Piëch will bis 2007 bleiben
Machtprobe zwischen Wulff und Piëch

Wenn am Montag in Berlin die Parteien die Kanzlerfrage klären, ist Christian Wulff (CDU) in Wolfsburg beschäftigt: In seiner Funktion als Großaktionär trifft der niedersächsische Ministerpräsident bei einer VW-Aufsichtsratsitzung auf Ferdinand Piëch. Sein Ziel: Piëch von seinem Posten als Chef des Gremiums verdrängen.

HB WOLFSBURG. In der außerordentlichen VW-Aufsichtsratssitzung, bei der es um den Einstieg von Porsche bei Europas größtem Autobauer geht, muss sich der frühere Konzernchef Ferdinand Piëch seinem Widersacher Christian Wulff stellen. Wulff als Vertreter des bisherigen VW-Hauptaktionärs Niedersachsen gilt als schärfster Kritiker des derzeitigen Aufsichtsratschefs Piëch.

In den vergangenen Wochen soll Wulff auf der Kapitalseite des Kontrollgremiums um Unterstützung dafür geworben haben, Piëch aus dem Amt zu drängen. Wulff befürchtet einen Interessenkonflikt Piëchs, der als Großaktionär von Porsche auch im Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagenbauers sitzt. Als Miteigner einer großen Auto-Vertriebsfirma ist Piëch zudem einer der wichtigsten Geschäftspartner des VW-Konzerns.

Einziger Tagesordnungspunkt der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg ist es, die Mitglieder des Kontrollgremiums über den Porsche-Einstieg zu informieren. Dass dabei auch über Piëchs Zukunft abgestimmt wird, ist nach Einschätzung von Experten unwahrscheinlich. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat haben bereits deutlich gemacht, dass sie Piëch in diesem Fall stützen wollen. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte Reuters, die Arbeitnehmervertreter hätten überhaupt keine Veranlassung, bei einem Putsch gegen Piëch mitzumachen.

Die Arbeitnehmerseite verfügt über die Hälfte der 20 Aufsichtsratsmandate bei VW. Bei Pattsituationen kommt dem Aufsichtsratsvorsitzenden ein doppeltes Stimmrecht zu. Porsche hat sich fast 19 Prozent der Stammaktien von Volkswagen gesichert und verfügt über die Option, weitere 3,4 Prozent über den Markt zu kaufen. Damit steigt Porsche vor dem Land Niedersachsen zum Hauptaktionär von Europas größtem Autobauer auf. Das Land hält 18,2 Prozent an VW und verfügt über zwei Aufsichtsratsmandate.

Analysten erwarten von der Aufsichtsratssitzung keine Personalentscheidungen. Sie gehen davon aus, dass in der Diskussion zwar „die Fetzen fliegen“ werden. Piëch werde aber voraussichtlich nicht abgelöst. „Es wäre der richtige Schritt für Piëch, zurückzutreten. Ich erwarte das aber nicht“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

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