Philologenverband zeichnet dramatisches Szenario
Bis 2010 könnten 80 000 Lehrer fehlen

Der deutsche Philologenverband (DPhV) schlägt Alarm: „Deutschland steuert auf den dramatischsten Lehrermangel seit Ende der 60er-Jahre zu“, warnte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger.

BERLIN. Schon heute fehlten im Westen der Republik rund 10 000 Lehrer. Ohne schnelle Gegenmaßnahmen könnte die Lücke bis 2015 jedoch auf 80 000 fehlende Pädagogen wachsen.

Damit verschärft sich die Debatte um den Bildungsstandort. Ausgelöst durch die schlechten Pisa-Ergebnisse kreiste die Diskussion bislang vor allem um die Qualität des Unterrichts und die Benachteiligung sozial schwächerer Schüler. Dies könnte nun in den Hintergrund rücken: „Selbst eine schlechte Schulstunde ist besser als eine, die gar nicht stattfindet“, sagt Meidinger.

Schuld an der Misere sind die Länder, meinen die Philologen: Obwohl der Bedarf lange bekannt sei, sei „praktisch kein Bundesland zu einer vorausschauenden Personalpolitik in der Lage“. Die Imagekampagne, die die Kultusministerkonferenz (KMK) 2004 gestartet hatte, „ist nie aus den Startlöchern gekommen“. Mittlerweile ist sie offenbar ganz eingeschlafen: „Im Moment gibt es keine Aktivitäten“, heißt es bei der KMK.

Von insgesamt 785 000 Lehrern gehen nach Berechnungen des DPhV bis 2015 rund 40 Prozent in Pension. Selbst mit Blick auf sinkende Schülerzahlen müssten mindestens 290 000 davon ersetzt werden. Von den Hochschulen würden aber voraussichtlich nur 210 000 Absolventen kommen, so der Verband.

Während bei Pisa-Sieger Finnland auf jeden Lehramtsstudienplatz zehn Bewerber kämen, gehe das Interesse deutscher Abiturienten am Lehrerberuf noch zurück. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg der Studienanfängerzahlen sei diese 2004 wieder um sechs Prozent eingebrochen. Doch selbst wenn man die Zahl massiv steigern könnte, würde das nur langfristig helfen, da die Ausbildung inklusive Referendariat acht Jahre dauert.

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