Philipp Rösler
Der stoische Parteichef

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Der nette Herr Rösler

Als grundsätzliche Verortung für die FDP angelegt, blieb von dem Papier in der Öffentlichkeit nicht viel mehr hängen als Röslers Plädoyer für den Verkauf von Staatsbeteiligungen und sein Nein zu Mindestlöhnen. Dieses stellte umgehend der niedersächsische FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner in Frage. „Die FDP sollte entspannter als bislang mit dem Thema Mindestlöhne umgehen", sagte er der „Welt". Es müsse auch ein Ziel der Liberalen sein, dass faire Löhne gezahlt werden.

Nun steht am 6. Januar das traditionelle Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart an, weitere Beiträge von Parteifreunden zur Führungsdebatte bleiben damit absehbar. „Stürzt Rösler an Dreikönig?" - so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen schon vor einem Jahr.

Statt in Isernhagen bei Hannover die Zeit zwischen den Jahren mit seiner Frau und den beiden Zwillingstöchtern zu genießen, muss Rösler in Berlin Flagge zeigen. Im ZDF-„Morgenmagazin" blieb er wie gewohnt gelassen, ließ sich auch nicht durch wiederholte Nachfragen nach seinen politischen Plänen im kommenden Jahr und Verweise auf seine vietnamesische Herkunft nicht aus der Fasson bringen. Schon zu Beginn seiner Amtszeit hatte Rösler einen neuen Ton in der FDP angekündigt. Mit „seriöser und solider Arbeit" wolle er das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen.

An diesem Morgen im Fernsehstudio könnte er jetzt ein Machtwort sprechen. Er könnte seine Kritiker verbal abwatschen, sagen, dass die Personaldiskussion beendet ist, ankündigen, dass er nach der Niedersachsen-Wahl auf jeden Fall weiter die FDP führen will. Tut er nicht. „Der nette Herr Rösler", wie ihn viele in der Partei nennen, ohne dies freundlich zu meinen, bleibt seinem Stil treu.

In den Zeiten der Ungewissheit, wie sie die FDP durchlaufe, „da müssen Sie Ruhe bewahren, da müssen Sie auch mal Nerven bewahren. Ich kann verstehen, dass da einige ungeduldiger sind, auch ungestümer, aber das wäre nicht mein Weg", betont der studierte Arzt. Es gebe „einen Unterschied zwischen Stärke und Lautstärke", fügt er hinzu, und den sehe er „offenbar anders als andere".

Kommentare zu " Philipp Rösler: Der stoische Parteichef"

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  • Laßt den Niebel nur machen, der macht das richtig. Genau als er vor der Bundestagswahl dafür plädierte, das Entwicklungshilfeministerium abzuschaffen. Na ja, wir wissen er wurde dahingehend Bundesminister in dem gleichnamigen Ressort. Was sagt uns das?

    Niebel plädiert den Vormann vom Spitzenkandidaten "automatisch" zu trennen. Dann weiß ein jeder sollte es in der fdp wieder genau so laufen, dann wird Niebel einfach nur der Automat, so wie der spricht, hat er keine andere Chance. Die anderen gehen dann nach Hause. fdp unter 18%o wer will dies schon aushalten?

  • Am 6. Januar 2013 wird der fdp der König genommen. Gut es waren damals immerhin drei. Ja, das war damals in der fdp so auch nicht. Wenn Gleiche unter Gleichen, da ist selbst der Einäugige unter den Blinden ein König. Ob Rösler überhaupt die Gemengenlage um sich herum richtige einschätzen kann, befürchte ich.

    Und denke mal lt. seinen früheren, abghealfterten Chef schert das nun wiederum auch nicht mehr. Abstieg bleibt Abstieg. Erst wenn wieder "hart" gearbeitet wird, hat der Aufstieg seinen Reiz. Gell?

  • Wir brauchen eine liberale Partei wie die FDP. Die FDP sollte deutlicher als jetzt für die Prinzipien der Selbstverantwortung und des Leistungswillens einsetzen - für die Prinzipien des sozialen Ausgleichs zugunsten der Leistungsunwilligen stehen genug andere. Sachliche Kritik kann man vertragen und mit eigenen Argumenten beantworten - unsachliche Beschimpfungen Andersdenkender sollte man auch so beim Namen nennen

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