zehn Prozent das Down-Syndrom.

Pflegereport-Autor Heinz Rothgang von der Universität Bremen fordert, dass Pflegeeinrichtungen auf diese Entwicklung reagieren müssen. Denn: „Junge Pflegebedürftige haben ganz andere Bedarfe als ältere.“ Gerade für pflegebedürftige Kinder und junge Erwachsene bleibt der Wunsch nach einem selbststimmten Wohnen häufig unerfüllt. Wie die eigens durchgeführte Umfrage bei 1700 Versicherten ergeben hat, würden gerne 35 Prozent der Zehn- bis 29-Jährigen in eine Wohngruppe ziehen. Wegen des fehlenden Angebots kann dieser Wunsch aber nur jedem Zweiten erfüllt werden. „Die unerfüllten Wünsche nach einem selbstbestimmten Wohnen vieler junger Pflegebedürftiger müssen für Politik, Bauwirtschaft und Interessensverbände ein Ansporn sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Erforderlich sind mehr ihrem Alter angepasste Wohnplätze für Kinder, Jugendliche und sehr junge Erwachsene“, sagte Straub.

Vor allem bei der Kurzzeitpflege gibt es massive Versorgungslücken. Neun Prozent nutzen dieses Angebot mindestens einmal im Jahr. Den Wunsch hätten aber 19 Prozent. Ähnlich düster sieht es bei der Tagespflege aus. Jeder fünfte junge Pflegebedürftige wünscht sich ein entsprechendes Angebot, aber insgesamt können nur 13 Prozent diesen Wunsch realisieren. Als Gründe geben sie an, dass es für ihre Altersgruppe entweder gar kein oder nur ein kleines Angebot gibt, das für die eigene Erkrankung passt. „Die ergänzenden Pflegeleistungen, die die häusliche Pflege stärken sollen, würden insgesamt mehr genutzt werden, wenn die alters - und erkrankungsspezifischen Angebote gegeben wären“, sagte dazu Rothgang.

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  • Hierbei sollte allerdings von den Grünen nicht vergessen werden, zu regeln, wie man verhindert, dass alle jungen Pflegebedürftigen dieser Welt nach Deutschland eingeflogen werden.

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