Pilotprojekt für Flüchtlinge
Wie Integration gelingen kann

Ein Positivbeispiel aus Dresden: Das Fraunhofer-Institut gibt geflüchteten Wissenschaftlern eine Chance – mit Praktika und Jobs. Eine syrische Ingenieurin berichtet, wie sie darüber Freunde und Selbstbewusstsein gewann.

DresdenAbdl Rahman Ismail, 44 Jahre alt, hat lange auf seine Chance gewartet. Vor einem Jahr flüchtete der Syrer vor dem Krieg in seiner Heimat nach Deutschland. Über eine Willkommensinitiative erfuhr der Maschinenbau-Ingenieur vom Sonderprogramm „Integration“ am Dresdner Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS.

Er bewarb sich kurzerhand für ein Praktikum – und hat nun einen Job in der Tasche: eine halbe Stelle, befristet für ein Jahr. „Die Arbeit hier ist ein ganz wichtiger Schritt für mich“, sagt er. Bei den Kollegen ist er wegen seiner praktischen Fähigkeiten ein gefragter Mann – beim Schweißen oder für Versuchsaufbauten.

Im September 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, stand für IWS-Institutsleiter Eckhard Beyer schnell fest: „Wir müssen etwas tun, weil auch viele Wissenschaftler und Uniabsolventen kommen.“ Er sprach mit seinen Mitarbeitern, anderen Fraunhofer-Instituten und der Zentrale in München. Eine „Task Force Integration“ wurde dort eingerichtet, um Flüchtlingen durch ein dreimonatiges Praktikum, eine Ausbildung oder eine befristete Stelle den Schritt in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Auch Wissenschaftsorganisationen wie Helmholtz, Leibniz oder die Max-Planck-Gesellschaft sind mit im Boot. Das Pilotprojekt läuft seit Februar 2016 in Dresden.

Mit Hilfe von Stadt, Ausländerrat und Willkommensinitiativen organisierte das IWS zu Beginn des Jahres eine Informationsveranstaltung. „Mehr als 100 Leute waren da, das war der Startschuss“, so Beyer. 16 Praktikumsplätze wurden seither an anerkannte Flüchtlinge in sächsischen Fraunhofer-Einrichtungen vergeben, die meisten kommen aus Syrien. Nach drei Monaten Praktikum wird entschieden, wie es weitergeht. Fünf Wissenschaftler hat das Institut befristet übernommen.

„Wir wollen und können nicht alle auf Dauer anstellen, aber wenn sie ein Praktikumszeugnis von uns bekommen, haben sie es später leichter, einen Job zu finden“, sagt Beyer. Die Vorstellungsgespräche führt der Professor selbst. „Einige waren so glücklich, dass sie Tränen in den Augen hatten.“

Frau Bobaky, die ihren Vornamen nicht nennen möchte, hat durch das Praktikum am Fraunhofer-Institut neue Freunde gefunden. Der Umgang mit dem Chef und den Kollegen sei viel lockerer, als sie es aus ihrer Heimat Syrien kenne, sagt die 39-Jährige. Dort arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität in Aleppo, bevor sie mit ihrem Mann und den drei Kindern flüchtete. Die Maschinenbau-Ingenieurin ist froh über die Chance am IWS Dresden: „Für mich eine gute Gelegenheit, um die Sprache richtig zu lernen und vor allem das Arbeitsklima in Deutschland kennenzulernen.“ Sie sei jetzt so sicher, dass sie sich zutraue, auch einen anderen Job anzunehmen. „Wir planen, in Deutschland zu bleiben.“

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