Deutschland

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Piëch: Hohe Energiepreise schaden Deutschland

Sorge um den Wirtschaftsstandort: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch warnt, dass Deutschland ganze Industriezweige verlieren könnte, sollten die Energiekosten weiter steigen.

Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG. Quelle: dapd
Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG. Quelle: dapd

BerlinSteigende Energiepreise können nach Ansicht von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. „Deutschland läuft aufgrund hoher Energiekosten Gefahr, Industriezweige wie Gießereien und Metall mittelfristig zu verlieren“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Dies bleibe auch für den Autobauer VW nicht ohne Folgen. „Wir bei Volkswagen merken das beim Einkauf zum Teil schon heute, weil wir aufgrund des Kostendrucks auf Lieferanten aus anderen Ländern umsteigen müssen.“ VW-Fahrzeuge würden dadurch „tendenziell“ teurer.

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Energiepolitik

Einer möglichen Rabattschlacht sieht der oberste VW-Kontrolleur allerdings gelassen entgegen: „Für uns wird es unblutig sein“, sagte er. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte VW vorgeworfen, ein „Blutbad“ bei den Margen anzurichten. Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen. VW hatte die Kritik umgehend zurückgewiesen. Vor kurzem dann hatten Fiat und VW ihren Streit beigelegt.

Volkswagen

VW hat auf die Energiewende laut Piëch bereits reagiert: „Wir kaufen preiswerte Wasserkraft und alternative Energien.“ Mit Sorge beobachtet er die Entwicklung der Euro-Krise: „Sorgen machen uns die Regionen südlich der Alpen und westlich vom Rhein. Fünf Prozent Plus oder Minus in Deutschland merkt man kaum, aber zwei Drittel weniger in Spanien schon.“ Im kommenden Jahr rechnet Piëch für seine Branche mit Absatzproblemen auf dem europäischen Markt: „Die Situation speziell in Europa ist von deutlich zunehmender konjunktureller Unsicherheit geprägt. Die Rahmenbedingungen sind und bleiben insofern herausfordernd.“

  • 10.11.2012, 07:20 UhrEvolutionI

    "Kostendruck und Umsteigen müssen" sind ein ständiges Problem der Globalisierung. Einkäufer agieren zunehmend global. "lokale Produktionskosten" + Logistik + Steuern/Zoll ist der entscheidende Gleichungssatz. Autowerke sind auch riesige Montagestationen. Im Endeffekt heißt es, dass auch die hiesigen Autowerke etliche Kostensteigerungen durch einen geschickten Einkauf auffangen können. Für den Kunden rollt optisch weiter das Auto aus dem Werk ... aber die lokalen Lieferketten sind schon heute stark internationalisiert. Schon heute werden Lieferanten aus Deutschland gedrängt, wenn ein anderer Lieferant die gleiche Qualität zu einem günstigeren Preis erbringen kann.

    Natürlich ist es aber so, dass so Werke an sich auch in Hochlohnländern überleben können, weil der Kostendruck auf die Lieferanten abgewälzt wurden, die noch viel stärker international agieren müssen. Das "Schicksal" der Autowerke läuft vielmehr über den Entscheidungstatbestand, ob der Kunde das Auto auch wirklich emotional kaufen will ? Das Auto muss "attraktiv und begehrenswert zum WILL ICH HABEN" eingeschätzt werden. Hier braucht VW weniger zu fürchten, als derzeit andere Marken in der EU. Das sichert entscheidend Fabriken mit aus.

    Insofern braucht auch VW weniger Rabatte fürchten, als die Marke xyz. Insofern bekommt VW vielleicht eine Delle ab, aber kein Werk eine existenzbedrohende Fieberattacke. VW hat früh die richtigen Entscheidungen getroffen, um ein Überleben besser zu gewährleisten.

  • 10.11.2012, 07:53 UhrEvolutionII

    Gießereien und Metallverarbeiter unterliegen schon lange einem starken Kostendruck. Umweltauflagen und Personalkosten sind in Deutschland hoch. Bürokratiekosten kommen noch hinzu. Können hier die Unternehmen nicht genügend Rücklagen bilden, um zu investieren, zu reparieren und zu modernisieren ... wird es eng. Sind die Unternehmen zu klein, um gewisse Skaleneffekte nicht abbilden zu können ... wird es eng. Sind die Unternehmen nicht innovativ genug und/oder schlecht über Patente abgesichert ... wird es eng.

    Hohe Energiepreise in Deutschland greifen die "Bewegungsmaße" der Unternehmen an, indem weniger Mittel für andere Dinge zur Verfügung stehen. Energieintensive Unternehmen leiden hier natürlich mehr und müssen es versuchen irgendwie zu kompensieren. Mal gelingt es und mal gelingt es nicht.

    Wichtig ist, dass man die Evolutionentwicklung lokaler Lieferanten nicht "kalt dem Einkauf" überläßt, sondern gemeinsam untersucht wird und analysiert wird, ob sich auch höhere Einkaufspreise lohnen, wenn der Lieferant psoitive Entwicklungsschritte vollzieht. Das kostet Zeit und eine gemeinsame Analyse. Es ist auch eine Sache einer unternehmerischen Ethik, des wie "lebe" ich mit meinen Lieferanten in einem volkswirtschaftlichen Lebensraum zusammen. Für Lieferanten heißt es aber auch nicht nur Geld rauszuziehen und auszuschütten, sondern gezielt und gut durchdacht wieder zu reinvestieren. Auch hier sind Schieflagen von Eigentümergeneration zur nächsten Eigentümergeneartion in etlichen Fällen zu beobachten. NEUE Eigentümer treiben die Verschuldungslage hoch, indem der Kaufpreis natürlich belastet. Auch bedeutet es nicht automatisch, dass jede Eigentümergeneration "gleich mental fähig ausgestaltet ist".

    Es ist ganz schön ... komplex.

  • 10.11.2012, 07:55 UhrEvolutionIII

    Die Grundkritik ist richtig, dass Deutschland an Zukunft verlieren wird, wenn Energiepreise am theoretischen Tisch der Politik ausgestaltet werden und zum Problem der monopolartigen Clusterstrukturen der Energieerzeuger hinzukommen. Der Kunde zahlt so einen Monopolzuschlag plus einen verkopften Politzuschlag. Die Politik ist gut beraten auch in der Zukunft auf einen breiten Energiemix und einen breiten Energiewettbewerb zu beachten. Ohne Wettbewerb kommen halt in unserem Wirtschaftsmodell keine günstigern Preise zustande. Ein Wettberwerbsaspekt der hyperwichtig ist, sind "Marktzugang/Durchleitungspreise".

    Werden die Unternehmen in Deutschland mit viel höheren Preisen attackiert - als vergleichbare Unternehmen im Ausland, haben die hiesigen Unternehmen diese Kostenwelle ZUSAETZLICH zu schultern. Der eine kann es und der andere nicht (mehr). Das Rückrad einer Volkswirtschaft sind nun einmal real wirtschaftende lokale Unternehmen, die Jobs geben. Banken die ZOCKEN und mit "Luft spekulieren", schaffen keine Jobs, sondern treiben mit Volkswirtschaften in den Ruin. "Reale Unternehmen" ---lokal verankert mit Produktionen--- benötigen einer Pflege.

    Handelsunternehmen schaffen nur wenige Jobs, trotz teils "glänzender Markennamen" - auch das muss die Politik in Ihrer Entscheidungswirkung bedenken.

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