Piloten schlagen Alarm
Ticketsteuer bedroht deutsche Luftfahrt

Koalitionspolitiker machen sich für ein Ende der Luftverkehrssteuer stark. Doch Schäuble zieht nicht mit. Ein Fehler, sagt die Pilotenvereinigung Cockpit. Sie sieht die Zukunft der deutschen Luftfahrt auf dem Spiel.
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BerlinDie Pilotenvereinigung Cockpit bangt angesichts der Luftverkehrssteuer und anderer Belastungen um die Zukunft der deutschen Luftfahrtunternehmen. „Wenn die deutsche Luftverkehrswirtschaft eine Chance im hart umkämpften internationalen Wettbewerb haben will, dann darf es zu den Standortnachteilen, die sowieso schon vorhanden sind, keine weiteren Bremsklötze für die deutschen Unternehmen geben, ansonsten bleiben sie bald alle am Boden“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg Handelsblatt Online.

Er begrüße daher den Vorstoß der Koalition, die „wettbewerbsverzerrende und geschäftsschädigende“ auch Ticketsteuer genannte Luftverkehrssteuer abzuschaffen. „Eine Abschaffung ist angesichts der offensichtlich schwierigen Lage der Branche überfällig. Die negativen Effekte sind eindeutig.“

Handwerg äußerte vor diesem Hintergrund scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der eine Abschaffung der Steuer ablehne, obwohl es doch parteiübergreifend schon seit Jahren die Erkenntnis gebe, dass die Luftverkehrssteuer deutsche Unternehmen schädige und somit Arbeitsplätze gefährde. Aktuell könne man etwa am Einstieg des Air-Berlin-Aktionärs Etihad bei der angeschlagenen Alitalia oder am Etihad-Engagement bei Air Berlin beobachten wie die europäische Luftfahrt zunehmend von Unternehmen aus der Golfregion aufgekauft werde, „die durch subventionsähnliche Stützung ihrer Staaten bereits deutliche Vorteile genießen“, gab der Cockpit-Sprecher zu bedenken.

Die europäischen und insbesondere die deutschen Luftfahrtunternehmen würden es daher „zunehmend schwerer haben eigenständig und somit selbstbestimmt zu überleben“, sagte Handwerg weiter. „Deshalb wäre es eigentlich notwendig, wie es in anderen Branchen üblich ist die Wirtschaft zu unterstützen, um besser mit Unternehmen die keine Sozialstandards kennen, zu konkurrieren“.

Offensichtlich werde aber „die Brisanz und Dynamik nicht gesehen oder es wird zur Erreichung der Haushaltsziele schlicht in Kauf genommen, dass man dies auf Kosten der Substanz und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftfahrtindustrie tut“. Da man an anderen Stellen bereits „Milliardengeschenke“ verteile, sei das Argument der Haushaltsdisziplin jedenfalls inzwischen auch „als nicht glaubhaft entlarvt“.

Der Cockpit-Sprecher sieht darüber hinaus weitere problematische Entwicklungen. „Standortnachteile gibt es in Deutschland schon alleine aufgrund des Nachtflugverbotes an vielen Flughäfen, aufgrund der hohen Infrastrukturkosten und natürlich auch aufgrund der Sozialsysteme, die wir natürlich alle für gut und richtig befinden, trotzdem stellen sie eine Belastung für Unternehmen dar, die es in anderen Teilen der Welt so nicht gibt“, sagte Handwerg. Zudem seien Genehmigungsverfahren für weiteres Wachstum in Deutschland „extrem schwierig“ aufgrund der langen Prozesse und der, zwar von wenigen betriebenen, dafür aber umso vehementer vertretenen, Partikularinteressen.

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  • Wer das Flugzeug benutzt, versündigt sich an unserem Lebensgrundlagen, unabhängig von einer religiösen Einstellung.

    Daher bin ich für eine weltweite Ticketsteuer von EUR 1 Million pro Ticket.

    im Übrigen stimme ich zu, dass die Steuerlast für die Bürger in Deutschland viel zu hoch ist. Insbesondere die Einkommensteuer sollte ersatzlos abgeschafft werden. im Gegenzug können drastisch die Ausgaben gekürzt werden.

  • Es geht nicht darum, ob mehr Leute fliegen, sondern wer das Geld bekommt, dass Sie für den Flug bezahlen. Da ich beruflich ziemlich viel mit dem Flieger unterwegs bin, kann ich ab und zu mal für Meilen fliegen. Da muss man dann aber Steuern und Gebühren selbst zahlen. Und die Beträge sind gewaltig. Gerade war ich mit einem Meilenflug in Japan. Steuern und Gebühren: über 500,-EUR.
    Vor ein paar Jahren waren das noch unter 300,-EUR. Und die Ticketpreise sind eben nicht in dem Maße gewachsen wie Steuern und Gebühren. D. h., bei gleichem Fluggastaufkommen verdient die Airline immer weniger. Das ist hier das Problem.
    Und wenn ich mir ansehe, dass von den Gebühren auch die Schikanen am Flughafen bezahlt werden, und ich bei der Wiedereinreise aus Osaka kommend in Frankfurt für die erneute Sicherheits- und Passkontrolle über eine Stunde gebraucht habe, so komme ich zu dem Schluss, dass die Steuern- und Gebühren-Kassierer die Zahler definitiv nicht als Kunden wahrnehmen. Genaugenommen ist es eine Frechheit, welche hohe Abgaben man für einen so grottenschlechten Service zahlen muss.
    Klar, wenn Sie einfach nur so ein Ticket kaufen, sehen Sie nicht, was davon eigentlich die Airline bekommt. Also, machen Sie mal einen Meilenflug.

  • In Deutschland wird die Bevölkerung ausgepresst wie eine Zitrone. Ich möchte einmal erleben, dass das Steuergeld sinnvoll verwendet wird. Ich bin überzeugt, dass die Steuerlast der Bürger um die Hälfte reduziert werden könnte, wenn man es nicht permanent in sinnlosen Projekten oder Banken versenkt.

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