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Philipp Rösler: „Ich bin für eine Strompreisbremse“

Wind- und Solarstrom zu stark gefördert, der Netzausbau kommt nicht voran – die Energiewende hakt. Wirtschaftsminister Rösler will am Strompreis drehen und EU-Kommissar Oettinger bangt um den deutschen Industriestandort.

Philipp Rösler am Dienstag in Berlin. Quelle: EUROFORUM, Dietmar Gust
Philipp Rösler am Dienstag in Berlin. Quelle: EUROFORUM, Dietmar Gust

BerlinMit einem klaren Plädoyer für eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) haben Wirtschaftsminister Philipp Rösler und EU-Kommissar für Energie Günther Oettinger die Handelsblatt-Jahrestagung „Energiewirtschaft“ eröffnet. Der Haupt-Preistreiber beim Strom sei die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien, sagte Rösler. Doch die erneuerbaren Energien seien kein Nischenmarkt mehr, deshalb brauche man auch kein Gesetz zur Förderung eines Nischenmarktes mehr.

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Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

  • Singles

    2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

  • Paare ohne Kinder

    2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

  • Alleinerziehende

    2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

  • Paare mit Kindern

    2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

„Wenn sie an einer Stelle eine Photovoltaikanlage oder was auch immer bauen und haben keinen Netzanschluss, kriegen sie trotzdem 90 Prozent der Vergütung. Deshalb fordere ich eine Strompreisbremse: Wenn Sie nichts verkaufen, bekommen sie auch kein Geld dafür.“ Noch im ersten Quartal wolle die Bundesregierung Nägel mit Köpfen machen. „Es ist das Ziel der Bundesregierung, bis zum März eine grundlegende Reform vorzulegen.“

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Mangelhafter Netzausbau, erhöhte Strompreise, zähe Genehmigungsverfahren – die Energiewende hakt. Für Handelsblatt Online haben sieben Hauptakteure aufgeschrieben, was 2013 angepackt werden muss, damit sie gelingt.

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Der Bereich Energie dürfte eine der wichtigsten Themen im diesjährigen Wahlkampf werden. Die FDP plädiert für eine komplette Abschaffung der garantierten Vergütung und fordert stattdessen Mengen- oder Quotenmodelle. Es solle dem Markt überlassen werden, mit welcher Erzeugungsart die erneuerbare Energie erzeugt werden, sagte Rösler.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

  • Platz 1

    Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

  • Platz 2

    Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

  • Platz 3

    Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

  • Platz 4

    Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

  • Platz 5

    Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

  • Platz 6

    Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

  • Platz 7

    Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

  • Platz 8

    Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

  • Platz 9

    1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

  • Platz 10

    Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Auch Oettinger forderte „eine Generalrevision des EEG“. „Ein Industrieland wie Deutschland braucht zentrale Lösungen. Der Strom muss bezahlbar und rund um die Uhr sicher sein. Wenn Deutschland Industrieland bleiben will, muss Strom bezahlbar sein.“ Erst vergangene Woche hatte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung davor gewarnt, dass Sonnen- und Windstrom in Deutschland „viel zu schnell“ wachsen. „Deutschland braucht ein Tempolimit bei Wind- und Solarparks“, sagte er.

  • 01.02.2013, 16:09 UhrKarl-Otto

    Es wäre zu wünschen, dass Herr Rösler das EEG-Gesetz mal durchliest, da steht, dass eine Netzverträglichkeitsprüfung erforderlich ist.
    Es ist nachzulesen, dass laut § 9 Absatz 3,der Netzbetreiber nicht zur Optimierung,zur Verstärkung und zum Ausbau seines Netzes verpflichtet,
    soweit dies wirtschaftlich unzumutbar ist.

    Wie Herr Rösler zu der Erkenntnis kommt, dass nicht angeschlossene PV-Anlagen, für nicht gelieferte Strommengen entschädigt werden, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

    Wenn ständig die Erneuerbare Energien als die Preistreiber herhalten müssen, dann sollte man auch sagen, dass Steuern und Konzessionsabgaben doppelt so hoch zu Buche schlagen, als das EEG.

  • 27.01.2013, 00:04 UhrSteuerKlasseEins

    Ich bin dafuer die FDP bei der kommenden Wahl in hohem Bogen rauszuwerfen. Es muss ein Zeichen gesetzt werden, dass man nicht ungestraft anderer Leute Geld fuer rotgruenen Unsinn zum Fenster rauswerfen kann, und Wahlversprechen (siehe 2009: AKW-Verlaengerung + Steuersenkungen) brechen kann ohne dass es jemand "merkt" !

  • 23.01.2013, 11:44 UhrHofmannM

    @Beatmenfeind
    Italien bezieht zum großen Teil seinen Strom aus Frankreich (Kernkraft) und die Österreich beziehen ihren Strom zum Teil aus Tschechien (Kernkraft)!!!
    Wenn, dann sollten Sie schon das ganze Bild zeigen!

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