Philipp Rösler: „Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“

Philipp Rösler
„Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat sich überlebt und muss dringend modernisiert werden. Warum es auf Dauer das System sprengen würde und wodurch es ersetzt werden könnte erklärt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.
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Handelsblatt: Herr Minister, die Wirtschaft klagt, dass die Energiewende kaum vorankommt. Haben die Unternehmen recht?

Philipp Rösler: Die Energiewende bis 2050 kann ohne Übertreibung als Mammutaufgabe bezeichnet werden. Es ist unrealistisch, hier Erfolgsmeldungen im Wochen- oder Monatsrhythmus zu erwarten. Es geht Zug um Zug voran. Wichtige Aufträge, die Bestandteil der Gesetzesbeschlüsse zur Energiewende waren, haben wir bereits umgesetzt oder arbeiten sie derzeit mit Hochdruck ab.

Welche sind das?

Ein wichtiges Beispiel ist der bundesweite Netzentwicklungsplan. Die vier Übertragungsnetzbetreiber erarbeiten ihn gemeinsam, im Anschluss wird er von der Bundesnetzagentur bestätigt. Er bildet die Grundlage für einen beschleunigten Ausbau der Stromübertragungsnetze. Das ist eine wichtige Stellschraube, denn der Ausbau der Netze ist die Basis der gesamten Energiewende. Die Stromproduktion verlagert sich mit dem Ausbau der Windkraft in den Norden Deutschlands. Der Strom muss aber in unsere Verbrauchszentren im Westen und Süden geleitet werden. Das geht nur mit massiven Investitionen in neue Netze.

Die erneuerbaren Energien spielen bei der Energiewende eine tragende Rolle. Ist ihre Förderung in der jetzigen Form auf Dauer vertretbar?

Wir müssen die Balance zwischen einem schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien auf der einen und einer wirtschaftlichen, sicheren Energieversorgung auf der anderen Seite finden. Im Moment ist diese Balance nicht gegeben. Eines ist klar, Strom muss für jeden Verbraucher und für die Wirtschaft bezahlbar bleiben. Deswegen ist es das Ziel der Bundesregierung, die Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien bei rund 3,5 Cent je Kilowattstunde stabil zu halten und einen Anstieg zu vermeiden.

Glauben Sie im Ernst, dass die Bundesregierung diese Zusage einhalten kann?

Das wird nicht leicht, ist aber ein wesentliches Ziel. So sprengt beispielsweise die derzeitige Ausbaugeschwindigkeit bei der Photovoltaik das wirtschaftlich vernünftige Maß. Der Ausbau ist im vergangenen Jahr in einer Größenordnung vorangeschritten, die die Planungen und Erwartungen um den Faktor zwei bis drei überstiegen hat. Erklärtes Ziel ist es, den jährlichen Zubau an Photovoltaikanlagen auf 2 500 bis 3 500 Megawatt installierter Leistung zu begrenzen. Tatsächlich wurden aber 7 500 Megawatt neu installiert. Wir wollen die staatliche Förderung auf diesen Zubau begrenzen, nicht aber den Ausbau von Solarenergie selbst. Das müssen wir unbedingt angehen. Im letzten Jahr wurden nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über 13 Milliarden Euro an die Erneuerbaren gezahlt. Die Hälfte dieser Kosten geht an die Photovoltaik, obwohl nur drei Prozent der Stromerzeugung aus der Solarenergie stammen. Ich sehe da ein eklatantes Missverhältnis, das mir weder volkswirtschaftlich noch energiewirtschaftlich sinnvoll oder zukunftsfähig erscheint.

Kommentare zu " Philipp Rösler: „Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“"

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  • Die alte Planwirtschaft hat nicht funktioniert, die Lösung ist neue Planwirtschaft. So die Denke der FDP, ehemals Partei für Freiheit und Marktwirtschaft, heute Partei für Sozialismus und leere Versprechen.

  • In diesem Zusammenhang soll auf die laufende Diskussion hingewiesen werden, die, wenn die Berichte stimmen, die alle bisherigen "Grünen-Gedanken" in den Schatten stellen wird.

    Die sogenannte "kalte Fusion" (http://de.wikipedia.org/wiki/Kalte_Fusion). Während einige bereits im Praxisbetrieb seien, bezweifeln andere den Ansatz grundsätzlich. Neue Nahrung in die Auseinandersetzung brachte der jüngste Videobeitrag eines NASA-Experten (http://www.youtube.com/watch?v=ceX3H5BC_O8)

    Die Hitzigkeit der Beiträge wird jetzt dadurch noch gesteigert durch die Angaben eines Herrn Rossi, "dem Vater der praktischen Realisation der kalten Fusion", der bereits früher Stromkosten von 1 ct/kW und jetzt Investitionskosten von 50 USD/kW ins Gespräch bringt (https://lunaticoutpost.com/Topic-NASA-Calls-Cold-Fusion-LENR-a-Game-Changer-with-video?page=2). Er spricht von Hauskraftwerken mit Leistungen zwischen 10-20 kW und erschwinglichen Investitionskosten von 1.000-1.500 USD.

    Ob alle Angaben der Wahrheit entsprechen, wird sich erweisen. Dennoch wird es interessant sein, den Fortgang der Diskussion zu verfolgen.

    Wenn die Ergebnisse später nur annähernd wahr sind, sind Solaranlagen und Windrädchen der nächste staatlich verordnete Flop. Die Mammutaufgabe wird dann darin zu sehen sein, dies dem Volk erneut zu erklären.

  • „Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“
    Falsch! Es ist keine Aufgabe. Wir brauchen diese überhaupt nicht, es besteht keinerlei Notwendigkeit.
    Eine Selbstzerstörung in fremden Auftrag?
    Wer kann mit Absicht gegen das eigene (?) Volk vorgehen und sich selbst (?) schädigen. Viele Familien können schon heute die höchsten Strompreise nicht mehr bezahlen.
    Von der Industrie ganz abgesehen, die kann Druck ausüben oder den Standort wechseln.
    Der Titel ist schon falsch, weil er suggeriert wir hätten keine andere Alternative. Wer gibt solche Artikel in Auftrag?

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