Genau dies hatte das Gremium im Fall der Insulinanaloga getan. Nach mehrmonatiger Prüfung kam das IQWIG zu dem Ergebnis, dass der medizinische Nutzen nicht größer ist als der des klassischen Insulins. Daher entschied der Bundesausschuss Mitte März, er könne keinen Nutzen erkennen, der es rechtfertige, die um 30 Prozent teureren Insulinanaloga weiter zu Lasten der Kassen einzusetzen.
Die Industrie fürchtet, dass die Entscheidung nur der Anfang einer Reihe von Prüfungen sein wird, an deren Ende viele innovative Medikamente nicht mehr auf Krankenschein zu haben sein werden. „Wir befürchten, dass in Zukunft alle innovativen neuen Medikamente in ähnlicher Weise nach von der Fachwelt nicht nachvollziehbaren Kriterien beurteilt werden könnten, nur weil sie teurer sind“, sagte Meier. Er glaubt, dass Institutsleiter Sawicki gezielt Studien ignoriert hat, die den Nutzen der Insulinanaloga belegen. Sein negatives Urteil habe der IQWIG-Chef dagegen auf Studien von Kollegen bei seinem Ex-Arbeitgeber, der Uniklinik Düsseldorf, gestützt, die schon wegen der geringen Teilnehmerzahlen von sechs bis 50 Nicht-Diabetikern „völlig irrelevant“ seien.
Auch Experten wie der Biometriker Heinz Letzel von der Universität München und der Münchener Diabetologe Rolf Renner werfen dem Institut „methodische Mängel“ vor. Sawicki wehrt sich: Ihn wunderten die Versuche, „die Arbeit des IQWIG zu diskreditieren“, nicht. Ähnliche Erfahrungen hätten auf internationaler Ebene alle Institute gemacht, die sich mit der Bewertung von Medikamenten befassen. Auf der Internetseite des Qualitätsinstituts (www.iqwig.de) verteidigt sich Sawicki gegen die Kritik. Auch Sanofi-Aventis macht seine Einwände publik (www.sanofi-aventis.de).
Beim Bundesausschuss dürfte die Industrie mit ihrer Kritik aber auf Granit beißen. Sein Vorsitzender Rainer Hess sieht nicht ein, dass die Kassen die höheren Preise zahlen sollen. Am Ende dürfte der Streit vor den Sozialgerichten landen. Vom Ausgang dieses Rechtsstreits hängt auch die Zukunft des IQWIG ab – und damit die Chancen der Politik, im Gesundheitswesen Kosten zu sparen. Schon nach der Kabinettsssitzung am Mittwoch wollen die Fraktionsspitzen von Union und SPD über weitere Reformschritte beraten.


