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Philosoph Peter Sloterdijk: „Mit seinem Zentralbankwahn hat der Staat kapitale Fehler gemacht“

exklusiv Die Welt steckt in einer globalen Vertrauenskrise. Darunter leiden Arme wie Reiche. Wer ist Schuld an dem Schlamassel und wie können wir uns davon befreien? Der Philosoph Peter Sloterdijk gibt im Handelsblatt-Interview Antworten.

Peter Sloterdijk. Quelle: picture alliance
Peter Sloterdijk. Quelle: picture alliance

DüsseldorfDer deutsche Philosoph Peter Sloterdijk hat in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vor einer "Demoralisierung" unserer Gesellschaft gewarnt. "Die kollektive Demoralisierung ist schlimmer als eine vorübergehende Rezession jemals sein kann", sagte Sloterdijk. Seit Jahrzehnten lebten wir in einer gespenstischen Atmosphäre, in der ständig  verrücktmacherische Doppelbotschaften auf die Menschen einprasselten: sie sollten zugleich sparen und verschwenden,  sie sollten zugleich riskieren  und  solide wirtschaften, sie sollten hoch spekulieren und mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Auf die Dauer führe das zu einer absoluten Zermürbung. „Derselbe demoralisierende Effekt geht auch von der Tatsache aus, dass die leistungslosen Einkommen rasend schnell wachsen. Das vergiftet die jungen Leute, weil sie anfangen, sich in Scheinkarrieren hineinzuträumen.“

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Sloterdijk zur Krise Ein Philosoph redet Klartext

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Eine große Mitschuld an der Finanzkrise tragen nach Meinung des Philosophen die Notenbanken: „Ich glaube, der Staat hat mit seinem Zentralbankwahn in den letzten 20 Jahren kapitale Fehler gemacht und jetzt, da man die Folgen der Fehler sieht, will er sie beheben, indem er den Fehler in noch größerem Maßstab wiederholt.“  Man müsse ja nur die Ergebnisse dieses Flutens der Märkte einigermaßen aufmerksam studieren. Das Resultat sei, dass dieses Geld zum allergrößten Teil, zu etwa 80 bis 90 Prozent, nicht in die reale Wirtschaft gehe, sondern in die Finanzspekulation.

Sloterdijk warnte davor, die leeren Kassen der Staaten durch neue Zwangsabgaben zu füllen. Stattdessen appellierte er an die „Vornehmheit“ der Reichen. „Unsere ganze Welt ist auf einem psychopolitischen Grundfehler aufgebaut, weil sie  die Freiwilligkeitsdimension in all diesen Transaktionen zwischen Staat und Bürger nicht hoch genug ansetzt.“  In Amerika habe in den letzten Jahren mit der Initiative The Giving Pledge die Sozialdemokratisierung der Milliardäre begonnen. Die Sozialdemokratie lebe von der  einfachen Formel: Die Hälfte für die Gemeinschaftskasse.

Das vollständige Interview mit Peter Sloterdijk lesen Sie in der Freitagsausgabe des Handelsblatts.

  • 28.12.2011, 19:14 UhrAnonymer Benutzer: OnkelSam

    Der Philosoph und sein Steckenpferd. So könnte man die Ergüsse Sloterdijks umschreiben, die er gelegentlich zwanghaft verlautbart. Nun gibt es ja mittlerweile einige Philosophen, die mehr oder weniger erfolgreich in Ökonomie dilettieren. Sloterdijk gehört zu der "Klasse", die Sachverstand durch ziselierte Sprechblasen zu ersetzen sucht. So nennt er den Ersatz für Steuern die "Vornehmheit der Reichen", die dem Staat nichts schulden, sondern freiwillig geben sollen. Wenn man von diesem schwadronierenden Schwachsinn einmal absieht, bringt Sloterdijk etwas auf die Tagesordnung, das die geistige Verfasstheit eines Vertreters unserer geistigen Eliten widerspiegelt, die in philosophischen Quadraten Erkenntnisschärfe vortäuschen dürfen. Bei genauer Betrachtung entdecken wir einen sich im Elfenbeinturm mit vorgetäuschter Wissensbasis windender Snörkeladvokat, dem die einfachsten makroökonomischen Grundkenntnisse fehlen, und man sich entsetzt fragt, was so einer im Handelsblatt zu suchen hat. Wo man diesem ökonomischen Phrasendrescher ganze Seiten überlässt, auf denen er seine zumindest in dieser Hinsicht völlig sinnentleerte Hirnmasse auspresst, um eine über Jahre verwüstete Steuerpolitik zu rechtfertigen. Armes Deutschland kann man da nur sagen.

  • 27.12.2011, 12:31 UhrAnonymer Benutzer: reisbach

    Leider ist Herr Sloterdidijk als hochdotierter Beamter in erster Linie an seiner persönlichen Besitzstandswahrung interessiert und setzt genau deshalb auf freiwillige (hahaha) Beiträge zur staatlichen Entschuldung. Sonst muß er um seine hohen Pensionszahlungen fürchten, die mit leeren Kassen nicht bezahlbar sind. Deshalb moralisierende Appelle.

  • 17.12.2011, 15:57 UhrAnonymer Benutzer: Nemo

    Sicher wahr, was Herr Sloterdijk da sagt; aber heißt es nicht richtig "In der Freitagausgabe des Handelsblatt" anstatt "...des Handelsblatts"? Namen und stehende Begriffe werden doch nicht gebeugt, dachte ich. Man sagt ja auch nicht: "In einem Artikel des Spiegels" sondern "...des Spiegel".

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