Pflichtgrenze soll gesenkt werden: Private Krankenversicherer fordern leichteren Wechsel

Pflichtgrenze soll gesenkt werden
Private Krankenversicherer fordern leichteren Wechsel

Uwe Laue, Verbandschef der Privaten Krankversicherungen, fordert bessere Auswahlmöglichkeiten bei der Krankenversicherung. Laue plädiert für eine niedrige Pflichtgrenze, die GKV sei vor allem für Schutzbedürftige da.

DüsseldorfDer neue Vorsitzende des Verbands der Privaten Krankenversicherung, Uwe Laue, hat die Politik aufgefordert, die Versicherungspflichtgrenze zu senken, ab der Arbeitnehmer aus der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechseln können.

„Viele haben vergessen, dass die gesetzliche Versicherung ursprünglich nur für besonders Schutzbedürftige eingeführt wurde. Das sollte auch heute noch gelten. Ich glaube nicht, dass 90 Prozent der Bürger schutzbedürftig sind. Ich bin daher sehr dafür, die Versicherungspflichtgrenze deutlich zu senken und so mehr Menschen die freie Wahl zu geben“, sagte Laue in einem Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

Die Grenze liegt derzeit bei 52.200 Euro im Jahr. Wer weniger verdient, muss in der gesetzlichen Versicherung bleiben. Nur Beamte und Selbstständige haben unabhängig vom Einkommen ein Wechselrecht. Zur Zeit sind 90 Prozent der Bürger gesetzlich versichert. Zum Umfang der erforderlichen Senkung der Grenze wollte sich Laue nicht festlegen. Das sei Sache der Politik, sagte er. Zugleich wies er jedoch darauf hin, dass das Durchschnittseinkommen eines Vollzeitarbeitnehmers derzeit bei mehr als 40.000 Euro liege.

Zugleich warnte Laue, im Hauptberuf Vorstandschef des Versicherungskonzerns Debeka, vor den Plänen von SPD, Grünen und Linken für eine Bürgerversicherung. Er fürchte, dass eine Bürgerversicherung die Gesundheitsversorgung in Deutschland deutlich schlechter machen werde, sagte Laue. „Das beginnt bei der ambulanten Versorgung. Die Ärzte werden auf die höheren Honorare für privatärztliche Behandlung verzichten müssen, in der Folge werden in kürzester Zeit 30.000 Arztpraxen geschlossen. Das wäre bei rund 140.000 Praxen ein gewaltiger Einbruch.“

Berechnungen einer Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung, der zufolge allein in der Versicherungswirtschaft rund 70.000 Arbeitsplätze zerstört würden, kritisierte er als „zu kurz gesprungen.“ Das Gesundheitswesen sei mit 4,5 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber und fünf bis zehn Prozent dieser Jobs wären gefährdet. „Hier stehen also 200.000 bis 400.000 Arbeitsplätze im Feuer.“

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